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Kollegialität

1 Definition

Unter Kollegialität versteht man in der Medizin einen solidarischen, kooperativen und wertschätzenden Umgang mit Kollegen des eigenen Berufsstands oder anderer Berufsstände.

2 Kollegialität unter Ärzten

§ 29 der Musterberufsordnung für Ärzte definiert Kollegialität wie folgt:

  • Ärztinnen und Ärzte haben sich untereinander kollegial zu verhalten. Die Verpflichtung, in einem Gutachten, auch soweit es die Behandlungsweise einer anderen Ärztin oder eines anderen Arztes betrifft, nach bestem Wissen die ärztliche Überzeugung auszusprechen, bleibt unberührt. Unsachliche Kritik an der Behandlungsweise oder dem beruflichen Wissen einer Ärztin oder eines Arztes sowie herabsetzende Äußerungen sind berufswidrig.
  • Es ist berufswidrig, eine Kollegin oder einen Kollegen aus ihrer oder seiner Behandlungstätigkeit oder aus dem Wettbewerb um eine berufliche Tätigkeit durch unlautere Handlungen zu verdrängen. Es ist insbesondere berufswidrig, wenn sich Ärztinnen und Ärzte innerhalb eines Zeitraums von einem Jahr ohne Zustimmung der Praxisinhaberin oder des Praxisinhabers im Einzugsbereich derjenigen Praxis niederlassen, in welcher sie in der Aus- oder Weiterbildung mindestens drei Monate tätig waren. Ebenso ist es berufswidrig, in unlauterer Weise eine Kollegin oder einen Kollegen ohne angemessene Vergütung oder unentgeltlich zu beschäftigen oder eine solche Beschäftigung zu bewirken oder zu dulden.
  • Ärztinnen und Ärzte mit aus einem Liquidationsrecht resultierenden oder anderweitigen Einkünften aus ärztlicher Tätigkeit (z.B. Beteiligungsvergütung) sind verpflichtet, den von ihnen dazu herangezogenen Kolleginnen und Kollegen eine angemessene Vergütung zu gewähren bzw. sich dafür einzusetzen, dass die Mitarbeit angemessen vergütet wird.
  • In Gegenwart von Patientinnen und Patienten oder anderen Personen sind Beanstandungen der ärztlichen Tätigkeit und zurechtweisende Belehrungen zu unterlassen. Das gilt auch im Verhältnis von Vorgesetzten und Mitarbeitern und für den Dienst in den Krankenhäusern.
  • Die zur Weiterbildung befugten Ärztinnen und Ärzte haben ihre nach der Weiterbildungsordnung gegenüber Weiterzubildenden bestehenden Pflichten zu erfüllen.
  • Ärztinnen und Ärzte dürfen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht diskriminieren und haben insbesondere die Bestimmungen des Arbeits- und Berufsbildungsrechts zu beachten.

3 Kritik

Als Teil der Musterberufsordnung wird ärztliche Kollegialität zwar besonders betont, die Realität des beruflichen Alltags sieht jedoch anders aus. Da Ärzte Dienstleister sind, die im wirtschaftlichen Wettbewerb stehen, tritt Kollegialität häufig hinter ökonomische Interessen zurück.

Kollegialität kann auch problematisch sein, wenn sie aus falsch verstandener Solidarität dazu führt, dass Fehldiagnosen oder Therapiefehler durch einen Behandler nicht aufgedeckt werden.

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Fachgebiete: Gesundheitswesen

Diese Seite wurde zuletzt am 28. Juli 2019 um 18:48 Uhr bearbeitet.

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