Thermische Unterschiedsschwelle
Englisch: thermal sensory limen
Definition
Die thermische Unterschiedsschwelle ist die kleinste Temperaturdifferenz zwischen zwei Reizen, die von einer Person gerade noch als unterschiedlich warm oder kalt wahrgenommen werden kann.
Hintergrund
Die Wahrnehmung von Temperatur erfolgt über spezialisierte Rezeptoren in der Haut, die auf Wärme- oder Kältereize reagieren. Die Unterschiedsschwelle beschreibt nicht die absolute Wahrnehmung von „warm“ oder „kalt“, sondern die Fähigkeit, feine Temperaturunterschiede zu erkennen. Sie ist Teil der quantitativen Sensibilitätsprüfung und spiegelt die Funktionsfähigkeit peripherer Nervenfasern und zentraler Verarbeitungsprozesse wider.
Messung
Die Bestimmung erfolgt standardisiert im Rahmen der quantitativen sensorischen Testung (QST). Dabei werden definierte Temperaturreize appliziert und schrittweise verändert, bis der Proband einen Unterschied wahrnimmt. Die Messung erfolgt getrennt für Wärme- und Kälteempfinden.
Klinik
Veränderungen der thermischen Unterschiedsschwelle können auf Störungen des somatosensorischen Systems hinweisen, insbesondere auf Schädigungen dünn myelinisierter oder unmyelinisierter Nervenfasern. Sie spielt daher eine Rolle in der Diagnostik von Polyneuropathien, neuropathischen Schmerzen und zentralnervösen Läsionen.
Abgrenzung
Die thermische Unterschiedsschwelle ist von der Temperaturschwelle zu unterscheiden, die angibt, ab welcher absoluten Temperatur ein Reiz erstmals als warm oder kalt wahrgenommen wird.