Apparative Verhaltenstherapie
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LoslegenSynonyme: Alarmtherapie, Weckapparattherapie
Englisch: enuresis alarm therapy
Definition
Die apparative Verhaltenstherapie, kurz AVT, ist ein nichtmedikamentöses Therapieverfahren zur Behandlung der Enuresis nocturna. Dabei registriert ein Feuchtigkeitssensor den Beginn des nächtlichen Einnässens und löst unmittelbar ein akustisches oder vibratorisches Wecksignal aus.[1]
Prinzip
Das Kind soll durch den Alarm geweckt werden, die Miktion unterbrechen und zur Toilette gehen, um die Miktion dort zu beenden. Durch die wiederholte Kopplung von Blasenfüllung bzw. beginnender Miktion und Aufwachreaktion soll langfristig eine verbesserte nächtliche Blasenkontrolle erreicht werden. Zu Beginn müssen die Eltern das Kind häufig zusätzlich wecken, da das Alarmsignal allein nicht immer zu einer ausreichenden Aufwachreaktion führt.
Indikation
Die AVT gilt nach den Empfehlungen der International Children's Continence Society (ICCS) als Therapie der ersten Wahl bei der monosymptomatischen Enuresis nocturna, insbesondere bei motivierten Kindern und Familien.[1] Voraussetzung ist in der Regel ein Mindestalter von 6 Jahren sowie der vorherige Ausschluss bzw. die vorrangige Behandlung relevanter Begleiterkrankungen wie Obstipation oder Harnwegsinfektionen.[2]
Anwendung
Die Therapie wird in der Regel über mehrere Wochen bis Monate konsequent jede Nacht durchgeführt. Voraussetzung für den Erfolg sind eine ausreichende Motivation von Kind und Eltern sowie eine regelmäßige Anwendung. Ergänzendes Overlearning – die Gabe zusätzlicher Flüssigkeit vor dem Schlafengehen nach Erreichen der Trockenheit – kann die Rückfallrate weiter senken.[3]
Wirksamkeit
Unter konsequenter Anwendung werden etwa zwei Drittel der behandelten Kinder trocken. Die Rückfallrate nach Beendigung der Therapie liegt bei etwa 15–30 %.[3] Im Vergleich zu Desmopressin zeigt die AVT ein langsameres Ansprechen, jedoch eine dauerhaftere Wirkung und eine niedrigere Rückfallquote.[3]
Einschränkungen
Die Methode erfordert über Wochen bis Monate eine hohe Mitarbeit von Kind und Eltern. Bei mangelnder Motivation ist die Abbruchrate hoch. Im Gegensatz zur medikamentösen Therapie treten keine eigentlichen Nebenwirkungen auf.[3]
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 Nevéus et al., Management and treatment of nocturnal enuresis-an updated standardization document from the International Children's Continence Society, J Pediatr Urol, 2020
- ↑ AWMF-Leitlinie 028-026, abgerufen am 02.09.2026 (aktuell in Überarbeitung)
- ↑ 3,0 3,1 3,2 3,3 Caldwell et al., Alarm interventions for nocturnal enuresis in children, Cochrane Database Syst Rev, 2020