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Vorhofflimmern (Pferd): Unterschied zwischen den Versionen

 
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Das Vorhofflimmern ist die häufigste [[Atrium|atriale]] [[Arrhythmie]] beim Pferd und kommt vor allem bei adulten, großen Tieren (z.B. [[Warmblut (Pferd)|Warmblütern]]) vor.
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Das Vorhofflimmern ist die häufigste [[Atrium|atriale]] [[Arrhythmie]] beim Pferd und kommt vor allem bei adulten, großen Tieren (z.B. [[Warmblut (Pferd)|Warmblütern]]) vor.
  
 
==Pathophysiologie==
 
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Die Erkrankung besteht häufig ohne eine zugrundeliegende [[Herzerkrankung (Pferd)|Herzerkrankung]], weshalb der Auslöser meist als [[idiopathisch]] bezeichnet wird. Begünstigende Faktoren sind:
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Vorhofflimmern entsteht häufig [[idiopathisch]], d.h. ohne zugrundeliegende [[Herzerkrankung (Pferd)|Herzerkrankung]]. Begünstigende Faktoren sind:
* der [[physiologisch]] große Vorhof des Pferdes
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* der [[physiologisch]]erweise große Vorhof des Pferdes,
* der hohe [[Vagotonus]]
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* der hohe [[Vagotonus]],
* altersbedingte Veränderungen am [[Herz (Veterinärmedizin)|Herzen]]
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* altersbedingte Veränderungen am [[Herz (Veterinärmedizin)|Herzen]],
* andere zugrundeliegende Herzerkrankungen.
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* andere Herzerkrankungen.
  
Unabhängig von der zugrundeliegenden Ursache kommt es zur abnormen elektrischen Aktivität der Atrien, was wiederum zu kreisenden Erregungen führt. Die Vorhöfe (Atrien) flimmern in diastolischer Stellung, wodurch die aktive [[Diastole|spätdiastolische]] [[Ventrikel|Ventrikelfüllung]] fehlt und der [[Frank-Starling-Mechanismus]] abnimmt.
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[[Pathophysiologisch]] basiert das Vorhofflimmern auf einer abnormen elektrischen Aktivität der Vorhöfe, die zu kreisenden Erregungen führt. Normalerweise tragen die Vorhöfe mit ihrer [[Diastole|spätdiastolischen]] [[Kontraktion]] zur Ventrikelfüllung bei. Im Falle von Vorhofflimmern ist die Vorhofkontraktion jedoch ineffektiv, sodass aufgrund des [[Frank-Starling-Mechanismus]] auch die Kontraktionskraft der [[Ventrikel]] abnimmt.
  
 
==Klinik==
 
==Klinik==
In Ruhe zeigen die Pferde meist keine [[Symptom]]e. Erst bei Belastung kommt es zu [[klinisch]]en Anzeichen wie [[Tachypnoe]] und [[Dyspnoe]]. Die [[respiratorisch]]en Probleme sind darauf zurückzuführen, dass der Vorhof die Kammer nicht optimal mit [[Blut]] füllen kann. Zusätzlich kommt es bei den meisten Pferden zu einem drastischen Leistungsabfall, was vor allem bei Rennpferden, Polo-Ponies u.ä. beobachtet werden kann.
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In Ruhe zeigen die Pferde meist keine [[Symptom]]e. Erst bei Belastung macht sich die geringere Ventrikelfüllung in Form von [[Tachypnoe]] und [[Dyspnoe]] bemerkbar. Zusätzlich kommt es bei den meisten Pferden zu einem drastischen Leistungsabfall, was vor allem bei Rennpferden, Polo-Ponies u.ä. beobachtet werden kann.
  
