Fischer-Projektion
Englisch: Fischer projection
Definition
Die Fischer-Projektion ist eine Konvention zur zweidimensionalen Darstellung der räumlichen Konfiguration chiraler Moleküle, insbesondere von Kohlenhydraten und Aminosäuren. Sie wird bevorzugt für offenkettige (azyklische) Strukturen verwendet, kann jedoch auch aus zyklischen Formen abgeleitet werden.
Darstellungsregeln
Es gelten folgende Darstellungsregeln:
- Die Kohlenstoffkette wird senkrecht gezeichnet.
- Das am stärksten oxidierte Kohlenstoffatom (z.B. Aldehyd- oder Carboxygruppe) steht oben.
- Horizontale Bindungen zeigen zum Betrachter hin, vertikale Bindungen zeigen vom Betrachter weg.
Beispiel
Ein klassisches Beispiel ist die Milchsäure (2-Hydroxypropansäure, CH₃–CH(OH)–COOH). Sie besitzt ein chirales Zentrum und liegt in zwei Enantiomeren vor:
- L-Milchsäure
- D-Milchsäure
Diese verhalten sich wie Bild und Spiegelbild und unterscheiden sich in ihrer räumlichen Anordnung der Substituenten. Die Fischer-Projektion ermöglicht eine klare Unterscheidung dieser Konfigurationen.
Aminosäuren
Mit Ausnahme von Glycin (kein chirales Zentrum) sind alle proteinogenen Aminosäuren chiral und existieren als Enantiomere. In biologischen Systemen werden nahezu ausschließlich L-Aminosäuren in Proteine eingebaut. D-Aminosäuren kommen ebenfalls in der Natur vor (z.B. in bakteriellen Zellwänden), sind jedoch nicht Bestandteil ribosomal synthetisierter Proteine.
Nomenklatur
Die Bezeichnungen D und L geben die relative Konfiguration eines chiralen Moleküls an. Sie werden durch Vergleich mit dem Referenzmolekül Glycerinaldehyd festgelegt. Entscheidend ist die Position der charakteristischen Substituenten am chiralen Zentrum:
- bei Kohlenhydraten: die Stellung der Hydroxygruppe am untersten chiralen Kohlenstoffatom
- bei Aminosäuren: die Stellung der Aminogruppe am α-C-Atom
Befindet sich diese Gruppe in der Fischer-Projektion rechts, liegt die D-Form vor (von lat. dexter - rechts); befindet sie sich links, handelt es sich um die L-Form (von lat. laevus - links liegend).
Abgrenzung
Die D-/L-Bezeichnung ist unabhängig von der R/S-Nomenklatur und der optischen Drehung. Letztere wird angegeben als:
- (+) bzw. dextrorotatorisch (Rechtsdrehung) oder
- (−) bzw. levorotatorisch (Linksdrehung)
Ein Molekül kann somit D-konfiguriert und dennoch linksdrehend sein.