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Chronisches Krankheitsverhalten

1 Definition

Der Begriff chronisches Krankheitsverhalten kommt aus der medizinischen Soziologie. Er bezeichnet ein subjektives Krankheitserleben sowie ein daraus resultierendes Verhalten, das in keinem angemessenen Verhältnis zu den tatsächlichen medizinischen Befunden steht. Es besteht also eine Diskrepanz zwischen den körperlichen Beschwerden und den somatischen Befunden.

2 Hinergrund

Das chronische Krankheitsverhalten ist ein komplexes Phänomen, bei dem neben somatischen und psychischen Krankheitsprozessen vor allem auch medizinsoziologisch erklärbare Vorgänge eine wichtige Rolle spielen. Dieser Begriff ist zu unterscheiden vom Begriff der chronischen Krankheit bzw. des chronischen Schmerzes.

3 Symptome

  • Einbuße an positiven Erlebnismöglichkeiten, Reduktion von Aktivitäten
  • Sozialer Rückzug, Auftreten depressiver Verstimmungen, Konflikte mit dem sozialen Umfeld
  • Passivität und Einschränkung der Bewältigungsanstrengungen
  • Übermäßige Besorgnis um die eigene Gesundheit und gleichzeitig gesundheitsgefährdender Lebensstil mit Risikoverhalten (Alltagsdrogen, Medikamente, Fehlernährung, Bewegungsmangel etc.)
  • Aufgabe der Selbstverantwortung für die eigene Gesundheit und Delegation der Zuständigkeit an die Experten des Gesundheitswesens (Ärzte und Therapeuten).
  • Unangemessene Inanspruchnahme medizinischer und therapeutischer Maßnahmen
  • Nichtbefolgen medizinisch-therapeutischer Verordnungen
  • Funktionalisierung der Erkrankung ("Krankheitsgewinn"): Zuwendung der Umgebung, Schonung, finanzielle Vorteile u.v.a.
  • Verlust der angestammten sozialen Funktionen und Rollen, dauerhafte Übernahme der Krankenrolle bis hin zur Invalidität

4 Siehe auch

5 Weiterführende Links

6 Literatur

  • Pilowsky I. Abnormal illness behaviour. Br J Med Psychol 1969; 42:347–351.
  • Pilowsky I. The concept of abnormal illness behavior. Psychosomatics 1990; 31:207–213.
  • Crane C, Martin M: Adult illness behaviour: The impact of childhood experience. Personality and Individual Differences 2002;
  • E. Brähler & B. Strauß (Hrsg.), Handlungsfelder der psychosozialen Medizin (S. 208-241). Göttingen: Hogrefe.

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