Hellin-Regel
Definition
Die Hellin-Regel ist eine empirische Näherungsregel zur Abschätzung der Häufigkeit von Mehrlingsschwangerschaften.
Hintergrund
Die Regel wurde im 19. Jahrhundert vom deutschen Geburtshelfer Carl Friedrich Wilhelm Hellin formuliert. Sie beruht auf bevölkerungsstatistischen Auswertungen europäischer Geburtenregister. Ihr liegt die Beobachtung einer geometrischen Abnahme der Geburtenhäufigkeit mit steigender Anzahl der Feten zugrunde:
- Die Wahrscheinlichkeit einer Zwillingsschwangerschaft beträgt näherungsweise 1:85.
- Die Wahrscheinlichkeit einer Drillingsschwangerschaft entspricht ungefähr (1:85)².
- Die Wahrscheinlichkeit einer Vierlingsschwangerschaft entspricht ungefähr (1:85)³.
Allgemein ergibt sich für n-linge die Relation 1:85(n−1).
Die Regel bezieht sich ausschließlich auf spontan entstandene Mehrlingsschwangerschaften ohne Anwendung einer assistierten Reproduktion.
Anwendungsbereich
Die Hellin-Regel fand historisch Anwendung in der Geburtshilfe und in der Bevölkerungsstatistik. Sie diente als populationsbezogene Orientierungsgröße zur Abschätzung von Mehrlingsraten. Für eine individuelle Risikoabschätzung ist sie nicht geeignet.
Limitationen
Die Regel differenziert nicht zwischen monozygoten und dizygoten Mehrlingen. Ethnische Unterschiede der Zwillingsrate werden nicht berücksichtigt. Veränderungen der Mehrlingsraten durch In-vitro-Fertilisation oder Embryotransfer sind nicht abgebildet.