Pseudohypoglykämie
Synonym: relative Hypoglykämie
Englisch: pseudohypoglycemia
Definition
Als Pseudohypoglykämie bezeichnet man das Auftreten von typischen Symptomen einer Hypoglykämie, obwohl der Blutzucker laborchemisch im Referenzbereich liegt.
Hintergrund
Bei langfristiger Hyperglykämie verschieben sich Wahrnehmungsschwellen und Gegenregulationsantworten. Kommt es zu einem raschen Abfall des Blutzuckers in Richtung normnaher Werte (meist 100 — 150 mg/dl), können vor allem autonome bzw. adrenerge Symptome (z.B. Zittern, Palpitationen, Schwitzen, Unruhe) auftreten, obwohl keine echte Hypoglykämie vorliegt.
Therapie
Die Therapie der Pseudohypoglykämie besteht in einer individuell angepassten Senkung chronisch erhöhter Blutglukosewerte. Eine zu rasche Normalisierung sollte vermieden werden, da sie die Symptome verstärken kann. Durch eine stufenweise Annäherung an normnahe Zielwerte über mehrere Wochen kommt es in der Regel zu einer erneuten Adaptation der Wahrnehmungsschwellen und zum Abklingen der autonomen Symptome.
Abgrenzung
Abzugrenzen ist die laborchemische Pseudohypoglykämie. Diese entsteht aufgrund einer verzögerten Verarbeitung von Blutproben, da Zellen wie Erythrozyten oder Leukozyten die Glukose verbrauchen. Der im Labor gemessene Glukosewert liegt dann deutlich unter dem tatsächlichen Blutzucker. Der Effekt ist besonders ausgeprägt bei Leukämien oder Polyzythämia vera und kann durch eine parallele Point-of-Care-Messung festgestellt werden.
Literatur
- Helmstädter I.: Hypoglykämien vermeiden, erkennen, behandeln. Pharmazeutische Zeitung, 2005
- Robbins et al.: Pseudohypoglycemia: A Pitfall in Everyday Practice. Rhode Island Medical Journal, 2024