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Persönlichkeitsstörung

Englisch: personality disorder

1 Definition

Persönlichkeitsstörungen sind überdauernde Verhaltensmuster, die sich in starren Reaktionen auf unterschiedliche Lebenslagen äußern, und somit vom flexiblen und in der bestimmten Situation angemessenen Verhalten abweichen.

2 Grundlagen

Um die Persönlichkeitsstörung zu verstehen, ist es sinnvoll, sich zunächst einen groben Überblick über physiologische Persönlichkeitszüge zu verschaffen.

Durch Forschung in verschiedenen Populationen ist es gelungen, das sogenannte Big-five-model oder auch die fünf Persönlichkeitsfaktoren zu ermitteln, die zur wesentlichen Beschreibung einer Persönlichkeit eine Rolle spielen:

  • Extraversion (von kontaktfreudig bis zurückhaltend)
  • Gewissenhaftigkeit (von gründlich bis nachlässig)
  • Offenheit (von kreativ bis phantasielos)
  • Verträglichkeit (von friedfertig bis streitsüchtig)
  • Neurotizismus oder emotionale Stabilität (von entspannt bis überemfindlich)

Ist die Persönlichkeit gestört, sind folgende Kriterien erfüllt:

  • eines der oben genannten Merkmale ist stark dominierend
  • durch diese Dominanz des Merkmals kommt es zur Störung des subjektiven Befindens, aber auch des sozialen Verhaltens und der beruflichen Situation
  • diese Störung weist eine Stabilität auf und
  • wirkt sich auf das tägliche Leben aus, so dass das nicht mehr im normalen Sinn geführt werden kann.

3 Epidemiologie

Die Angaben über die Prävalenz schwanken stark. Für Deutschland gilt eine durchschnittliche Prävalenz von 11%, in psychiatrische behandelten Gruppen ist die Prävalenz wesentlich höher und liegt bei 40-50 %.

4 Ätiologie und Pathogenese

Es existieren verschiedene Theorien zur Entstehung der Persönlichkeitsstörung.

4.1 Das Psychodynamische Modell

Persönlichkeitsstörungen entstehen durch Störungen der einzelnen Entwicklungsstufen. In der oralen Phase werden eher abhängige und passiv-aggressive Persönlichkeitsstörungen erworben. In der analen Phase hingegen zwanghafte und rigide Störungen. Störungen in der phallischen Phase führen zur Unfähigkeit zu intimen Bindungen.

4.2 Lerntheorie

Lerntheoretiker sehen die Persönlichkeitsstörungen als erlerntes Verhalten an. Hierbei spielen sowohl die operante Konditionierung als auch das Modell-Lernen eine Rolle.

4.3 Neurobiologische Ursachen

In Zeiten der verbesserten Untersuchungstechniken lassen sich natürlich auch neurobiologische Gesichtspunkte nicht bestreiten. Bei Kindern, die später Persönlichkeitsstörungen erleiden, zeigen sich schon im Kindesalter Zeichen einer "minimal brain dysfunction", das heißt leichte neurologische Auffälligkeiten, Allgemeinveränderungen im EEG, Verhaltensauffälligkeiten und morphologische Veränderungen im frontalen Kortex.

4.4 Genetische Ursachen

Auch bei den Persönlichkeitsstörungen spielt die genetische Disposition eine große Rolle. Dies trifft insbesondere für dissoziale Störungen und Borderline-Störungen zu.

5 Pflege

Bei der Pflege von Menschen mit Persönlichkeitsstörung muss situativ abgewogen werden, wie die Pflegeperson reagieren soll. Vor allem bei einer histrionischen Persönlichkeitsstörung ist oft nicht leicht zu entscheiden, ob man dem Patienten die von ihm geforderte Aufmerksamkeit schenken soll oder sein Anliegen ignoriert. Innerhalb des Teams sollten alle Äußerungen und Handlungen des Patienten offen kommuniziert werden, da es durch die manipulative Facette der Persönlichkeitsstörung leicht zu Spaltungen innerhalb des Teams kommen kann.

6 Einteilung

Die Persönlichkeitsstörungen werden je nach Merkmalsausprägung nach ICD-10 in verschiedene Typen eingeteilt:

Fachgebiete: Psychiatrie, Psychologie

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