Koller-Pouch
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LoslegenSynonym: Recessus splenorenalis, Recessus splenicus, Milz-Nieren-Recessus
Englisch: splenorenal recess, perisplenic space
Definition
Als Koller-Pouch bezeichnet man den anatomischen Spaltraum zwischen Milz und linker Niere. Er stellt einen der tiefsten Punkte der Bauchhöhle im linken Oberbauch dar und ist vor allem im Rahmen der Sonographie von Bedeutung.
Anatomie
Lage
Der Koller-Pouch liegt im linken Oberbauch subphrenisch zwischen der konkaven viszeralen Fläche der Milz und dem oberen Pol der linken Niere bzw. der linken Nebenniere. Er steht in räumlicher Beziehung zu mehreren Strukturen:
- kranial: linke Zwerchfellkuppel
- medial: Pankreasschwanz und Milzhilum
- kaudal: linke Niere und Colon descendens
- dorsal: dorsale parietale Peritonealfläche
Begrenzt wird der Raum durch peritoneale Strukturen, insbesondere das Ligamentum splenorenale (Ligamentum lienorenale), das die Milz mit der linken Nierenregion verbindet und den Pankreasschwanz sowie die Arteria und Vena splenica führt.
Abgrenzung
Der Koller-Pouch ist vom linksseitigen subphrenischen Raum oberhalb der Milz sowie vom Recessus costodiaphragmaticus des Pleuraraums zu unterscheiden. Auf der kontralateralen Seite bildet der Recessus hepatorenalis (Morison-Pouch) das anatomische Pendant zwischen Leber und rechter Niere.
Klinik
Der Koller-Pouch ist neben dem Morison-Pouch eine wichtige Untersuchungsregion in der FAST- bzw. eFAST-Sonographie ("Focused Assessment with Sonography for Trauma") bei polytraumatisierten Patienten. Die Untersuchung erfolgt in Rückenlage. Der Schallkopf wird in der mittleren bis hinteren Axillarlinie zwischen der 9. und 11. Rippe in koronarer Ebene aufgesetzt, sodass Milz, linke Niere und das dazwischenliegende Spaltsystem dargestellt werden.
Aufgrund der Lage als anatomischer Tiefpunkt im linken Oberbauch sammelt sich freie intraabdominelle Flüssigkeit – etwa Blut bei Milzruptur oder Eiter bei Peritonitis – bevorzugt im Koller-Pouch und lässt sich sonographisch bereits in geringen Mengen als echofreier Saum nachweisen.
siehe auch: Flexikon: Sono Atlas
Humanpathologie
Typische Befunde im Koller-Pouch sind:
- Hämatoperitoneum bei stumpfem Abdominaltrauma (z.B. Milzruptur)
- Aszites bei portaler Hypertension, Herzinsuffizienz oder Malignomen
- freie Flüssigkeit bei Hohlorganperforation oder Peritonitis
- Abszessbildung im linken subphrenischen Raum
Im Gegensatz zum Morison-Pouch gilt der Koller-Pouch bei der FAST-Sonographie als technisch anspruchsvoller einsehbar, da die Milz ein deutlich kleineres Schallfenster bietet als die Leber.
Literatur
- Schünke M, Schulte E, Schumacher U. Prometheus – Lernatlas der Anatomie: Innere Organe. 5. Aufl. Thieme; 2018.
- Aumüller G et al. Duale Reihe Anatomie. 5. Aufl. Thieme; 2020.
- Block B. POL-Sonographie: Step by Step. 4. Aufl. Thieme; 2020.