Flughafenmalaria
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LoslegenEnglisch: airport malaria
Definition
Die Flughafenmalaria ist ein Form der Malaria, die durch Verschleppung von infizierten Stechmücken im Flugverkehr entsteht.
Ätiologie
Durch den internationalen Flugverkehr werden immer häufiger Stechmücken aus Endemiegebieten in Länder verschleppt, in denen Malaria normalerweise nicht vorkommt. Im Englischen werden sie treffend als "Jet-Set-Moskitos" bezeichnet. Die Mücken können die Reise in der Passagierkabine antreten oder auch in den Laderäumen des Flugzeugs überleben.
siehe auch: Autochthone Infektion
Epidemiologie
Zwischen 1969 und 1999 wurden europaweit rund 89 Verdachtsfälle von Flughafenmalaria aus 12 Ländern gemeldet, mit Schwerpunkt Frankreich, Belgien und der Schweiz. Eine systematische Übersichtsarbeit erfasste für den Zeitraum 1969 bis 2024 insgesamt 145 Fälle aus 9 europäischen Ländern (105 als Flughafenmalaria, 32 als Koffermalaria klassifiziert, 8 nicht eindeutig zuordenbar). Die meisten Fälle traten in Frankreich (n=52), Belgien (n=19) und Deutschland (n=9) auf; im Schnitt lebten oder arbeiteten die Betroffenen 4,3 km von einem internationalen Flughafen entfernt.[1]
In Deutschland ist der Flughafen Frankfurt/Main wiederholter Schauplatz solcher Ausbrüche. Im Oktober 2019 erkrankten zwei Beschäftigte, 2022 wurde ein Cluster mit drei Beschäftigten ohne Reiseanamnese beschrieben – zwei Erkrankungen innerhalb einer Woche, eine dritte erst nach zehn Wochen, zwei davon mit schwerem Verlauf, alle mit vollständiger Genesung.[2] Ein weiterer Einzelfall folgte 2023, erneut am Frankfurter Flughafen. Im Juli 2026 erkrankten binnen weniger Tage (4.–6. Juli) vier weitere Beschäftigte des Frankfurter Flughafens an Plasmodium-falciparum-Malaria.
Das Robert Koch-Institut (RKI) betonte hierzu, dass Flughafenmalaria in Deutschland zwar ein seltenes Ereignis bleibt, die fehlende Reiseanamnese die Diagnose jedoch verzögern und dadurch das Risiko schwerer Verläufe erhöhen kann. Insbesondere im Sommer ist daher bei unklarem Fieber von Personen, die an oder in der Nähe von Flughäfen mit interkontinentalen Verbindungen arbeiten, eine Flughafenmalaria auch ohne Auslandsaufenthalt differentialdiagnostisch zu erwägen.[3]
Bemerkenswert ist, dass trotz des pandemiebedingten Rückgangs des Flugverkehrs während der COVID-19-Pandemie bereits ein Drittel aller seit 2000 in Europa gemeldeten Fälle zwischen 2018 und 2022 auftrat – ein Muster, in das sich die wiederholten Frankfurter Cluster (2019, 2022, 2023, 2026) einreihen und das Deutschland zunehmend als wiederkehrenden Hotspot ausweist.
Durch die Zunahme des Flugverkehrs wird langfristig mit einer weiteren Zunahme der Fallzahlen gerechnet.
Problematik
Das Problem der Flughafenmalaria ist meist ihre zu späte Diagnose, da diese Erkrankung durch ihr relativ seltenes Auftreten nicht als Differentialdiagnose berücksichtigt wird. Die Therapie erfolgt deshalb häufig zu spät.
Quellen
- ↑ Hallmaier-Wacker LK, van Eick MD, Briët O, et al. Airport and luggage (Odyssean) malaria in Europe: a systematic review. Euro Surveill. 2024;29(41):2400237.
- ↑ Kessel J, Rosanas-Urgell A, Dingwerth T, et al. Investigation of an airport-associated cluster of falciparum malaria in Frankfurt, Germany, 2022. Euro Surveill. 2024;29(5):2300298.
- ↑ Robert Koch-Institut. Flughafenmalaria bei Beschäftigten am internationalen Flughafen Frankfurt/Main. Epid Bull. 2026;29:26. Verfügbar unter: www.rki.de/epidbull.