Bedingt essentielle Aminosäure
Englisch: Conditionally essential amino acids (CEAAs)
Definition
Bedingt-essentielle Aminosäuren sind Aminosäuren, die normalerweise nicht essentiell sind und nur in bestimmten Situationen mit der Nahrung aufgenommen werden müssen. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn die Synthese der bedingt-essentiellen Aminosäure aus einer essentiellen Aminosäure nicht mehr möglich ist.
Nomenklatur
In einigen deutschen Lehrbüchern werden die Begriffe "bedingt essentiell" und "semiessentiell" nicht synonym verwendet. Demnach handelt es sich um semiessentielle Aminosäuren, wenn sie ausgehend von essentiellen AS hergestellt werden können (z.B. Tyrosin, Cystein) und um bedingt essentielle AS, wenn sie in bestimmten Stoffwechsellagen (Schwangerschaft, Wachstum) essentiell sind (z.B. Arginin, Histidin). Im angelsächsischen Sprachraum, der in der biochemischen Forschung führend ist, wird diese Unterscheidung nicht getroffen. Hier werden diese Aminosäuren pragmatisch unter "conditionally essential" zusammengefasst.
Klinik
Bedingt essentielle Aminosäuren werden vor allem in katabolen Stoffwechsellagen oder bei erhöhtem Bedarf klinisch relevant. Ein Mangel kann zu unspezifischen Symptomen wie Müdigkeit, Muskelschwäche und verminderter Leistungsfähigkeit führen.
In bestimmten Situationen, z.B. bei Wachstum, Schwangerschaft, schweren Erkrankungen, Traumata oder im Rahmen einer Sepsis, kann der Bedarf die endogene Synthesekapazität übersteigen. Dies kann u.a. zu Störungen der Proteinbiosynthese mit Beeinträchtigung der Immunabwehr und der Wundheilung führen.