PICA-Loop-Syndrom
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LoslegenEnglisch: PICA loop syndrome
Definition
Als PICA-Loop-Syndrom bezeichnet man eine seltene Anomalie der Arteria cerebelli inferior posterior (PICA), eines Astes der Arteria vertebralis. Hierbei nimmt die Arterie einen schlaufenförmigen Verlauf und touchiert dabei die rostrale ventrolaterale Medulla oblongata (RVLM). Die RVLM gilt als Kontrollzentrum für die Sympathikusaktivität im Hirnstamm.[1]
Das PICA-Loop-Syndrom ist eine Form des Vascular-Loop-Syndroms.
Hintergrund
Das PICA-Loop-Syndrom ist eine seltene neurovaskuläre Erkrankung, die erstmals von Jannetta et al. im Zusammenhang mit neurogener Hypertonie beschrieben wurde. Die Kausalität zwischen Gefäßkompression und arterieller Hypertonie ist Gegenstand wissenschaftlicher Diskussion. Kontrollierte Studien fehlen bislang weitgehend.[2]
Epidemiologie
Die Prävalenz ist bislang (2026) unklar, das Syndrom wird überwiegend in Fallserien und kleinen Kohortenstudien beschrieben. Es tritt bei Erwachsenen auf, ohne eindeutigen Altersgipfel oder ausgeprägte Geschlechterpräferenz.
Ätiologie
Die genaue Ursache des abnormalen Gefäßverlaufs ist unklar. Es werden kongenitale Varianten und erworbene vaskuläre Veränderungen diskutiert – zum Beispiel im Rahmen einer Arteriosklerose oder einer arteriellen Hypertonie.
Symptome
Das PICA-Loop-Syndrom ist häufig mit einer sekundären, therapieresistenten Hypertonie vergesellschaftet. Weitere beschriebene Symptome sind:
- Schwindel
- Tinnitus (teils pulssynchron als Ausdruck einer vaskulären Übertragung)
- weitere vegetative Dysregulationszeichen (Hyperhidrosis, Herzrhythmusstörungen)
Aufgrund des anatomischen Verlaufs der PICA durch die hintere Schädelgrube kann die schlaufenförmige Arterie neben der RVLM auch benachbarte Hirnnerven komprimieren. Je nach betroffenem Nerv resultieren charakteristische Begleitsyndrome:[3]
| Hirnnerv | Symptome |
|---|---|
| Nervus facialis | Hemispasmus facialis |
| Nervus vestibulocochlearis | Tinnitus, Schwindel, Hörminderung |
| Nervus glossopharyngeus | Glossopharyngeusneuralgie |
| Nervus vagus | Vagale Dysregulation |
Diagnostik
Der abnormale Gefäßverlauf kann mittels MR-Angiographie dargestellt werden. Hochauflösende MRT-Sequenzen (z.B. FIESTA, CISS) ermöglichen die direkte Darstellung des Kontakts zwischen PICA und RVLM.[4]
Differentialdiagnosen
Bei therapieresistenter Hypertonie sind vor dem Verdacht auf ein PICA-Loop-Syndrom folgende Ursachen auszuschließen:
- Primärer Hyperaldosteronismus
- Phäochromozytom
- Nierenarterienstenose
- Obstruktives Schlafapnoesyndrom
- Medikamenten-induzierte Hypertonie (z.B. NSAR, Sympathomimetika)
Therapie
Das PICA-Loop-Syndrom wird neurochirurgisch mittels mikrovaskulärer Dekompression (MVD) behandelt. Dabei wird das komprimierende Gefäß von der RVLM mobilisiert und durch ein Teflonkissen dauerhaft von ihr separiert. Die MVD gilt für diese Indikation bislang nicht als etabliertes Standardverfahren und wird außerhalb spezialisierter Zentren als experimenteller Eingriff betrachtet.[5]
Quellen
- ↑ Jannetta et al., Neurogenic hypertension: etiology and surgical treatment. I. Observations in 53 patients, Ann Surg, 1985
- ↑ Geiger et al., Decrease of blood pressure by ventrolateral medullary decompression in essential hypertension, Lancet, 1998
- ↑ Sindou und Mercier, Microvascular decompression for hemifacial spasm: Surgical techniques and intraoperative monitoring, Adv Tech Stand Neurosurg, 2018
- ↑ Frank et al., Temporary reduction of blood pressure and sympathetic nerve activity with acetylcholine in patients with essential hypertension, J Hypertens, 2004
- ↑ Levy et al., Microvascular decompression of the rostral ventrolateral medulla for essential hypertension: initial and follow-up results, Neurosurgery, 1996