Nematodirose (Wiederkäuer): Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 8. Oktober 2018, 09:03 Uhr

Synonym: Nematodirus-Infektion beim Wiederkäuer

Definition

Als Nematodirose der Wiederkäuer bezeichnet man eine parasitär bedingte Erkrankung der Wiederkäuer die durch Nematodirus-Arten verursacht wird.

Erreger

Die Nematodirose der Wiederkäuer kann durch verschiedene Vertreter verursacht werden, u.a. durch:

Nematodirus helvetianus

Nematodirus helvetianus besitzt am Vorderende eine längliche bis flaschenförmige Kutikulaauftreibung, die mit Querringeln versehen ist. Die Synlophe ist artverschieden ausgeprägt und ist mit 18 bis 26 Graten versehen. Der Parasit hat eine quer-ovale Bursa und die Lappen sind mit artspezifisch angeordneten Höckern ausgestattet. Die Dorsalrippe ist von der Basis an gespalten, wobei eine deutlich erkennbare lange, fadenförmig und distal vereinigte Spikula ausgebildet ist.

Die Männchen sind 11 bis 17 mm lang und tragen eine 900 bis 1250 μm lange Spikula, die an der Spitze distal verschmolzen ist und zwei kleine seitliche Stacheln trägt. Der Parasit ist von einer lanzettartigen und relativ breiten Membran umhüllt. Die Weibchen sind 18 bis 25 mm lang und an ihrem Hinterende deutlich abgerundet (mit zentralem Stachel).

Nematodirus helvetianus ist vorwiegend im Dünndarm von Rindern lokalisiert.

Nematodirus filicollis

Die Männchen sind 10 bis 15 mm lang und ihre Spikula misst 750 bis 925 μm. Die Spitzen sind von einer schlanken und lanzettförmigen Membran umhüllt. Die Weibchen sind mit 15 - 20 mm etwas größer als die Männchen und am Hinterende deutlich abgerundet. Der dort befindliche Stachel ist zentral ausgebildet.

Die Hauptlokalisatiion von Nematodirus filicollis ist im Dünndarm, v.a. bei Schafen aber auch bei der Ziege und beim Rind.

Nematodirus battus

Die Männchen sind 10 bis 19 mm lang und haben eine 900 bis 1200 μm lange Spikula. Die vereinten Spitzen sind mit einer herzförmigen Membran umzogen. Die Weibchen sind 15 bis 26 mm lang und haben ein spitz auslaufendes Hinterende. Die Eier im Uterus sind parallelwandig ausgebildet.

Nematodirus battus ist im Dünndarm lokalisiert und kommt vorzugsweise beim Schaf, aber auch beim Rind vor.

Nematodirus spathiger

Die Männchen tragen mit einer Länge von 8 bis 19 mm eine ca. 950 μm lange Spikula. Die verschmolzenen Spitzen sind von einer löffelförmigen Membran umhüllt. Die Weibchen sind 12 bis 20 mm lang und haben ein abgerundetes Hinterende mit zentralem Dorn.

Die Lokalisation ist hauptsächlich im Dünndarm, wobei der Parasit beim Schaf, aber auch bei der Ziege und beim Rind angetroffen werden kann.

Vorkommen

Nematodirus-Arten sind weltweit verbreitet, wobei beim Rind hauptsächlich Nematidorus helvetianus, Nematidorius filicollis und Nematodirus battus eine Relevanz haben. Nematodirus spathiger ist nur gelegentlich anzutreffen.

In gemäßigten Klimazonen spielt Nematodirus battus bei Lämmern eine wichtige Rolle.

Entwicklung

Im Gegensatz zu den übrigen Magen-Darm-Strongyliden, entwickeln sich bei Nematodirus die infektiösen Drittlarven (L3) im Ei. In Mitteleuropa verläuft diese Entwicklung sehr langsam ab und benötigt mindestens zwei Monate. Im Anschluss an die Entwicklung vergeht oftmals noch einige Zeit, bevor die Larven letztendlich schlüpfen.

Nematodirus battus-Larven benötigen vor dem Schlupf eine Kältephase, die im Anschluss von Temperaturen von mindestens 10 °C begleitet sein muss. Solche Wetterbedingungen sind vorwiegend im späten Frühjahr anzutreffen, sodass ein Großteil der Eier - die während der Weidesaison auf das Gras gelangt sind - erst im Folgejahr zum Infektionsrisiko beitragen. Bei Nematodirus battus beträgt die Präpatenz 15 Tage.

Andere Nematodirus-Arten benötigen solche spezielle Bedingungen zur Entwicklung in der Regel nicht. Hier schlüpfen die infektiösen Larven etwa zwei bis drei Monate nach dem die Eier auf die Weide gelangt sind, weshalb auch oftmals mehr als eine Generation pro Jahr möglich ist. Bei Nematodirus helvetianus beträgt die Präpatenz 20 bis 26 Tage.

Literatur

  • Boch, Josef, Supperer, Rudolf. Veterinärmedizinische Parasitologie. 6. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Parey Verlag, 2005