Zahnschmelz
Synonym: Substantia adamantina, Enamelum
Englisch: dental enamel
1. Definition
Der Zahnschmelz umgibt als härtestes Gewebe des menschlichen Körpers das Zahnbein (Dentin) und schützt es so vor Abnutzung.
2. Aufbau
Der Zahnschmelz umgibt im Bereich der Zahnkrone das Dentin. Seine Dicke variiert in den verschiedenen Zonen des Zahns: Im Bereich der Kauflächen und Schneidekanten ist er mit etwa 2,5 mm am dicksten, am Zahnhals bzw. an der Schmelz-Zement-Grenze am dünnsten. Damit spiegelt die Dicke der Schmelzschicht den Grad der mechanischen Belastung, der die jeweilige Zone des Zahns ausgesetzt ist.
Vor allem bei Milchzähnen findet sich sowohl vestibulär, als auch oral eine basale Verdickung des Zahnschmelzes, das Cingulum basale.
3. Zusammensetzung
Der Zahnschmelz besteht zu circa 98 % aus anorganischen Substanzen (v.a. Hydroxylapatit), circa 1 bis 2 % sind organisch. Trotz ihres geringen Anteils sind die sogenannten Schmelzmatrixproteine (SMP), unter ihnen das Amelogenin, essentiell für die biomechanischen Eigenschaften des Zahnschmelzes.
Der Schmelz ist aus Schmelzprismen aufgebaut, deren Länge der Schmelzdicke entsprechen. Sie liegen radiär zueinander und werden von Prismenscheiden umgeben. Zwischenprismatischer Schmelz verläuft senkrecht zu den Prismen und stabilisiert das gesamte Konstrukt.
4. Entwicklung
Die Bildung des Zahnschmelzes nennt man Amelogenese. Sie erfolgt durch hoch spezialisierte Zellen, die so genannten Ameloblasten, welche die Schmelzmatrixproteine sezernieren. Sie liegen dem Zahnschmelz von außen an. Das Schmelzwachstum verläuft inkremental, was sich mikroskopisch durch die so genannten Retzius-Streifen dokumentiert. Auf der Schmelzoberfläche sieht man bei entsprechender Vergrößerung analog feine Vertiefungen (Imbrikationslinien) und Erhebungen (Perikymatien).
Darüber hinaus wird schubweise die Ausrichtung der Schmelzmatrixproteine variiert, was zu einer gegenläufigen Ausrichtung der Schmelzprismen und dadurch zur Bildung der Hunter-Schreger-Streifen führt.
siehe auch: Zahnentwicklung
5. Kinik
Der Zahnschmelz ist ein Gewebe, das nicht regenerationsfähig ist, da nach der Ausreifung die Ameloblasten im Gegensatz zu den dentinbildenden Zellen (Odontoblasten) zu Grunde gehen. Eine durch Karies entstandene Kavität im Zahnschmelz verschließt sich daher nicht von selbst.
Kleinere Schmelzdefekte verursachen ohne Reizeinwirkung meist keine Symptome. Auf Luftzug sowie kalte oder heiße Nahrungsmittel kann der Zahn jedoch hypersensibel reagieren. Schmerzen ohne Reizeinwirkung treten in der Regel erst bei größeren Substanzdefekten auf, die bis zum Dentin vorgedrungen sind. In diesen Fällen sind die Dentintubuli eröffnet, sodass eine Reizweiterleitung bis zur Pulpa stattfindet.
6. Literatur
- Einführung in die Zahnerhaltung von J. Klimek, E. Hellwig, E. Schäfer & T. Attin., 7. Auflage; 2018