Hydrozele
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LoslegenSynonym: Wasserbruch
Englisch: hydrocele
Definition
Als Hydrozele bezeichnet man eine Ansammlung seröser Flüssigkeit in einem serösen Hohlraum entlang des Processus vaginalis peritonei bzw. dessen Rudimenten. Im klinischen Sprachgebrauch ist damit meist die Hydrocele testis gemeint. Daneben existieren weitere anatomisch definierte Formen.
Einteilung
Je nach Lokalisation und Ausbreitung der Flüssigkeit werden mehrere Formen unterschieden:
- Hydrocele testis – Flüssigkeit im Cavum serosum testis, häufigste Form
- Hydrocele funiculi spermatici – Flüssigkeit entlang eines nicht obliterierten Abschnitts des Samenstrangs, ohne Verbindung zur Bauchhöhle
- Hydrocele communicans – Flüssigkeit bei offenem Processus vaginalis peritonei mit wechselndem Volumen durch Verbindung zur Bauchhöhle
- Hydrocele en bissac – kongenitale Sonderform mit zwei über eine Einschnürung am inneren Leistenring verbundenen Flüssigkeitsansammlungen (skrotal und funikulär)
- Gekammerte (multilokuläre) Hydrozele – sonographischer Befund einer durch Septen unterteilten Einzelzyste, nicht zu verwechseln mit der Hydrocele en bissac
- Hydrocele canalis Nuck (Nuck-Zyste) – weibliches Pendant entlang des Ligamentum teres uteri im Leistenkanal
- Hydrozele abdominoscrotalis – seltene Sonderform mit sanduhrförmiger Ausdehnung zwischen Hodensack und Bauchraum über den inneren Leistenring
Ätiologie
Die primäre (kongenitale) Hydrozele beruht auf einer inkompletten Obliteration des Processus vaginalis peritonei. Bleibt die Verbindung zur Bauchhöhle bestehen, spricht man von einer kommunizierenden, bei vollständigem Verschluss von einer nicht-kommunizierenden Hydrozele. Primäre Hydrozelen können ein- oder beidseitig auftreten.
Sekundäre (erworbene) Hydrozelen entstehen durch ein Missverhältnis von Sekretion und Resorption der serösen Flüssigkeit, etwa bei Traumata, Entzündungen, Hodentorsion oder Tumorleiden. Weltweit ist die lymphatische Filariose die häufigste Ursache sekundärer Hydrozelen, wenngleich diese Genese in Mitteleuropa selten ist.[1]
Klinik
Das Volumen der Hydrozele hängt von der Lage und dem intraperitonealen Druck ab. Je nach Form zeigt sich eine schmerzlose, palpatorisch prall-elastische Schwellung im Hodensack (Hydrocele testis, funiculi, en bissac, abdominoscrotalis) oder – bei der Hydrocele canalis Nuck – im Bereich der Leiste bzw. der Labie. Bei kommunizierenden Formen kann die Schwellung lage- und tageszeitabhängig variieren.
Diagnostik
Die Diagnose erfolgt primär klinisch und sonographisch. Bei skrotalen Formen lässt sich der Befund zusätzlich per Diaphanoskopie verifizieren. Bei abdominoskrotaler oder unklarer Ausdehnung kann eine Schnittbildgebung (MRT/CT) ergänzend erforderlich sein.
Differentialdiagnose
Differentialdiagnostisch muss in erster Linie ein maligner Hodentumor bzw. bei der Frau ein Leistenkanaltumor ausgeschlossen werden. Weitere Differentialdiagnosen sind:
- inguinale Hernie
- Hämatozele
- Spermatozele
- vergrößerte Leistenlymphknoten
Therapie
Kongenitale Formen im Kindesalter
Angeborene Hydrozelen bilden sich durch spontanen Rezessusverschluss überwiegend im ersten bis zweiten Lebensjahr zurück.[2][3] Kann eine Herniation ausgeschlossen werden, besteht bis zum Alter von 1–2 Jahren meist keine Operationsindikation. Persistiert die Hydrozele danach oder liegt eine Hydrocele communicans vor, erfolgt die Operation über einen inguinalen Zugang mit Freilegung, Isolierung und hoher Ligatur des Processus vaginalis peritonei – analog zur Leistenhernien-Operation.
Erworbene und lokalisationsspezifische Formen
Bei sekundären Hydrozelen steht die Behandlung der Grundkrankheit im Vordergrund. Zusätzlich kommen bei Beschwerden Punktion und Sklerosierung in Betracht; diese sind mit einer höheren Rezidivrate, aber niedrigeren Komplikationsrate verbunden als eine operative Sanierung (Komplikationsrate 17,5 % nach Operation vs. 4,6 % nach Punktion/Sklerosierung).[4]
Prognose
Nach spontaner Rückbildung oder adäquater Therapie ist die Prognose der Hydrozele in allen Formen gut, mit niedrigen Rezidivraten. Bei sekundären Hydrozelen richtet sich die Prognose zusätzlich nach der zugrunde liegenden Erkrankung.
Quellen
- ↑ Dagur G et al. Classifying Hydroceles of the Pelvis and Groin: An Overview of Etiology, Secondary Complications, Evaluation, and Management. Curr Urol. 2017;10(1):1-14.
- ↑ Naji H et al. Decision making in the management of hydroceles in infants and children. Eur J Pediatr. 2012;171(5):807-810.
- ↑ Acer-Demir T et al. Natural History and Conservative Treatment Outcomes for Hydroceles: A Retrospective Review of One Center's Experience. Urology. 2018;112:155-160.
- ↑ Lundström KJ et al. Epidemiology of hydrocele and spermatocele; incidence, treatment and complications. Scand J Urol. 2019;53(2-3):134-138.