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Affektivität

von lateinisch: affectus - Leidenschaft, Begierde
Englisch: affectivity

1 Definition

Unter Affektivität subsumiert man die Gesamtheit des Gefühl- und Gemütslebens, die sich aus Stimmung, Emotion und Motivation zusammensetzt. Umfasst werden sowohl die kurzandauernden Affekte wie Zorn, Wut, Hass, Freude, als auch die langfristig bestehenden "Stimmungen".

2 Beurteilung der Affektivität

Die momentan vorherrschende Stimmung bzw. der vorherrschende Affekt kann im Rahmen eines Explorationsgespräches beurteilt werden, wenn dem Patienten entsprechende Gelegenheit zur freien, affektgetönten Äußerung eingeräumt wird.

Durch gezieltes Nachfragen kann der Affekt und eine etwaige Störung näher und differenzierter bestimmt werden.

3 Störungen der Affektivität

3.1 Affektlabilität

Affektlabilität bzw. Stimmungslabilität ist ein schneller und häufiger Wechsel zwischen verschiedenen Affekten wie Wut und Freude.

3.2 Affektinkontinenz

Bei der Affektinkontinenz kann die Affektäußerung vom Patienten nur ungenügend beherrscht werden.

  • Beispiel: "Angesprochen auf seine verstorbene Mutter beginnt der Patient unmittelbar zu weinen, lenkt man das Gespräch auf das schöne Wetter draußen, scheint der Patient wieder gutgelaunt."

3.3 Affektarmut

Affektarmut ist die geringe Ansprechbarkeit für Gefühlsäusserungen. Der Patient wirkt interesselos, gibt sich emotional verhalten, ist affektiv nicht schwingungsfähig. Bei der Exploration bspw. erzählt der Patient unbeteiligt und ohne emotionale Tönung.

3.4 Gefühlsleere

Als Gefühlsleere bezeichnet man das Gefühl des Nicht-Fühlen-Könnens, welches vom Patienten sehr leidvoll erlebt wird.

3.5 Affektstarrheit

Bei der Affektstarrheit ist die affektive Schwingungsfähigkeit vermindert. Der Patient verharrt in einer bestimmten Stimmung oder in einem bestimmten Affekt und ist nicht in andere Affekte auslenkbar.

3.6 Innere Unruhe

Die Innere Unruhe äußert sich als Gefühl der inneren Getriebenheit. Der Patient fühlt sich angespannt und seelisch aufgewühlt.

3.7 Dysphorie

Patineten mit Dysphorie befinden sich in einer kontinuierlichen, missmutigen und übellaunigen Stimmung. Selbst positive Erlebnisse werden negativ empfunden.

  • Beispiel: "Es stinkt mir, dass er mir etwas geschenkt hat. Jetzt muss ich das ganze Packpapier entsorgen."

3.8 Gereiztheit

Bei Gereiztheit zeigt sich der Patient aggressiv verstimmt und neigt zu affektiven Ausbrüchen.

3.9 Ambivalenz

Die Ambivalenz ist durch gegensätzliche Gefühle bestimmt. Positive und negative Stimmungen bezüglich einer Person, eines Vorhabens oder einer Handlung bestehen nebeneinander und führen zu einem angespannten Zustand.

3.10 Euphorie

Unter Euphorie versteht man eine gehobene Stimmung mit Übersteigerung des Wohlbefindens, der Zuversicht und der Heiterkeit, die unangemessen sein kann.

  • Beispiel: "Ihre Frau ist gestorben? Das ist doch nicht schlimm..."

3.11 Läppischer Affekt

Der Läppische Affekt scheint unreif, unbegründet, der Situation und dem Status des Patienten nicht angemessen.

  • Beispiel: "Der 53jährige Patient benimmt sich wie ein Teenager und kichert über jede Frage, die ihm gestellt wird."

3.12 Depressivität

Die Stimmung von Patienten mit Depressivität ist gedrückt. Die Umwelt erscheint farb- und freudlos. Der Patient wirkt lustlos, hoffnungslos und ohne Zuversicht.

3.13 Störung der Vitalgefühle

Bei einer Störung der Vitalgefühle wird das Gefühl der körperlichen Unversehrtheit, der eigenen Kraft, der eigenen Lebendigkeit, vom Patienten als beeinträchtigt oder fehlend erlebt.

3.14 Insuffizienzgefühle

Insuffizienzgefühle äußern sich dadurch, dass der Patient angibt "nichts wert" zu sein. Er empfindet sich selbst als unfähig und untüchtig.

3.15 Gesteigertes Selbstwertgefühl

Beim gesteigerten Selbstwertgefühl erlebt sich der Patient - im Gegensatz zu den Insuffizienzgefühlen - als besonders bedeutungsvoll, als einzigartig, als besonders befähigt und tüchtig.

3.16 Parathymie

Patienten mit Parathymie zeigen inadäquate Affekte. Der Erlebnisinhalt stimmt nicht mit dem gezeigten Gefühlsausdruck überein. Beispielsweise schildert der Patient seine Krankheitsgeschichte und erscheint dabei unpassend ausgelassen und heiter.

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