Atypische Depression
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LoslegenEnglisch: atypical depression
Definition
Der Begriff atypische Depression beschreibt eine Depression mit ungewöhnlichen ("atypischen") Symptomen. Diese können im Rahmen einer unipolaren oder einer bipolaren Depression auftreten. So klagen betroffene Patienten zum Beispiel über ein erhöhtes Schlafbedürfnis (Hypersomnie) oder einen gesteigerten Appetit (Hyperphagie) statt über Schlaf- und Appetitlosigkeit.
- ICD-10 Code: F32.8: Sonstige depressive Episoden
Komorbiditäten
Ein gehäuftes gemeinsames Auftreten besteht mit folgenden Störungen:
Diagnose
Im DSM-5 wird die atypische Depression nicht als eigenständige Erkrankung, sondern als Zusatzkodierung („mit atypischen Merkmalen") einer depressiven oder bipolaren Störung klassifiziert. Erforderlich ist eine Stimmungsreagibilität, d.h. die Stimmung hellt sich als Reaktion auf positive Ereignisse auf.
Zusätzlich müssen mindestens zwei der folgenden Symptome vorliegen:
- Hyperphagie bzw. deutliche Gewichtszunahme
- Hypersomnie
- bleiernes Schweregefühl in Armen oder Beinen ("leaden paralysis")
- langanhaltende, gesteigerte Empfindlichkeit gegenüber Kritik und zwischenmenschlicher Zurückweisung
Therapie
Historisch galt die atypische Depression als schwer behandelbar. Studien der Columbia-Universität zeigten, dass irreversible MAO-Inhibitoren (v.a. Phenelzin) den trizyklischen Antidepressiva (TZA, z.B. Imipramin) überlegen sind.[1]
Nach heutigem Kenntnisstand sind SSRIs jedoch ebenfalls wirksam. In einer Metaanalyse zur atypischen Depression zeigte sich kein signifikanter Wirksamkeitsunterschied zwischen MAO-Hemmern und SSRI.[1] Aktuelle Netzwerk-Metaanalysen bestätigen für die Depression allgemein eine mit anderen Antidepressiva vergleichbare Wirksamkeit und Verträglichkeit der MAO-Hemmer. Spezifische Studien zur atypischen Depression fehlen jedoch weitgehend.[2] Aufgrund des günstigeren Nebenwirkungs- und Sicherheitsprofils gelten SSRIs in der Praxis als Mittel der ersten Wahl.
Irreversible MAO-Hemmer werden wegen ihrer Wechselwirkungen erst nachrangig eingesetzt.[3] Ihre Anwendung erfordert ein strenges Ernährungsregime, da bei gleichzeitiger Aufnahme tyraminhaltiger Lebensmittel lebensgefährliche Blutdruckkrisen auftreten können. Der reversible MAO-A-Hemmer Moclobemid ist eine besser verträgliche Alternative mit geringeren diätetischen Einschränkungen.
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 Henkel et al. Treatment of depression with atypical features: a meta-analytic approach. Psychiatry Res. 2006;141(1):89-101. Referenzfehler: Ungültiges
<ref>-Tag. Der Name „:0“ wurde mehrere Male mit einem unterschiedlichen Inhalt definiert. - ↑ Giménez-Palomo A, Chamdal AK, Gottlieb N, et al. Efficacy and tolerability of monoamine oxidase inhibitors for the treatment of depressive episodes in mood disorders: A systematic review and network meta-analysis. Acta Psychiatr Scand. 2024;150(6):500-515.
- ↑ Birkenhäger TK et al. Monoamine oxidase inhibitors: seriously underused in the treatment of major depression. Acta Psychiatr Scand. 2024.