Pathogen Access and Benefit Sharing
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LoslegenSynonym: PABS
Englisch: pathogen access and benefit sharing
Definition
Pathogen Access and Benefit Sharing, kurz PABS, ist ein geplantes multilaterales System der Weltgesundheitsorganisation (WHO), das die rasche Weitergabe von Krankheitserregern mit Pandemiepotenzial mit einer gerechten Verteilung der daraus entstehenden Vorteile koppelt. Es ist Kernbestandteil des WHO-Pandemievertrags (Artikel 12).[1]
Hintergrund
PABS soll die während der COVID-19-Pandemie sichtbaren Ungleichheiten korrigieren. Erreger wurden häufig im Globalen Süden nachgewiesen, während Impfstoffe und Therapeutika im Globalen Norden früher und in größerem Umfang zur Verfügung standen. Das zugrundeliegende Prinzip des Access and Benefit Sharing ist bereits im Nagoya-Protokoll verankert, einem internationalen Abkommen zur gerechten Nutzung genetischer Ressourcen im Rahmen der Konvention über biologische Vielfalt.
Funktionsweise
Das System verbindet zwei Komponenten: die Weitergabe von Materialien und Sequenzinformationen von Erregern mit Pandemiepotenzial (Zugang) und im Gegenzug die Beteiligung an den Erträgen (Vorteilsausgleich). Gemäß Artikel 12.6(a) des Pandemievertrags sollen Hersteller 20 % ihrer Echtzeit-Produktion während einer Pandemie für die WHO bereitstellen: 10 % davon als verbindliche Spende auf Basis vorverhandelter Verträge mit der WHO, weitere 10 % zu erschwinglichen Preisen – wobei dieser Anteil auf nicht-bindenden Zusagen beruht.[2]
Eine besondere Herausforderung ist die Einbeziehung digitaler Sequenzinformationen (DSI). Artikel 12 des Pandemievertrags schließt explizit genetische Sequenzdaten von Erregern in den PABS-Geltungsbereich ein, doch die Durchsetzbarkeit von Vorteilsausgleichspflichten für frei zugängliche Datenbankeinträge bleibt rechtlich komplex.[3]
Stand
Der Pandemievertrag wurde am 20. Mai 2025 von der 78. Weltgesundheitsversammlung angenommen. Der PABS-Annex mit den operativen Detailregelungen wird jedoch separat verhandelt. Gemäß Artikel 31.2 des Pandemievertrags wird das Abkommen erst nach Annahme des PABS-Annex durch die Weltgesundheitsversammlung zur Unterzeichnung freigegeben. Erst danach kann der Ratifikationsprozess beginnen.[4]
Die Verhandlungen werden von einer offenen Intergovernmental Working Group (IGWG) geführt. Die ursprüngliche Frist zur Vorlage des Annex an die 79. Weltgesundheitsversammlung im Mai 2026 wurde nicht eingehalten. Die siebte IGWG-Sitzung ist für Juli 2026 geplant. Das Ergebnis soll der Weltgesundheitsversammlung spätestens im Mai 2027 vorgelegt werden.
Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen fordern verbindliche Regelungen zum Vorteilsausgleich, während Industrieländer und Hersteller auf Flexibilität bei Implementierung und Preisgestaltung bestehen. Zentrale Streitpunkte sind die Reichweite der DSI-Pflichten, Finanzierungsmechanismen und Compliance-Kontrolle.
Quellen
- ↑ Pandemic prevention, preparedness and response accord – Questions and Answers (World Health Organization), abgerufen am 18.05.2026
- ↑ Fate Unknown: Pandemic Agreements, Pathogen Access, and Benefit Sharing (Think Global Health), abgerufen am 18.05.2026
- ↑ Jon, Pathogen sharing in the digital age: The unfinished agenda of the WHO pandemic agreement, Clin Transl Med, 2025
- ↑ WHO member states agree to extend negotiations on pathogen access and benefit sharing annex, abgerufen am 18.05.2026