 
==Diagnostik==
 
==Diagnostik==
Die [[Diagnostik]] stützt sich auf mehrere Pfeiler, wobei die [[Allgemeiner Untersuchungsgang (Pferd)|klinische Untersuchung]] ein Hauptbestandteil dieser ist. Bei der Untersuchung kann meist ein unregelmäßiger [[Puls]] [[Palpation|ertastet]] werden. Im Zuge der [[Auskultation|Herzauskultation]] fällt eine absolute Arrhythmie und das Fehlen des vierten [[Herzton]]s auf. Die [[Herzfrequenz]] ist meist normal oder leicht erniedrig (< 28 Schläge pro Minute). Anschließend sollte ein [[EKG]] angefertigt werden, wobei hier keine eindeutig indentifizierbare [[P-Welle]] zu erkennen ist. Außerdem zeigen sich unterschiedliche [[R-Zacke|R-R-Intervalle]].
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Die [[Diagnostik]] stützt sich auf mehrere Pfeiler, wobei die [[Allgemeiner Untersuchungsgang (Pferd)|klinische Untersuchung]] ein essentieller Bestandteil ist. Dabei kann meist ein unregelmäßiger [[Puls]] [[Palpation|ertastet]] werden. Im Zuge der [[Auskultation|Herzauskultation]] fällt eine [[absolute Arrhythmie]] und das Fehlen des vierten [[Herzton]]s auf. Die [[Herzfrequenz]] ist meist normal oder leicht erniedrigt (< 28 Schläge pro Minute). Anschließend sollte ein [[EKG]] angefertigt werden, wobei hier keine eindeutig identifizierbare [[P-Welle]] zu erkennen ist. Außerdem zeigen sich unterschiedliche [[R-Zacke|R-R-Intervalle]].
  
Es sollt auch immer eine [[Echokardiographie]] durchgeführt werden, um mögliche begleitende Herzerkrankungen (z.B. [[Mitralklappeninsuffizienz (Pferd)|Mitralklappeninsuffizienz]]) ausschließen zu können (wichtig für die [[Prognose]] und [[Therapie]]). Zusätzlich empfiehlt es sich die [[Elektrolyte]] mittels einer [[Blutchemie|blutchemischen]] Untersuchung zu überprüfen, um Imbalancen feststellen zu können.
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Es sollt auch immer eine [[Echokardiographie]] durchgeführt werden, um mögliche begleitende Herzerkrankungen (z.B. [[Mitralklappeninsuffizienz (Pferd)|Mitralklappeninsuffizienz]]) auszuschließen (wichtig für die [[Prognose]] und [[Therapie]]). Zusätzlich empfiehlt sich die Kontrolle der [[Elektrolyte]] mittels einer [[Blutchemie|blutchemischen]] Untersuchung.
  
 
==Therapie==
 
==Therapie==
 
Je nach Klinik und Verwendungszweck des Tiers kann zwischen zwei [[Therapie]]formen gewählt werden. Neben einer [[medikamentös]]en Behandlung mit [[Chinidin]] kann die Erkrankung auch mithilfe einer [[Transvenöse elektrische Kardioversion (Pferd)|transvenösen elektrischen Kardioversion]] (TVEC) therapiert werden.
 
Je nach Klinik und Verwendungszweck des Tiers kann zwischen zwei [[Therapie]]formen gewählt werden. Neben einer [[medikamentös]]en Behandlung mit [[Chinidin]] kann die Erkrankung auch mithilfe einer [[Transvenöse elektrische Kardioversion (Pferd)|transvenösen elektrischen Kardioversion]] (TVEC) therapiert werden.
  
Chinidin ist ein [[Antiarrhythmikum]] der Klasse 1A. Es ist negativ [[inotrop]] aber positiv [[chronotrop]] und wirkt gleichzeitig [[membran]]stabilsierend. Es kommt zu einer Blockade des [[Natrium|Na<sup>+</sup>]]-Einstroms und so zur Hemmung des [[Kalium|K<sup>+</sup>]]-Ausstroms, wodurch die [[Depolarisation]] und [[Repolarisation]] verzögert werden. Dadurch kommt es zur Verlangsamung der Überleitung im [[AV-Knoten]] und zur Verminderung der Depolarisationsrate. Chinidin hat jedoch eine sehr enge [[therapeutische Breite]], sodass es bei [[Intoxikationen]] zu Symptomen wie [[Anorexie]], [[Kolik (Pferd)|Kolik]], [[Tachykardie]] u.ä. kommen kann.
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===Chinidin===
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Chinidin ist ein [[Antiarrhythmikum]] der Klasse Ia nach [[Antiarrhythmikum#Einteilung|Vaughan Williams]]. Es blockiert den [[Natrium]]einstrom und bewirkt eine [[Membranstabilisierung]]. Außerdem hat es negativ [[inotrop]]e, [[chronotrop]]e und [[lusitrop]]e Effekte. Chinidin hat jedoch eine sehr enge [[therapeutische Breite]], sodass es bei [[Intoxikationen]] zu Symptomen wie [[Anorexie]], [[Kolik (Pferd)|Kolik]], [[Tachykardie]] u.ä. kommen kann. Außerdem kann es die [[AV-Knoten|AV-Überleitung]] beschleunigen (positiv [[dromotrop]]), sodass die Flimmerwellen potenziell ein [[Kammerflimmern]] auslösen.
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===Transvenöse elektrische Kardioversion===
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Bei der transvenösen elektrischen Kardioversion werden spezielle [[Katheter]] mit [[Elektrode]]n in das Herz eingeführt, um lokal Stromstöße zu verabreichen. Die richtige Position des Katheters wird mittels Druckmessungen, [[Ultraschall]] und [[Röntgen]]bildern überprüft.  
  
Bei der transvenösen elektrischen Kardioversion werden spezielle [[Katheter]] mit [[Elektrode]]n in das Herz eingeführt, um direkt am Herzen Stromstöße zu verabreichen. Die richtige Position der Katheter wird mittels Druckmessungen, [[Ultraschall]] und [[Röntgen]]bildern überprüft. Nach dem Eingriff kann in der Regel das Training nach einer Ruhepause von etwa vier Wochen wieder aufgenommen werden. Die Erfolgsquote ist im Gegensatz zur Behandlung mit Chinidin etwas höher und die Gefahr von Nebenwirkungen etwas geringen.<ref>Veterinärmedizinische Universität Wien. [https://www.vetmeduni.ac.at/de/infoservice/presseinformationen/presseinformationen-2018/elektro-kardioversion/ Diagnose Vorhofflimmern beim Pferd – neue Therapiemethode an der Vetmeduni Vienna, wenn der Herzrhythmus verrücktspielt] Infoservice (aufgerufen am 27.02.2020) </ref>
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Postinterventionell kann nach einer Ruhepause von ca. 4 Wochen das Training wieder aufgenommen werden. Die Erfolgsquote ist im Gegensatz zur Behandlung mit Chinidin etwas höher und die Gefahr von Nebenwirkungen etwas geringer.<ref>Veterinärmedizinische Universität Wien. [https://www.vetmeduni.ac.at/de/infoservice/presseinformationen/presseinformationen-2018/elektro-kardioversion/ Diagnose Vorhofflimmern beim Pferd – neue Therapiemethode an der Vetmeduni Vienna, wenn der Herzrhythmus verrücktspielt] Infoservice, abgerufen am 27.02.2020 </ref>
  
 
==Literatur==
 
==Literatur==
* VO-Unterlagen, Fröhlich, Wolfgang. 7.Semester Vorlesung.  Cardiologie beim Pferd. Diagnose, Therapie und begleitende Maßnahmen.  
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* VO-Unterlagen, Fröhlich, Wolfgang. 7.Semester Vorlesung.  Cardiologie beim Pferd. Diagnose, Therapie und begleitende Maßnahmen.
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* [https://www.vetmeduni.ac.at/fileadmin/v/z/presseinformation/2018/Applizierung_Schock.mp4 Honorarfreies Beispielvideo Kardioversion an der Veterinärmedizinischen Universität Wien]
  
 
==Quellen==
 
==Quellen==

Aktuelle Version vom 11. November 2020, 18:28 Uhr

Englisch: atrial fibrillation

1 Definition

Als Vorhofflimmern bezeichnet man eine der häufigsten Herzrhythmusstörungen beim Pferd.

2 Vorkommen

Das Vorhofflimmern ist die häufigste atriale Arrhythmie beim Pferd und kommt vor allem bei adulten, großen Tieren (z.B. Warmblütern) vor.

3 Pathophysiologie

Vorhofflimmern entsteht häufig idiopathisch, d.h. ohne zugrundeliegende Herzerkrankung. Begünstigende Faktoren sind:

Pathophysiologisch basiert das Vorhofflimmern auf einer abnormen elektrischen Aktivität der Vorhöfe, die zu kreisenden Erregungen führt. Normalerweise tragen die Vorhöfe mit ihrer spätdiastolischen Kontraktion zur Ventrikelfüllung bei. