Scheimpflug-Regel
nach dem österreichischen Geodäten Theodor Scheimpflug (1865–1911)
Synonyme: Scheimpflugsche Regel, Scheimpflug-Bedingung, Scheimpflug-Prinzip
Englisch: Scheimpflug principle
Definition
Die Scheimpflug-Regel ist ein geometrisch-optisches Prinzip der Fotografie und Bildgebung. Sie besagt, dass eine gleichzeitige scharfe Abbildung von Objektebenen, die nicht parallel zur Bildebene liegen, möglich ist, wenn Objektebene, Linsenebene und Bildebene sich in einer gemeinsamen Geraden schneiden (Scheimpflug-Linie).
Hintergrund
Die Scheimpflug-Regel wurde ursprünglich in der technischen Optik und Fotografie beschrieben und hat besondere Bedeutung für Anwendungen, bei denen geneigte oder gekrümmte Strukturen mit großer Tiefenausdehnung scharf erfasst werden müssen.
In der Medizin, insbesondere in der Augenheilkunde, bildet sie die physikalische Grundlage der Scheimpflug-Tomographie, die zur Tomographie des vorderen Augenabschnitts eingesetzt wird.
Durch gezielte Neigung der optischen Elemente kann die Schärfeebene an die Form des abzubildenden Objekts angepasst werden. Dies erlaubt eine präzise Darstellung transparenter und gekrümmter Strukturen, die mit konventioneller, parallel ausgerichteter Optik nur eingeschränkt oder mit geringer Tiefenschärfe erfassbar wären.
Diagnostik
Bei der ophthalmologischen Diagnostik ermöglicht die Anwendung der Scheimpflug-Regel die scharfe Abbildung von Hornhaut, Vorderkammer und Linse über ihre gesamte Tiefe hinweg. Sie ist damit eine zentrale Voraussetzung für tomographische Verfahren, die eine dreidimensionale Rekonstruktion des vorderen Augenabschnitts erlauben und quantitative Messungen von Krümmung, Dicke und Geometrie ermöglichen.