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Zunge

Version vom 20. Januar 2008, 23:42 Uhr von 80.135.112.240 (Diskussion)

Synonyme: Lingua, Glossa
Englisch: tongue

1 Definition

Die Zunge ist ein längliches, von spezialisierter Schleimhaut überzogenes Muskelorgan, das zum oberen Verdauungstrakt zählt. Sie liegt auf dem Boden der Mundhöhle und füllt diese bei geschlossenen Kiefern fast ganz aus.

2 Anatomie

Die Zunge wird makroskopisch in folgende Abschnitte eingeteilt:

Der hinterste, dickste Teil der Zunge, die Zungenwurzel (Radix linguae), ist am Zungenbein (Os hyoideum) befestigt. Das Zungenbein ist im oberen Teil des Halses lokalisiert und durch Muskeln und Bänder mit dem Kehlkopf verbunden.

Der Zungenkörper wird optisch durch den Sulcus terminalis von der Zungenwurzel getrennt. Er besteht aus der Zungenmuskulatur, die sich in eine innere und äußere Muskelgruppe unteilen lässt. Die Muskelfasern sind in allen möglichen Richtungen angeordnet und ermöglichen dadurch die überaus große Beweglichkeit der Zunge sowie ihre Fähigkeit, ihre Gestalt auf vielfache Weise zu verändern. Zwischen den Muskelfaserbündeln verlaufen Nerven und Gefäße. In der Medianebene der Zunge ist eine Art senkrechte, bindegewebige Scheidewand aus Sehnenfasern vorhanden, das Septum linguae.

Die Oberseite der Zunge wird als Zungenrücken (Dorsum linguae) bezeichnet. Sie ist in sagittaler und transversaler Richtung leicht gewölbt, liegt fast ganz frei und zeigt hinten - an der Spitze des Sulcus terminalis - eine dreieckige Vertiefung, das Foramen caecum, in das sich mehrere Schleimdrüsen öffnen. In der Medianebene verläuft der Sulcus medianus, der die Zunge in eine rechte und linke Hälfte unterteilt.

Die untere Fläche der Zunge (Facies inferior linguae) ist mit ihrem mittleren Teil an den Boden der Mundhöhle angewachsen und vorn durch eine Falte der Mundschleimhaut, das Zungenbändchen (Frenulum linguae), so angeheftet, dass nur die Spitze und die Seitenränder frei sind. Erstreckt sich das Zungenbändchen zu weit nach vorn, wird dadurch unter Umständen die freie Beweglichkeit der Zunge beeinträchtigt.

3 Histologie

Die Zunge ist rundum von Mundschleimhaut bedeckt. Auf der Oberseite der Zunge findet sich ein mehrschichtiges, verhorntes Plattenepithel, auf der Unterseite ein unverhorntes Plattenepithel. Die Zungenoberseite weist beim Menschen 4 verschiedene Arten von Papillen auf:

Von diesen sind die Papillae vallatae oder circumvallatae, die Papillae foliatae und die Papillae fungiformes mit den eigentlichen Geschmacksorganen, den Geschmacksknospen ausgestattet. Sie werden deshalb auch als Papillae gustatoriae beizeichnet und dienen der Geschmackswahrnehmung. Sie tragen becherförmige Organe voll stabförmiger Nervenendzellen, die mit den Geschmacksnerven (Nervus glossopharyngeus) verbunden sind.

Die Zunge enthält zahlreiche kleine Speicheldrüsen, besonders in der Gegend der Zungenwurzel. Die gesamte Oberfläche der Zunge ist von einem Epithel überzogen. Durch Verhornung des Epithels im Bereich der Papillenspitzen bildet sich der weißliche Zungenbelag, der durch Speichel und Speisereste noch vergrößert wird, die sich in den zahlreichen Vertiefungen zwischen den Papillen einlagern und die Ansiedelung von Pilzen (z.B. Candida albicans) begünstigen.

4 Funktionen der Zunge

Die Zunge hat mehrere Funktionen:

  • Nahrungstransport: Die Zunge verteilt die Nahrung zwischen den Zahnreihen und leitet den Nahrungsbrei in den Rachen weiter.
  • Mechanische Zerkleinerung bzw. Durchmischung: Die kräftigen Walkbewegungen zerdrücken die Nahrung und vermischen sie mit dem Speichel, der zahlreiche Enzyme enthält.
  • Geschmackswahrnehmung: Die Geschmacksknospen liefern dem Gehirn Informationen über die Qualität der Nahrung.
  • Sprechfunktion: Artikulation von Zungenlauten beim Sprechen.
  • Mimische Funktion: Die Zunge wird in vielen Kulturen z.B. zum Ausdruck von Ärger oder Ekel, aber auch zur Begrüßung oder Ehrerbietung herausgestreckt.

5 Klinik

Die Zunge kann wie der Rest der Mundhöhle von zahlreichen Erkrankungen oder Fehlbildungen betroffen sein. Dazu gehören u.a.:

Diese Seite wurde zuletzt am 20. Januar 2008 um 23:44 Uhr bearbeitet.

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