Phasenmodell der Suizidalität nach Pöldinger
nach dem Österreichischen Psychiater Walter Pöldinger (1929 - 2002)
Definition
Das Phasenmodell der Suizidalität nach Pöldinger beschreibt den suizidalen Prozess als zeitlich gegliederte Entwicklung, die von ersten, noch ambivalenten Gedanken bis zur konkreten suizidalen Handlung reichen kann.
Hintergrund
Der Schweizer Psychiater Walter Pöldinger beobachtete, dass Suizidalität meist kein plötzliches Ereignis ist, sondern sich in typischen Stadien entwickelt. Dieses Verständnis erlaubt es, Warnzeichen frühzeitig zu erkennen und therapeutisch einzugreifen.
Das Modell wird vor allem in der klinischen Psychiatrie und Krisenintervention verwendet.
Die drei Phasen
Erwägungsphase
In dieser Phase treten erste suizidale Gedanken auf. Der Betroffene denkt über den Tod nach, wägt Möglichkeiten ab und befindet sich in einem inneren Konflikt. Kennzeichnend ist eine deutliche Ambivalenz zwischen Lebenswillen und Todeswunsch.
Typische Merkmale:
- Grübeln über den Sinn des Lebens
- Fantasien über den eigenen Tod
- indirekte Andeutungen gegenüber anderen
Diese Phase ist besonders zugänglich für Gespräche und Hilfe.
Ambivalenzphase
Die suizidalen Gedanken werden konkreter. Der innere Konflikt besteht weiter, jedoch rückt die Vorstellung einer tatsächlichen Handlung näher. Der Betroffene schwankt zwischen Hilfesuche und Rückzug.
Typische Merkmale:
- Andeutungen oder Ankündigungen
- Ordnung persönlicher Angelegenheiten
- zunehmende Einengung des Denkens
Auch hier bestehen gute Interventionsmöglichkeiten.
Entschlussphase
Der Entschluss zum Suizid ist gefasst. Die Ambivalenz tritt in den Hintergrund. Häufig wirkt der Betroffene nach außen ruhiger oder „geklärt“, was fälschlich als Besserung interpretiert werden kann.
Typische Merkmale:
- scheinbare Beruhigung
- konkrete Vorbereitungen
- Rückzug und Abschiedshandlungen
In dieser Phase ist das Risiko einer unmittelbar bevorstehenden Handlung hoch.
Bedeutung
Das Phasenmodell hilft, suizidale Prozesse zeitlich einzuordnen und Warnsignale zu erkennen. Es betont, dass Suizidalität meist dynamisch verläuft und nicht als statischer Zustand verstanden werden darf.
Weblink
- Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention – Hilfsangebote