Oligodendroglia
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LoslegenEnglisch: oligodendroglia
Definition
Die Oligodendroglia ist die Gesamtheit der Oligodendrozyten, einer Form der Gliazellen im zentralen Nervensystem (ZNS). Ihre Hauptaufgabe ist die Bildung der Myelinscheiden, welche die Axone der ZNS-Nervenzellen umhüllen und elektrisch isolieren. Oligodendrozyten kommen sowohl in der weißen als auch in der grauen Substanz vor.
Histologie
Oligodendrozyten sind kleiner als Astrozyten und besitzen einen dichten, chromatinreichen Zellkern sowie ein mikrotubulireiches Zytoplasma. Histologisch werden unter anderem folgende Formen unterschieden:
- Myelinisierende (interfaszikuläre) Oligodendrozyten: vorwiegend in der weißen Substanz; sie bilden die Myelinscheiden.
- Satelliten- bzw. perineuronale Oligodendrozyten: vorwiegend in der grauen Substanz, eng an die Somata von Nervenzellen angelagert. Ihre Funktionen unterscheiden sich teilweise von denen der klassischen myelinisierenden Oligodendrozyten. Sie unterstützen die neuronale Homöostase und sind an der Regulation des extrazellulären Milieus beteiligt. Auch perineuronale Oligodendrozyten können myelinisierende Funktionen ausüben und sind unter pathologischen Bedingungen möglicherweise an der Remyelinisierung beteiligt.[1]
Entwicklung
Oligodendrozyten gehen aus Oligodendrozyten-Vorläuferzellen (OPC) hervor, die den Rezeptor PDGFRα und das Proteoglykan NG2 exprimieren. Früher wurden NG2-positive Gliazellen auch als Synantozyten bezeichnet. OPCs bleiben auch im adulten ZNS erhalten und sind eine wesentliche Quelle für die Neubildung von Oligodendrozyten bei der Remyelinisierung nach Demyelinisierung.
Funktion
Myelinisierung
Ein einzelner Oligodendrozyt myelinisiert – anders als eine Schwann-Zelle des peripheren Nervensystems, die nur ein Internodium eines einzigen Axons umscheidet – die Internodien mehrerer Axone, durchschnittlich etwa 30, je nach ZNS-Region bis zu 60.[2] Die Myelinscheide wirkt als elektrischer Isolator und ermöglicht die saltatorische Erregungsleitung, bei der das Aktionspotential von einem Ranvier-Schnürring zum nächsten springt.
Metabolische Unterstützung
Über den Monocarboxylat-Transporter 1 (MCT1) versorgen Oligodendrozyten die von ihnen umhüllten Axone mit Laktat und Pyruvat. Diese trophische Funktion ist unabhängig von der Isolationswirkung. Ihr Ausfall kann zur axonalen Degeneration beitragen.[2]
Klinik
Die Oligodendroglia ist an der Entstehung verschiedener ZNS-Erkrankungen beteiligt, z.B.:
- Multiple Sklerose: chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung mit Demyelinisierung und sekundärer axonaler Schädigung
- Leukodystrophien: genetisch bedingte Störungen der Myelinbildung oder des Myelinabbaus.
- Progressive multifokale Leukenzephalopathie (PML): Infektion der Oligodendrozyten durch das JC-Virus, vor allem bei Immunsupprimierten.
Oligodendrozyten-Vorläuferzellen sind ein zentraler Ansatzpunkt experimenteller Remyelinisierungstherapien.
Quellen
- ↑ Baumann N, Pham-Dinh D. Biology of oligodendrocyte and myelin in the mammalian central nervous system. Physiol Rev. 2001;81(2):871–927.
- ↑ 2,0 2,1 Simons M, Nave KA. Oligodendrocytes: Myelination and Axonal Support. Cold Spring Harb Perspect Biol. 2015;8(1):a020479.
Literatur
- Lüllmann-Rauch R, Asan E. Taschenlehrbuch Histologie. 6. Aufl. Thieme; 2019.