Salomon-Paradoxon
Englisch: Solomon's paradox
Definition
Das Salomon-Paradoxon beschreibt das Phänomen, dass Menschen in der Lage sind, reflektierter über emotionale Dilemmata anderer zu urteilen als über ihre eigenen.
Hintergrund
Der Begriff wurde 2014 von Igor Grossmann und Ethan Kross eingeführt und nach dem biblischen König Salomon benannt, der für seine Weisheit im Umgang mit fremden Konflikten bekannt war.[1] In Experimenten zeigte sich, dass Probanden bei der Beurteilung von „Drittperson-Szenarien“ signifikant reflektierter (z.B. in der Perspektivenübernahme und Kompromissorientierung) urteilten als bei der Beurteilung von „Selbstszenarien“. Meta-Analysen belegen diesen Effekt über verschiedene Kulturen und Altersgruppen hinweg.[2]
Die zugrunde liegende Erklärung für dieses Paradoxon ist die emotionale Distanz, die zu einer geringeren negativen Affektivität und einer höheren Selbsttranszendenz führt, was reflektierteres Denken ermöglicht.
Anwendungen
Das Salomon-Paradox wird in der Psychologie genutzt, um Grenzen der Selbstreflexion in emotional fordernden Situationen zu erklären. In der Patientenberatung kann es durch emotionale Involviertheit zu divergierenden Urteilen kommen.
Quellen
- ↑ Grossmann I, Kross E: Exploring Solomon's paradox: self-distancing eliminates the self-other asymmetry in wise reasoning about close relationships in younger and older adults. Psychol Sci. 2014;25(8):1571–1580. doi:10.1177/0956797614535400.
- ↑ Lin H, Zheng H, Wang F: Do bystanders always see more than the players? Exploring Solomon's paradox through meta-analysis. Front Psychol. 2023;14:1181187. doi:10.3389/fpsyg.2023.1181187.
Links
- Exploring Solomon's paradox
- The Psychological Mechanisms Underlying Solomon's Paradox (frontiers in psychology)
- The (Paradoxical) Wisdom of Solomon (Association for psychological science)