Stimmgabeltest
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LoslegenSynonyme: Vibrationsgabeltest, quantitativer Vibrationstest
Englisch: tuning-fork-test
Definition
Der Stimmgabeltest ist eine neurologische Untersuchungsmethode zur Prüfung des Vibrationsempfindens (Pallästhesie). Er dient der Diagnostik und Verlaufsbeurteilung von Erkrankungen, die mit einer Störung der Tiefensensibilität einhergehen, z.B. Polyneuropathien, Hinterstrangläsionen oder demyelinisierende Erkrankungen.
Durchführung
Zur Untersuchung wird in der Regel eine Rydel-Seiffer-Stimmgabel mit einer Eigenfrequenz von 128 Hz verwendet. Die Untersuchung kann im Sitzen oder Liegen erfolgen.
Die Stimmgabel wird durch Zusammendrücken der Zinken oder durch Anschlagen an die Hand des Untersuchers in Schwingung versetzt und anschließend auf einen knöchernen Vorsprung aufgesetzt. Die Untersuchung beginnt am distalsten Messpunkt und schreitet bei vermindertem Befund nach proximal fort.
Messpunkte
- Untere Extremität: Großzehengrundgelenk, Malleolus medialis
- Obere Extremität: Processus styloideus radii, Radiusköpfchen, Olecranon
Der Patient gibt zunächst an, ob er die Vibration wahrnimmt. Anschließend soll er den Zeitpunkt nennen, an dem das Vibrationsempfinden erlischt. In diesem Moment wird der auf der Skala angezeigte Wert abgelesen. Die Untersuchung erfolgt beidseits zum Seitenvergleich.
Bei Verwendung einer nicht-graduierten Stimmgabel (klassische Methode) kann der Untersucher die Gabel gleichzeitig auf seinen eigenen Knochen aufsetzen und so den Zeitpunkt des Erlöschens beim Patienten mit dem eigenen Empfinden vergleichen.
Die Untersuchung sollte nicht über entzündeter, verletzter oder ödematöser Haut erfolgen, da dies das Ergebnis verfälschen kann.
Auswertung
An den Zinken der Rydel-Seiffer-Stimmgabel befinden sich zwei Dämpfer mit Markierungen und einer Skala von 0 bis 8. Mit abnehmender Schwingungsamplitude verändert sich die scheinbare Position der Markierungen auf der Skala. Der zum Zeitpunkt des Verschwindens der Vibrationswahrnehmung abgelesene Wert entspricht dem Pallästhesie-Wert.
Die Normwerte sind altersabhängig und nehmen mit zunehmendem Lebensalter physiologisch ab. Werte ≤ 4/8 gelten bei jüngeren Erwachsenen in der Regel als pathologisch. Bei älteren Patienten über 60 Jahren sind alterskorrigierte Grenzwerte zu berücksichtigen.