Bitte logge Dich ein, um diesen Artikel zu bearbeiten.

Schulmedizin

Englisch: academic medicine

1 Definition

Als Schulmedizin wird die ärztliche Diagnose und Therapie nach wissenschaftlich anerkannten Methoden bezeichnet, wie sie an den medizinischen Hochschulen gelehrt wird. Im Gegensatz dazu steht die Alternativmedizin, die in der universitären Ausbildung eher im Hintergrund steht.

2 Hintergrund

Der Begriff der Schulmedizin wird von ihren Gegnern häufig pejorativ verwendet, um die Fixierung der Medizin auf eingefahrene Denkstrukturen zu suggerieren. Die Schulmedizin bedient sich jedoch im Gegensatz zur Alternativmedizin oder Erfahrungsmedizin einer wissenschaftlichen Methodik. Ihr Einsatz führt nicht zwangsläufig zu eindeutigen oder unumstrittenen Ergebnissen, bietet jedoch den Vorteil der Nachvollziehbarkeit und der statistischen Relevanz der Ergebnisse.

Die Alternativmedizin bleibt diese Nachvollziehbarkeit häufig schuldig, was aber nicht zwangsläufig eine mindere Qualität der therapeutischen Leistung zur Folge hat. So kann auch die homöopathische Medizin auf zahlreiche Heilerfolge verweisen, für die jedoch häufig keine wissenschaftlich fundierten Erklärungsmodelle geliefert werden können. Kritiker ordnen diese Erfolge dem Placebo-Effekt zu, da die Alternativmedizin in randomisierten Doppelblindstudien oft keine Effekte über den Placebo-Effekt hinaus nachweisen kann. Ferner warnen sie vor dem Nocebo-Effekt. Problematisch ist, dass sobald eine Wirkung wissenschaftlich bewiesen wäre, das Verfahren per Definition der Schulmedizin zugeordnet werden müsste. Somit bleibt die Alternativmedizin das Sammelbecken für Verfahren, deren Wirkung bzw. Nutzen nicht wissenschaftlich belegt ist.

3 Sicht des Patienten

Der Konflikt zwischen Schulmedizin und Alternativmedizin ist aus Sicht des Patienten häufig irrelevant, da für ihn nicht das methodische Vorgehen, sondern die individuelle Behandlungserfahrung wichtig ist. Hier muss die Schulmedizin eingestehen, dass sie in Grenzbereichen (z.B. unheilbare Tumorerkrankungen, psychosomatische Störungen) nicht immer eine überzeugende Lösung zur Hand hat. Für eine große Zahl von Patienten in Deutschland sind alternative Heilmethoden eine wichtige Alternative zur Schulmedizin.

Kritiker hingegen führen dagegen an, dass Patienten auch leiden oder sterben, wenn sie Zeit und Geld in die Alternativmedizin investieren. In diesem Zusammenhang weisen sie darauf hin, dass Alternativmedizin auch aus wirtschaftlichen Erwägungen betrieben wird und es teilweise fraglich ist, ob ein Verfahren eingesetzt werden sollte, dessen Nutzen nicht belegt ist. Dies trifft natürlich auch auf verschiedene Verfahren der klassischen Schulmedizin zu. Skeptiker fordern daher, dass nicht zwischen Schul- und Alternativmedizin sondern nur zwischen wissenschaftlich belegbar wirksamen und nichtwirksamen Verfahren unterschieden werden soll.

4 Literatur

  • Oepen, I.: (Hrsg.): An den Grenzen der Schulmedizin. Eine Analyse umstrittener Methoden. Dtsch. Ärzte-Verlag (Köln) 1985, vergriffen
  • Oepen, I., Prokop, O. (Hrsg.): Außenseitermethoden in der Medizin. Ursprünge - Gefahren - Konsequenzen. Wiss. Buchgesellschaft (Darmstadt) 1986, 2. Aufl. 1994
  • Lambeck, Martin (2003): Irrt die Physik? Über alternative Medizin und Esoterik
  • Federspiel, Krista; Herbst, Vera (2006): Die Andere Medizin. "Alternative" Heilmethoden für Sie bewertet, Stiftung Warentest

Um diesen Artikel zu kommentieren, .

Klicke hier, um einen neuen Artikel im DocCheck Flexikon anzulegen.

Artikel wurde erstellt von:

Letzte Autoren des Artikels:

12 Wertungen (3.08 ø)
Teilen

12.911 Aufrufe

Du hast eine Frage zum Flexikon?
DocCheck folgen: