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Automatisierter Externer Defibrillator

(Weitergeleitet von AED)

Synonyme: AED, automatischer externer Defibrillator, Defi, Frühdefibrillator, Laiendefibrillator
Englisch: automated external defibrillator

1 Definition

Ein automatisierter externer Defibrillator, kurz AED, ist ein medizinisches Gerät, welches den Herzrhythmus selbstständig analysiert und bei Bedarf einen Stromimpuls abgegeben kann. Der automatisierte externe Defibrillator wurde speziell für die Anwendung durch Laien konzipiert und unterstützt die Laienreanimation durch akustische und optische Signale sowie gesprochene Anweisungen.

2 Geräte

Die AED sind handliche Geräte, bei denen auf eine möglichst einfache Bedienung wert gelegt wird. Viele Defibirillatoren verfügen mittlerweile nur noch über einen Einschaltknopf (Vollautomaten, s.u.). Weiterhin sind bei jedem AED die Elektroden in Form von Klebeelektroden (auch: Pad’s Patches, Fast-Patches) vorhanden, eine Vorkonnektion (Elektroden in der Verpackung, Kabel ragt aus der Verpackung heraus und ist bereits mit dem AED verbunden) gilt mittlerweile als Standard. Die Aufklebepositionen der Elektroden sind meistens auf der Verpackung der Klebeelektroden und auf den Klebeelektroden selbst abgebildet. Zusätzlich werden manche AED mit einem Päckchen mit Hilfsmitteln ausgeliefert, z. B. Rasierer, Beatmungshilfe oder Handschuhe. Auf dem europäischen Markt sind mittlerweile etliche Hersteller mit eigenen AED vertreten.

3 Modi

AED können im vollautomatischen und im halbautomatischen Modus betrieben werden. Vollautomatisch bedeutet, dass der Defi beim Erkennen eines defibrillierbaren Rhythmus (Kammerflimmern, ventrikuläre Tachykardie >180/min1) selbstständig einen Schock auslöst. Hierzu wird der Anwender mehrfach per Sprachanweisung aufgefordert, den Patienten nicht mehr zu berühren, und anschließend (häufig nach einem Countdown oder weiteren akustischen Warnsignalen) der Schock ohne Aktion des Anwenders ausgeführt. Beim halbautomatischen Modus warnt der AED ebenfalls, den Patienten nicht mehr zu berühren, informiert aber dann, dass der Schock freigegeben ist und dass man eine (meist dann blinkende) Taste drücken soll, um den Schock abzugeben. Die Anhänger der Halbautomaten verweisen darauf, dass die vom ERC in den Leitlinien geforderte Präschockphase2, also die Zeit von der Analyse bis zur Schockauslösung nur so minimal gehalten werden kann, da alleine die Warnzeit, die vom ERC geforderten 5 Sekunden massiv überschreite. Anhänger der Vollautomaten argumentieren dagegen häufig, dass das subjektive Sicherheitsgefühl des Laienanwenders unterstützt wird, wenn er die Entscheidung nicht selber treffen müsse.

4 Anwendung bei Kindern

Die meisten AED sind erst für die Nutzung bei Kindern ab acht Jahren geeignet. Sollte die Fläche des Oberkörpers zur normalen Elektrodenpositionierung nicht ausreichen, können diese auch zentral auf den Thorax in a.-p. Position geklebt werden. Manche Geräte verfügen über besondere Kinderelektroden oder einen sogenannten „Kinderschlüssel“, bei deren Nutzung die Energieabgabe automatisch gedrosselt wird.

5 Rechtliche Rahmenbedingungen

AED sind aktive Medizinprodukte und unterliegen in Deutschland dem Medizinproduktegesetz und der Medizinproduktebetreiberverordnung. Vorgeschrieben wird für dementsprechende Produkte die regelmäßige Kontrolle, die Schulung der Anwender, das Führen eines Medizinproduktebuches und eine ärztliche Fachaufsicht. Die meisten Geräte auf dem Markt sind STK-Befreit, d.h. durch interne tägliche, wöchentliche und monatliche Funktionsanalysen muss der AED weder täglich auf Funktion geprüft noch regelmäßig von Medizintechnikern kontrolliert werden. Der AED zeigt meist in einem Display an, wenn die Funktion gestört ist oder z.B. die Batterie leer wird. Die im MPG verlangte regelmäßige Prüfung beschränkt sich also auf eine äußerliche Sichtprüfung des Gehäuses auf Defekte und die Beobachtung des Displays auf Fehlermeldungen.

