Systemmedizin
Englisch: systems medicine
Definition
Die Systemmedizin ist ein Teilgebiet der biomedizinischen Kybernetik und dort speziell der Systemtheorie. Sie wendet Methoden und Erkenntnisse der Systembiologie auf medizinische Fragestellungen an.
Hintergrund
Die Systemmedizin befasst sich insbesondere mit der Erarbeitung grundlagentheoretischer Konzepte, um die biologischen Mechanismen von Erkrankung und Gesundheit besser zu verstehen. Darüber hinaus kümmert sie sich um die Entwicklung von fortgeschrittenen diagnostischen Verfahren (z.B. Strukturparameter-Inferenz-Ansatz) und von Algorithmen für die automatisierte Therapie (z.B. Closed-Loop-Insulinpumpen). Die Ziele umfassen u.a. die Nutzbarmachung translationaler Prozesse für die klinische Forschung und die Entwicklung von Methoden für die personalisierte Medizin.
Einteilung
Auf Ebene des untersuchten Gegenstands wird die Systemmedizin in eine molekulare und eine organismale Systemmedizin eingeteilt.[1][2] Methodisch kann sie einerseits als integrierende Erweiterung von „omics“-Ansätzen (z.B. Genomik, Transkriptomik, Metabolomik etc.), andererseits als kybernetische Theorie zur Untersuchung physiologischer Wirkungsgefüge verstanden werden. Nicht selten werden die verschiedenen Ebenen und Methoden auch kombiniert, um ein besseres Verständnis zu erreichen.
Quellen
- ↑ Tretter et al. The Quest for System-Theoretical Medicine in the COVID-19 Era. Front Med (Lausanne). 8:640974. 2021
- ↑ Tretter et al. Perspectives of (/memorandum for) systems thinking on COVID-19 pandemic and pathology. J Eval Clin Pract. 29(3):415-429. 2023
Literatur
- Alon. Systems Medicine: Physiological Circuits and the Dynamics of Disease. 1. Auflage New York: Chapman and Hall/CRC 2023; ISBN 9781032411859
- Erdmann et al., Systemmedizin: Herausforderungen eines aktuellen Ansatzes. Dtsch Arztebl 2015; 112(31): A 1330–4