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Sehschärfe

Synonyme: Visus, Sehstärke, Minimum separabile
Englisch: visual acuity, VA

1 Definition

Unter der Sehschärfe bzw. dem Visus versteht man das Potenzial eines Lebewesens, durch das Sehorgan diverse Umweltstrukturen als solche wahrzunehmen und zu erkennen. Die Sehschärfe ist eine messbare Größe und kann als diagnostischer Parameter herangezogen werden.

2 Einteilungsformen

  • Minimum visibile: Hier liegt die Grenze des Sichtbaren. Ein anvisierter Gegenstand o. ä. grenzt sich nicht mehr als Kontrast von dem ihn umgebenden Medium ab. Die Leuchtdichte scheint keinen Unterschied mehr zwischen Umwelt und anvisiertem Objekt zu besitzen.
  • Minimum discriminibile: Dies bezeichnet die Erkennbarkeitsschwelle für kleinste bestehende Unterschiede zwischen anvisiertem Objekt und Umgebung.
  • Minimum separabile: Enthält die Trennung eng benachbarter Konturen von sehr eng aneinanderliegenden Objekten. Die Trennung dieser Objekte kann gerade noch so wahrgenommen werden, da die Beiden geringfügig unterschiedliche Leuchtdichten besitzen.
  • Minimum legibile: Hierbei handelt es sich um die Lesesehschärfe. Neben dem eigentlichen physiologischen Sehvorgang kommt hier noch der Faktor Gedächtnis hinzu, in dem gespeicherte Wortbestandteile in einen logischen Kontext gebracht werden.

3 Beeinflussung des Visus

Der Visus kann durch mehrere Faktoren beeinflusst werden.

3.1 Größe des rezeptiven Feldes

In der Fovea centralis kommt es zu einer 1:1-Verschaltung von Zapfen auf Bipolar- und Ganglienzellen. Daraus resultiert eine sehr gute Sehschärfe. Im extrafovealen Bereich der Retina konvergieren viele Stäbchen auf eine Ganglienzelle, was zu einer verschlechterten Sehschärfe führt.

3.2 Rezeptorendichte

Die Zapfendichte ist in der Fovea centralis am größten. Der Visus beträgt bei Emmetropen und Menschen, die unter einer Hypermetropie leiden, für das photopische Sehen 1. Bei kurzsichtige Menschen ist er kleiner als 1. Beim skotopischen Sehen ist der Visus 0.

In den extrafovealen Bereichen der Retina ist die Stäbchendichte am größten. Hier ist der Visus für das photopische Sehen kleiner als 1 und für das skotopische Sehen kleiner als 0,1.

In der Papilla nervi optici, in der sich keine Photorezeptoren befinden, ist der Visus 0.

3.3 Dioptrischer Apparat

Die Qualität des dioptrischen Apparates spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Strahlen, die auf den Rand der Cornea treffen, werden stärker gebrochen als achsennahe Strahlen (sphärische Aberration). Dies kann zu unscharfen Bildern führen.

Da es sich bei dem Auge um ein inhomogenes Medium handelt, wird das Licht gestreut. Dies kann dazu führen, dass Dinge unscharf abgebildet werden. Die Abbildungsqualität des Bildes auf der Netzhaut wird unter anderem durch Kammerwasser, Glaskörper, Linse und Hornhaut beeinflusst.

Die Hornhautoberfläche weist in vertikaler Richtung eine stärkere Krümmung auf als in horizontaler Richtungen (Astigmatismus). Sind diese Unterschiede sehr groß, kann es zu unscharfen Bildern kommen.

Auch Kurzsichtigkeit (Myopie) führt zu einem verminderten Visus, während Altersweitsichtigkeit (Presbyopie) und Weitsichtigkeit (Hyperopie) keinen Einfluss auf den Visus haben.

3.4 Weitere Faktoren

  • Optische Beschaffenheit von Objekt und Umgebung (vorliegender Kontrast, Helligkeit, Farbe, Umweltbedingungen)
  • Form des Objektes: Bestimmte Formen, wie z.B. rechte Winkel, vermag das Zentralnervensystem noch einmal stärker aufzulösen, als es der optische Apparat selber kann.

4 Einheiten der Sehschärfe

Zentrale Betrachtung bei der Ermittlung und Festlegung der allgemeinen Sehschärfe hat die sogenannte angulare Sehschärfe, auch als Winkel-Sehschärfe bezeichnet. Diese gibt das Vermögen an, bei dem zwei getrennt voneinander befindliche Objekte gerade noch als voneinander getrennt wahrgenommen werden können. Einheit ist dabei die Winkelminute. Eine Winkelminute wird folgendermaßen ausgeschrieben: 1` Dabei entspricht der Wert einer Winkelminute einer Ortsauflösung von 1,5 mm bei 5 m Abstand.

4.1 Beispielswerte

Je kleiner die Winkel-Minute bzw. die Winkelsehschärfe, desto höher ist die Sehschärfe.

  • Elefant: 10,3`
  • Mensch: 0,4 – 1`
  • Wanderfalke: 0,4`
  • Katze: 5`
  • Frosch: 7`
  • Ratte: 40`

5 Bestimmung des Visus

Zur Bestimmung des Visus werden Schrifttafeln und Landolt-Ringe genutzt.

5.1 Landolt-Ringe

Bei der Verwendung der Landolt-Ringe werden dem Patienten unterschiedlich große Ringe gezeigt, die eine Lücke aufweisen, deren Lage vom Patienten angegeben werden muss. Die Breite der Lücke beträgt abhängig von Größe und Entfernung eine oder mehrere Winkelminuten. Ein emmetroper Patient sollte eine Lücke, die eine Breite von einer Winkelminute besitzt, wahrnehmen können, um über einen Visus von 1 zu verfügen. Wenn die Lücke erst bei doppelter Breite erkannt wird, beträgt der Visus 0,5.

5.2 Schrifttafeln

Bei der Bestimmung des Visus mit Schrifttafeln muss der Patient Zahlen- oder Buchstabenreihen ablesen. Für jede Zahlenreihe ist eine bestimmte Entfernung von der Schrifttafeln vorgegeben, für die der Visus 1 beträgt. Liest der Patient eine Schriftreihe, für die der Visus bei einer Entfernung von 6m 1 beträgt, nur in einer Entfernung von 3m korrekt ab, beträgt der Visus 0,5. Der Visus stellt den Quotienten aus Istentfernung und Sollentfernung dar.

Fachgebiete: Physiologie

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