Deontologie
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Loslegenvon altgriechisch: δέον "déon" - das Erforderliche/das Gesollte/die Pflicht
Synonym: Deontologische Ethik, Pflichtethik
Englisch: deontology
Definition
Die Deontologie oder Deontologische Ethik stellt eine Klasse von ethischen Theorien dar. Sie ist akteurzentriert und unterstreicht die moralische Verantwortung des Handelnden, ohne dabei auf die Konsequenzen der Handlungen einzugehen.[1][2] Umgangssprachlich ausgedrückt: Eine Handlung ist nicht deshalb gut, weil sie gute Folgen hat. Sie ist gut, wenn sie aus der richtigen moralischen Pflicht oder Regel heraus geschieht.
Historische Entwicklung
Der Begriff der Deontologie wird heute vor allem mit dem Philosophen Immanuel Kant verbunden. Kant formulierte mit dem Kategorischen Imperativ das zentrale Prinzip der deontologischen Ethik: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde." Damit verankerte er moralisches Handeln in der vernunftgeleiteten Pflicht, unabhängig von Neigungen oder erwarteten Folgen.
Der Begriff „Deontologie" selbst wurde im 19. Jahrhundert durch den britischen Philosophen und Utilitarismus-Begründer Jeremy Bentham geprägt, der ihn zur Bezeichnung der Pflichtenlehre verwendete.
Berufsethik
In der Medizin, im Recht oder im Journalismus bezeichnet die Deontologie die konkreten Berufspflichten und Berufskodizes des jeweiligen Berufsstandes. Anders als gesetzliche Vorschriften geht es bei den deontologischen Regeln um moralische und ethische Selbstverpflichtungen der jeweiligen Berufsgruppe.
Deontologische Regeln gelten unabhängig vom Ergebnis. Nach einem streng deontologischen Verständnis wäre das bewusste Anlügen eines Patienten moralisch problematisch, selbst wenn dadurch Leid vermindert würde.
Abgrenzung
Konsequentialismus
Im Gegensatz zu konsequentialistischen Theorien, wo die Folgen einer Handlung deren moralischen Wert definieren, sieht die Deontologie gewisse Handlungen als intrinsisch falsch an, auch unabhängig davon, ob diese potenziell positive Folgen haben könnten.[3][4]
Utilitarismus
Als bekannteste Form des Konsequentialismus bewertet der Utilitarismus Handlungen nach dem Prinzip des größtmöglichen Nutzens für die größtmögliche Zahl. Die Deontologie widerspricht diesem Ansatz grundsätzlich, da sie bestimmte Handlungen auch dann verbietet, wenn sie dem Gesamtwohl dienen würden.
Tugendethik
Die Tugendethik fokussiert sich auf die Entwicklung und Förderung moralisch wertvoller Charaktereigenschaften, darunter Mut, Gerechtigkeit oder Weisheit. Die Deontologie hingegen stellt Regeln und Verpflichtungen in den Vordergrund.[1][4]
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 Deontological Ethics (Stanford Encyclopedia of Philosophy), abgerufen am 18.05.2026
- ↑ Pantilat SZ. Chaudhry S. Ethical and Palliative Care Considerations. StatPearls. 2023. Verfügbar unter: StatPearls – Deontology.
- ↑ Beauchamp et al., Principles of Biomedical Ethics: Marking Its Fortieth Anniversary, Am J Bioeth, 2019
- ↑ 4,0 4,1 WMA Ethics Manual – Deutsch (World Medical Association), abgerufen am 18.05.2026
Literatur
- Kant I. Grundlegung zur Metaphysik der Sitten. In: Kants Werke. Akademie-Ausgabe, Bd. IV. de Gruyter; 1968.
- Bentham J. Deontology, or the Science of Morality. Longman; 1834.
- Hübner D. Einführung in die philosophische Ethik. Vandenhoeck & Ruprecht; 2014.