Herzinfarktrisiko
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LoslegenEnglisch: myocardial infarction risk
Definition
Das Herzinfarktrisiko ist die statistische Wahrscheinlichkeit, innerhalb eines bestimmten Zeitraumes einen Herzinfarkt zu erleiden.
Berechnung
Die individuelle Risikostratifikation erfolgt mit Hilfe validierter Risikomodelle, die auf großen Patientenkollektiven beruhen und aus dem Vorliegen von kardiovaskulären Risikofaktoren die statistische Wahrscheinlichkeit eines Herzinfarkts über einen definierten Zeitraum (meist 10 Jahre) berechnen. Die bekanntesten Modelle stammen aus der Framingham- und der PROCAM-Studie.
Etablierte Scores
Zur Abschätzung des Herzinfarkt- bzw. kardiovaskulären Risikos werden u.a. folgende Scores eingesetzt:
- Framingham-Risk-Score: US-amerikanisches, geschlechtsspezifisches Modell zur Abschätzung des 10-Jahres-Risikos für kardiovaskuläre Ereignisse; berücksichtigt u.a. Alter, Cholesterin, Blutdruck, Nikotinkonsum und Diabetes mellitus.[1]
- PROCAM-Score: an einem deutschen Kollektiv (überwiegend Männer mittleren Alters) entwickeltes Modell zur Abschätzung des 10-Jahres-Risikos speziell für koronare Ereignisse.[2]
- SCORE2: das aktuell von der ESC empfohlene, regional kalibrierte Modell zur Abschätzung des 10-Jahres-Risikos für fatale und nicht-fatale kardiovaskuläre Ereignisse.
Cave: Risikomodelle sind nicht ohne Weiteres zwischen Populationen übertragbar. So überschätzt der Framingham-Score das absolute Risiko in deutschen bzw. europäischen Kohorten deutlich. Für solche Kollektive sind regional kalibrierte Modelle (z.B. PROCAM, SCORE2) vorzuziehen.[3]
Limitationen
Die Anwendung solcher Modelle unterliegt mehreren Einschränkungen:
- Die zugrunde liegenden Kollektive umfassen häufig die Bewohner einer bestimmten Region und sind zusätzlich selektiert, was die Übertragbarkeit einschränkt.
- Anzahl und Gewichtung der zum Herzinfarkt beitragenden Risikofaktoren sind nicht vollständig bekannt.
- Die Modelle liefern stets eine statistische Wahrscheinlichkeit für ein Kollektiv und keine sichere Aussage für den Einzelfall.
Quellen
- ↑ D'Agostino RB Sr, Vasan RS, Pencina MJ, et al. General cardiovascular risk profile for use in primary care: the Framingham Heart Study. Circulation. 2008;117(6):743-753.
- ↑ Assmann G, Cullen P, Schulte H. Simple scoring scheme for calculating the risk of acute coronary events based on the 10-year follow-up of the Prospective Cardiovascular Münster (PROCAM) study. Circulation. 2002;105(3):310-315.
- ↑ Hense HW, Schulte H, Löwel H, Assmann G, Keil U. Framingham risk function overestimates risk of coronary heart disease in men and women from Germany – results from the MONICA Augsburg and the PROCAM cohorts. Eur Heart J. 2003;24(10):937-945.