Verantwortungsdiffusion
Definition
Verantwortungsdiffusion bezeichnet das sozialpsychologische Phänomen, dass sich das Gefühl persönlicher Zuständigkeit für eine Aufgabe verringert, wenn mehrere Personen gleichzeitig anwesend sind oder beteiligt sein könnten.
Hintergrund
Das Konzept wurde im Rahmen der Forschung zum Zuschauereffekt beschrieben, insbesondere durch Bibb Latané und John Darley. Es erklärt, warum Menschen in Gruppen seltener aktiv werden: Die Verantwortung „verteilt“ sich gedanklich auf alle Anwesenden, sodass sich der Einzelne weniger verpflichtet fühlt zu handeln.
Dieses Phänomen tritt nicht nur in Notfallsituationen auf, sondern auch bei Gruppenentscheidungen, Teamarbeit oder organisatorischen Abläufen.
Mechanismus
Typische gedankliche Prozesse sind:
- „Jemand anderes wird sich darum kümmern.“
- „Wenn es wirklich wichtig wäre, hätte schon jemand reagiert.“
- „Ich bin vermutlich nicht zuständig.“
Dadurch sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass eine einzelne Person aktiv eingreift.
Bedeutung
Verantwortungsdiffusion spielt eine Rolle in Notfallsituationen, im Arbeitsalltag und in Organisationen. Praktisch relevant ist die Erkenntnis, dass klare persönliche Zuweisung von Aufgaben oder direkter Appell an Einzelne die Verantwortungsdiffusion aufhebt und die Handlungsbereitschaft erhöht.