FlexiEssay: Alkoholsucht - Schilderung eines Betroffenen

Dieser Artikel ist keine lexikalische Definition, sondern ein so genannter FlexiEssay. Essays erklären spezielle Fragestellungen in der Medizin. Sie sind im Gegensatz zu anderen Artikeln nur teilweise frei editierbar. Bitte beachten Sie die Hinweise am Seitenende.

Vor der Sucht steht ein, ich will es Überlebensreflex nennen, welcher sich einer Fehlmethode bedient. Auslöser für diesen speziellen Überlebensreflex können m.E. eine höhere Verletzlichkeit, Depressivität oder Resignativität sein, sicherlich auch ein Umfeld das solche negativen Gefühle zu oft entstehen lässt. Dass es sich bei der Dienstbarmachung der Droge um eine Fehlmethode handelt, wird dem Individuum (sofern es zur Einsicht fähig ist) oft erst dann bewusst, wenn sich die als positiv erlebten Wirkungen umzukehren beginnen.

Zudem verstärkt sich der Bedarf nach der Droge durch diese selbst. Was anfänglich zur Beendigung unguter Gefühle, zur Steigerung guter Gefühle oder zur Prophylaxe unguter Gefühle, aber auch zur Anpassung an Umgebungsverhalten (Gruppendruck) eingesetzt wurde, wird irgendwann zur Beseitigung der durch die Droge selbst erzeugten Dysphorie oder körperlichen Entzugszeichen etc. konsumiert werden müssen. Die Betonung liegt auf "müssen". Jeder einsichtig gewordene Alkoholiker wird mir hier zustimmen. Das Vorhandensein einer bestehenden oder erwarteten Problemsituation anderweitiger Art tritt als Konsumauslöser in den Hintergrund, der vorhergegangene Konsums selbst macht jetzt "behandlungsbedürftig". Damit ist der negative Regelkreis der Sucht vollständig aufgebaut und geschlossen und "nährt" sich von nun an selbst.

In aller Regel kommt eine steigende Drogentoleranz hinzu, d.h. die wirksame Dosis steigt und bewirkt somit eine Verstärkung und Beschleunigung im Regelkreis der Sucht. Ab nun gilt das Dichterwort: "..zuerst der Knecht und dann der Meister". Der Alkohol(kreislauf) ist gegenüber dem Willen und dem Schicksal autonom geworden und regelt, steuert den Abhängigen in Richtung seelischem, körperlichem und sozialen Zusammenbruch.

Wenn ich, der Verfasser nichts dagegen tue, steht mir das, mit großer Sicherheit bevor, davon bin ich überzeugt. Das ist auch eine der wenigen gesicherten Erkenntnisse der Wissenschaft über den Alkohol.

Dem Süchtigen bleibt die Rolle als Zuschauer seines eigenen Dramas, der Alkohol hat die Regie übernommen. Die allerwenigsten Alkoholabhängigen verfügen über ausreichend Willenskraft und eigene Möglichkeiten Ihrer fatalen Lage Herr zu werden. Im Prinzip sollte sich hier keiner irgendwelche Illusionen machen (ich schaffe das irgendwann doch selbst), das ist Zeit- und damit Lebensverschwendung.

1 Fazit

Diese Schilderung kommt recht dramtisch daher. Für den "Unerfahrenen" bestimmt kaum nachvollziebar und übertrieben. In dieser Unglaublichkeit liegt aber gerade die Kraft der Sucht. Man nimmt die Sucht erst dann ernst, wenn man sie erlebt. Selbst verspürt oder deren Auswirkungen als Mitmensch erlebt.

Nicht jeder der sich ein "Gläschen genehmigt", eher eine "kleine" Minderheit wird süchtig, das ist wissenschaftliche Erkenntnis. Wer sich jedoch das erste Gläschen nicht genehmigen sollte, entzieht sich bisher der Wissenschaft. Der (erste) Griff nach der gesellschaftlich akzeptierten Droge ist und bleibt deshalb bis auf Weiteres ein Lotteriespiel. Ein Spiel mit dem eigenen Schicksal.

Ich wäre froh wenn ich nie das erste Glas getrunken hätte. Auch all das Positive, was mir der anfängliche Konsum "beschert" hat steht in keinem Verhältnis zu dem was dir dieser "Mist" nehmen kann. Nämlich einen Teil deines bewussten Lebens mit allem was dazu gehört ist unwiederbringlich "abgesoffen".

Wenn nur einer wegen meiner Schilderung nicht oder nicht mehr zum Alkohol oder einer sonstigen Droge greift habe ich meine Erfahrungen und Gedanken nicht umsonst hier eingetippt.

Ein "Gamma-"Alkoholiker mit ersten Zeichen der "kritischen Phase".

2 Hinweise

FlexiEssays geben die persönliche Einschätzung des Autors wieder, die nicht notwendigerweise mit der allgemeinen Lehrmeinung kongruent ist. Sie werden zu einem späteren Zeitpunkt einen eigenen Platz im Flexikon finden.

3 Primärautor

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Fachgebiete: Neurologie, Toxikologie

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