Entthronungstrauma
Definition
Das Entthronungstrauma beschreibt eine emotionale Reaktion des Erstgeborenen auf die Geburt eines Geschwisterkindes. Durch den mit der Geburt verbundenen Verlust der ungeteilten elterlichen Aufmerksamkeit können Emotionen wie Eifersucht und aggressive sowie regressive Verhaltensweisen beim Erstgeborenen auftreten. In der modernen Psychologie ist das Entthronungstrauma keine anerkannte klinische Diagnose mehr.
Hintergrund
Alfred Adler begründete die Individualpsychologie, eine in der Tradition der Tiefenpsychologie stehende psychologische Schule, die als Gegenentwurf zur Massenpsychologie und Sozialpsychologie gilt. Adler prägte den Begriff des Entthronungstraumas, um Verhaltensänderungen bei Erstgeborenen nach Geburt eines Geschwisterkindes zu erklären und damit verbundene entwicklungspsychologische Effekte zu beschreiben. Adlers Annahmen sind historisch bedeutsam, entsprechen jedoch nicht den heutigen empirischen Standards der Entwicklungspsychologie und werden überwiegend kritisch betrachtet.
Literatur
- Watkins, The Individual Psychology of Alfred Adler: Toward an Adlerian vocational theory, 1984
- Vertel, The Order of Childbirth in the Family and Its Influence on Personality Development (Using the Psychoanalytic Pedagogy of Alfred Adler as an Example), Zeitschrift der Zhytomyr Ivan Franko State University, 2023
- Geschwisterrivalität statt Geschwisterliebe, Spectrum, Universität Freiburg, abgerufen am 26.01.2026
- Entthronung des Erstgeborenen – 1 Jahr danach, abgerufen am 26.01.2026