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Barrett-Syndrom

(Weitergeleitet von Allison-Johnstone-Syndrom)

nach Norman Rupert Barrett (1903-1979), britischer Chirurg
Synonyme: Barret-Ulkus, Allison-Johnstone-Syndrom
Englisch: barrett esophagus

1 Definition

Das Barrett-Syndrom ist eine chronisch-entzündliche Veränderung des distalen Ösophagus mit Ausbildung eines peptischen Ulkus, die als Komplikation der Refluxkrankheit auftritt.

Die metaplastische Umwandlung des Plattenepithels des distalen Ösophagus ohne Ulkus bezeichnet man als Barrett-Ösophagus oder Barrett-Metaplasie. In älteren Lehrbüchern wird auch noch von einem Endobrachyösophagus gesprochen.

2 ICD10-Codes

  • K22.1: Barrett-Ulkus
  • K22.7: Barrett-Ösophagus

3 Epidemiologie

Das Barrett-Syndrom betrifft bis zu 10% der Patienten mit Refluxkrankheit und tritt bei Männern (4:1) häufiger auf als bei Frauen.

4 Pathogenese

Durch chronischen Reflux von saurem Mageninhalt kommt es im distalen Abschnitt des Ösophagus zu entzündlichen Veränderungen und Ausbildung von Geschwüren. Verletztes Epithel wird durch Ausdifferenzierung von Stammzellen regeneriert.

Jedoch entsteht unter den abnormen Bedingungen des chronischen Reflux nicht das normalerweise die Ösophagusschleimhaut ausbildende mehrschichtige unverhornte Plattenepithel.

5 Morphologie

Das mehrschichtige unverhornte Plattenepithel wird durch Ausbildung eines einschichtig hochprismatischen Zylinderepithels ersetzt. Diese Umwandlung des Epithels wird in der Pathologie als Metaplasie bezeichnet.

Das metaplastische Epithel enthält ähnlich wie das Epithel des Dickdarms Becherzellen. In Abgrenzung zum Epithel des Magens allerdings fehlen die für den Magen üblichen Drüsenkörper.

Metaplastisches Epithel kann fleckförmig auftreten und sich an verschiedenen Stellen unterschiedlich darstellen. Bei der pathologischen Beurteilung ist auf Zeichen von Dysplasie zu achten, die ein frühes Zeichen der malignen Entartung darstellen.

Im engeren Sinn wird nur eine vollständige zirkuläre Metaplasie, die von der Z-Linie in orale Richtung reicht, als Barrett-Ösophagus bezeichnet. Man unterscheidet dabei zwei Formen des Barrett-Ösophagus:

  • Short-Segment-Barrett-Ösophagus: kurzsegmentiger Barrett-Ösophagus mit einer Metaplasie-Länge bis 3 cm
  • Long-Segment-Barrett-Ösophagus: langsegmentiger Barrett-Ösophagus mit einer Metaplasie-Länge über 3 cm.

6 Klassifikation

Neben den verschiedenen Klassifikationen für die Refluxösophagitis (Savary-Miller-Klassifikation, Los-Angeles-Klassifikation, MUSE-Klassifikation) existiert für die makroskopische Evaluierung des Barrett-Ösophagus die Prag-Klassifikation. Bei ihr kombiniert man zwei Maßangaben:

  • C: Längenangabe in cm für die zirkumferenzielle Metaplasie, d.h. die Länge der Veränderung, die den gesamten Umfang der Speiseröhre einnimmt. Sie wird vom proximalen Rand der Kardiafalte bis zum proximalen Rand des zirkumferenziellen Barrett-Anteils gemessen.
  • M: Längenangabe in cm für zusätzliche, zungenförmige Ausläufer ("maximale Ausdehnung") - gemessen vom proximalen Rand der Kardiafalte bis zum proximalen Rand der längsten Barrett-Zunge.

Ein Barrett-Ösophagus mit einer ringförmigen Veränderung von 3 cm und einer zusätzlichen Barrett-Zunge von 2 cm wird als "C3M5" klassifiziert. Gibt es keine zirkumferenzielle Veränderungen und nur eine kurze Zunge von 1 cm, liegt ein "C0M1"-Befund vor.

7 Diagnose

8 Komplikationen

Der Barrett-Ösophagus ist eine intestinale Metaplasie, die unter Einfluss von TGF-alpha und Mutationen (z.B. Her2/neu) zu einer Dysplasie führen kann. Der Wegfall bzw. die Mutation weiterer Schutzfaktoren (z.B. p53) oder das Vorkommen einer Aneuploidie kann dann eine Progression zum Adenokarzinom auslösen. Es handelt sich also um eine im Rahmen der Refluxkrankheit auftretende, fakultative Präkanzerose.

Beim Vorliegen eines Long-Segment-Barrett-Ösophagus besteht ein 30-40fach höheres Risiko der Ausbildung eines Adenokarzinoms des Ösophagus. Bei Patienten mit Barrett-Syndrom beträgt die Inzidenz von Adenokarzinomen 5,1 Fälle je 1.000 Patientenjahre.[1] Die Ausbildung einer Striktur des Ösophagus und erneute Ulzeration sind als weitere Verlaufsformen möglich.

Therapeutisch muss bei Patienten mit diagnostiziertem Barett-Syndrom regelmäßig eine endoskopische Verlaufskontrolle mit Entnahme von Probeexzisionen vorgenommen werden.

9 Quellen

  1. Frederik Hvid-Jensen, M.D., Lars Pedersen, Ph.D., Asbjørn Mohr Drewes, M.D., Dr. Med. Sci., Henrik Toft Sørensen, M.D., Dr. Med. Sci., and Peter Funch-Jensen, M.D., Dr. Med. Sci.: Incidence of Adenocarcinoma among Patients with Barrett's Esophagus; N Engl J Med 2011; 365:1375-1383October 13, 2011DOI:10.1056/NEJMoa1103042

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