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Atherom

Synonym: Grützbeutel (umgangssprachl.)
Englisch: sebaceous cyst, atheromatous cyst, atheroma, steatoma

1 Definition

Atherome sind benigne Weichteiltumoren, die in der Kutis oder Subkutis liegen. Man unterscheidet so genannte "echte" Atherome (= Epidermoidzysten) und "falsche" Atherome (= Talgretentionszysten). Diese Unterscheidung wird in der Klinik jedoch nicht konsequent durchgehalten, so dass beide Formen häufig einfach als "Atherom" bezeichnet werden.

Der Begriff "Atherom" wird darüber hinaus auch für cholesterinhaltige Ablagerungen verwendet, die im Rahmen einer Arteriosklerose an der Gefäßwand (Gefäßintima) auftreten, die atheromatöse Plaque.

2 Echtes Atherom

Echte Atherome werden in der Dermatologie auch Epidermoidzysten, Epidermalzyste, Epidermiszyste oder Epidermoid genannt. Es handelt sich meist um prall-elastische, multiple Tumorgebilde, die durch versprengtes Epithelgewebe entstehen und über keinen erkennbaren Ausführungsgang verfügen. Sie beinhalten Hornlamellen und Haare und befinden sich überwiegend an Gesicht, Rumpf und den proximalen Extremitätenabschnitten. Es sind gutartige Tumore, die man ggf. durch Exzision entfernen kann.

3 Falsches Atherom

Falsche Atherome sind auch unter den Begriffen Trichilemmalzyste, Tricholemmalzyste, Ölretentionszyste, Talgretentionszyste, Sebozystom, Steatom, Retentionsatherom oder auch Follikelretentionszyste bekannt.

Ursächlich für ein falsches Atherom ist das Verstopfen einer oder mehrerer Talgdrüsen. Diese sezernieren normalerweise Talg und sorgen somit für die Einfettung der Haut. Der Ausführungsgang kann zum Beispiel durch abgeschliffene Epidermiszellen oder eingetrockneten Talg verstopft werden. In diesem Fall wird der Talg nicht mehr sezerniert und akkumuliert langsam im Gewebe. Hierdurch erklärt sich das langsame Wachstum eines Atheroms, da die Talgdrüsen nur sehr kleine Mengen pro Tag produzieren.

Bei multiplen Auftreten von falschen Atheromen spricht man von Steatocystoma multiplex, bei entzündeten Varianten von Steatocystoma multiplex conglobatum.

3.1 Lokalisation

Prädestinierte Hautareale sind solche mit vielen Talgdrüsen wie die behaarte Kopfhaut, das Gesicht, der Hals oder der Nacken.

3.2 Morphologie

Die Größe eines Atheroms reicht von senfkorngroß bis zu tennisballgroß. Bei der Palpation fühlt es sich derb oder prallelastisch an. Pathognomonisch für das Atherom ist ein zentraler schwarzgrauer Punkt. Dieses ist der verstopfte Talgdrüsenausführungsgang, der allerdings nicht in allen Fällen sichtbar ist.

3.3 Symptome

Patienten mit einem Atherom kommen häufig aus ästhetischen Gründen zum Arzt, sobald das Atherom groß und auffällig geworden ist. Ein anderer Grund kann ein neu aufgetretenes, unangenehmes Spannungsgefühl sein. Eine häufige Komplikation ist die durch Manipulation des Patienten provozierte Infektion des Atheroms. Die Symptome sind einem Abszess gleich (Schwellung, Rötung, Schmerzen und Überwärmung). Das Atherom enthält hierbei zusätzlich Pus (Eiter) und kann nach Eröffnung kutaner Gefäße Einblutungen aufweisen.

3.4 Therapie

Bei kosmetischer Störung mit eventuell einhergehender Entzündung eröffnet man das Geschwür oder nimmt eine Exzision vor.

3.4.1 Operation eines nicht-infizierten Atheroms

Die Exzision eines Atheroms ohne additive Infektion gestaltet sich relativ unkompliziert. Wichtig ist die Entfernung des Talgdrüsenausführungsganges (schwarzer Punkt) sowie der Kapsel. Wird die Kapsel eröffnet oder ein Teil des Ausführungsganges in der Haut belassen, kann es zu Rezidiven kommen.

3.4.2 Operation eines infizierten Atheroms

Aufgrund der durch den Entzündungsprozess bedingten teigigen Schwellung des Atheroms wäre eine komplette Entfernung der Kapsel nicht möglich. Es empfiehlt sich somit eine Operation wie bei einem Abszess. Hierzu wird das Atherom nach Vereisung gespalten, der Talg und Eiter sorgfältig entfernt und anschließend mit einem Antiseptikum gespült. Zusätzlich kann eine Antibiotikaprophylaxe erfolgen.

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