Panendoskopie
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LoslegenEnglisch: panendoscopy
Definition
Bei der Panendoskopie handelt es sich um eine endoskopische Kombinationsuntersuchung zur nahezu vollständigen Oberflächendarstellung der oberen Atem- und Speisewege.
Indikation
Die Panendoskopie wird zur Detektion synchroner Zweitkarzinome bei Patienten mit malignem Primärtumor im Kopf-Hals-Bereich sowie zur Primärtumorsuche bei unbekanntem Primärtumor ("cancer of unknown primary", kurz CUP) eingesetzt. Bei bekanntem Primärtumor ist sie nicht als Routineverfahren indiziert, sondern wird insbesondere bei anamnestisch erhöhtem Risiko sowie bei spiegelbefundlich oder radiologisch auffälligen Befunden durchgeführt, die nicht abschließend geklärt werden konnten.[1]
Weitere Indikationen sind die lokale Ausbreitungsdiagnostik, die Entnahme gezielter Biopsien sowie die posttherapeutische Kontrolle bei Verdacht auf ein Rezidiv.
Technik
Die Panendoskopie erfolgt in der Regel in Intubationsnarkose oder unter Jet-Ventilation. Vor der Untersuchung sollte eine bildgebende Diagnostik (z.B. CT oder PET-CT) vorliegen. Die Untersuchung umfasst folgende Einzeluntersuchungen:
- Pharyngoskopie (Inspektion und Palpation von Mundhöhle und Oropharynx)
- Hypopharyngoskopie
- Nasopharyngoskopie, z.B. nach Velotraktion oder transnasal
- Mikrolaryngoendoskopie (Larynx, Hypopharynx, Zungengrund)
- Tracheoskopie, ggf. vor oder nach Intubation
- Bronchoskopie, ggf. flexibel über den liegenden Tubus
- Ösophagoskopie, bevorzugt flexibel
- gezielte Probeexzisionen aus suspekten Arealen
Die flexibel durchgeführte Ösophagoskopie hat gegenüber dem starren Vorgehen eine geringere Perforationsgefahr und erlaubt zudem die Beurteilung des distalen Ösophagus, z.B. bei Reflux oder Barrett-Ösophagus.
Bei CUP-Syndrom kann eine ein- oder beidseitige Tonsillektomie zur Primärtumorsuche durchgeführt werden. Bei einer posttherapeutischen Kontrollpanendoskopie werden insbesondere das ehemalige Primärtumorgebiet und suspekt veränderte Areale biopsiert.
Diagnostische Relevanz
Moderne Bildgebungsverfahren, insbesondere CT des Halses und Thorax sowie PET-CT, haben den Stellenwert der Panendoskopie bei der Suche nach synchronen Zweitkarzinomen deutlich verringert. Bei Patienten mit vorausgegangenem CT lag die durch Panendoskopie erzielte Änderungsrate des klinischen Managements in systematischen Auswertungen bei 1,1 %, bei vorausgegangenem PET-CT bei 0 %.[2] Die Panendoskopie bleibt dann relevant, wenn verdächtige Befunde histologisch gesichert werden müssen oder die Bildgebung keine ausreichende Beurteilung erlaubt.
Ergebnis
Der Untersuchungsbefund sollte Tumorlokalisation und Tumorausdehnung detailliert beschreiben. Dazu gehören insbesondere:
- genaue anatomische Lokalisation
- Schleimhautbefund und Ausdehnung
- entnommene Biopsien
- Einschätzung der T-Kategorie
- Stellungnahme zur Resektabilität
- therapeutische Konsequenzen
Eine schematische Zeichnung oder fotografische Dokumentation kann die Befundbeschreibung ergänzen.
Risiken
Die Rate schwerwiegender Komplikationen der Panendoskopie ist gering (ca. 0,7 %).[2] Mögliche Komplikationen umfassen:
- Zahnschäden
- Schleimhautläsionen
- Blutung
- Infektion
- Wundheilungsstörung
- Heiserkeit
- Perforation von Pharynx, Trachea oder Ösophagus
- Mediastinitis
- Atemwegsobstruktion mit Dyspnoe, ggf. mit Notwendigkeit einer Tracheotomie
- Risiken der Allgemeinanästhesie
Kontraindikationen
Kontraindikationen sind vor allem schwere kardiopulmonale Erkrankungen, die eine Allgemeinnarkose ausschließen. Relative Kontraindikationen sind relevante Koagulopathien sowie anatomische Faktoren, die eine sichere endoskopische Untersuchung verhindern.
Quellen
- ↑ AWMF - S3-Leitlinie: Diagnostik und Therapie des Mundhöhlenkarzinoms, AWMF-Registernummer 007-100OL, 2021
- ↑ 2,0 2,1 Bellavance et al., Panendoscopy for Head and Neck Cancers: Detection of Synchronous Second Primary Cancers, Complications and Cost-Benefit Analysis: A Systematic Review, J Otolaryngol Head Neck Surg, 2025