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Prothesengott

Englisch: prosthetic God

1 Definition

Der Begriff des Prothesengotts wird hauptsächlich in den Bereichen der Transplantations- und Intensivmedizin sowie in der medizinischen Psychologie, Anthropologie und Medizintechnik verwendet und beschreibt damit die Annäherung der modernen Medizintechnik an das Ideal eines Gottes, welches aber fundamentale Probleme mit sich bringt.

2 Hintergrund

Sigmund Freud prägte den Begriff des "Prothesengotts" in "Das Unbehagen in der Kultur", weshalb der "Prothesengott" auch tiefergehende Kulturkritik insinuiert. Hierzu schreibt Freud:

Er hatte sich seit langen Zeiten eine Idealvorstellung von Allmacht und Allwissenheit gebildet, die er in seinen Göttern verkörperte. Ihnen schrieb er alles zu, was seinen Wünschen unerreichbar schien, - oder ihm verboten war. Man darf also sagen, diese Götter waren Kulturideale. Nun hat er sich der Erreichung dieses Ideals sehr angenähert, ist beinahe selbst ein Gott geworden. Freilich nur so, wie man nach allgemein menschlichem Urteil Ideale zu erreichen pflegt. Nicht vollkommen, in einigen Stücken gar nicht, in anderen nur so halbwegs. Der Mensch ist sozusagen eine Art Prothesengott geworden, recht großartig, wenn er alle seine Hilfsorgane anlegt, aber sie nicht mit ihm verwachsen und machen ihm gelegentlich noch viel zu schaffen. Er hat übrigens ein Recht, sich damit zu trösten, daß diese Entwicklung nicht gerade mit dem Jahr 1930 A. D. abgeschlossen sein wird. Ferne Zeiten werden neue, wahrscheinlich unvorstellbar große Fortschritte auf diesem Gebiete der Kultur mit sich bringen, die Gottähnlichkeit noch weiter steigern. Im Interesse unserer Untersuchung wollen wir aber auch nicht daran vergessen, daß der heutige Mensch sich in seiner Gottähnlichkeit nicht glücklich fühlt.“ (Freud 2014, S. 897-898)

3 Quellen

  • Decker, O. (2002). Der Prothesengott (Dissertation, Erziehungswissenschaften und Humanwissenschaften). Abgerufen von https://d-nb.info/967996570/34
  • Freud, S. (2014). Das Unbehagen in der Kultur. In Gesammelte Werke (S. 897-898). Köln, Deutschland: Anaconda Verlag.

Diese Seite wurde zuletzt am 19. Februar 2020 um 14:30 Uhr bearbeitet.

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