Die Möglichkeit der Nutzung durch Laien leiten die meisten daraus her, dass die Rettung eines Menschenlebens juristisch grundsätzlich einen höheren Stellenwert hat als das MPG (§ 34 StGB). Weiterhin wird häufig der §1 (2) des MPG angeführt: "Diese Verordnung gilt nicht für Medizinprodukte, die weder gewerblichen noch wirtschaftlichen Zwecken dienen und in deren Gefahrenbereich keine Arbeitnehmer beschäftigt sind." Auch in den Kommentaren zum genannten Gesetz wird diese Problematik angesprochen.

6 Hinweiszeichen

Als Hinweis auf einen AED hat sich entsprechend zum internationalen Zeichen für Erste Hilfe (weißes Kreuz auf grünem Grund) auch ein internationales Zeichen für AED eingefunden. Außerdem sind vielfach auch örtlich bekannte Symbole als Hinweis auf einen AED-Standort angebracht. Für die Nutzung von AED durch Laienhelfer bietet sich zusätzlich eine Hintergrundtafel an, die den Laien kurz und möglichst einfach über die jetzt notwendigen Schritte informiert.

7 Ablauf

Der aktivierte AED geht immer von einer laufenden Reanimation aus. Um die kompressionsfreie Zeit so gering wie möglich zu halten, beginnen die meisten AED nach Aktivierung mit einer Sprachaufforderung, die Reanimation fortzusetzen. Darauf folgt dann die Aufforderung, die Elektroden auf dem Brustkorb zu platzieren. Sollte jemand die Elektroden bereits vor Aktivierung des Gerätes angebracht haben, wird dies vom Gerät sofort erkannt und die genannten Punkte werden übersprungen. Sobald das Gerät einen Widerstand zwischen den Elektroden (Patient) wahrnimmt, fordert es auf, den Patienten nicht zu berühren und startet eine Analyse. Anschließend wird je nach Rhythmus ein Schock freigegeben oder nicht bzw. ausgelöst (s. Modi). Nach Schockauslösung oder der Information, dass kein Schock nötig ist, fordert das Gerät zur Fortsetzung der Reanimation auf. Dieser Analyse-Zyklus wiederholt sich gemäß ERC-Leitlinien alle zwei Minuten. Einige AED unterstützen die Reanimation zwischen den Analysen durch einen Metronom, einen Taktgeber, der entweder ausschließlich den Rhythmus der Thoraxkompressionen oder sogar den Wechselrhythmus zwischen Kompression und Beatmung vorgibt.

Ein Erwachen des Patienten kann das Gerät nicht feststellen, man geht davon aus, dass der wache Patient sich selbstständig gegen an ihm durchgeführte Thoraxkompressionen zur Wehr setzt.

8 Public Access Defibrillation

PAD-Konzepte finden überall auf der Welt immer größeren Einzug. Mehrere Studien aus den Vereinigten Staaten haben gezeigt, dass PAD-Konzepte gemeinsam mit der Schulung semiprofessioneller Helfer (Security, Polizei,…) einen besonders hohen Erfolg an hochfrequentierten Plätzen haben. Aber auch vollständig auf Laienreanimation beruhende Projekte (z.B. das AED-Projekt in der Münchener U-Bahn, AWI Krefeld, defiköln) sind sinnvoll und verzeichnen Erfolge. Gerade im Bereich der PAD ist jedoch die kontinuierliche und niedrigschwellige Information und Schulung der Bevölkerung unverzichtbar. In den USA und z.B. in Japan sind PAD-Projekte mittlerweile alltäglich geworden.

9 Literatur

  • ERC Guidelines 2010
  • Martin Gruner: Frühdefibrillation. Stumpf + Kossendey Verlag, Edewecht 2006
  • ERC-Leitlinien zu Lebensrettenden Basismaßnahmen für Erw. und Verwendung von AED
  • MPG, MPBetrV (www.Gesetze-im-Internet.de)

10 Links

  • www.defiköln.de
  • www.awi-krefeld.de
  • www.defi-du.de
  • www.defi-neuss.de

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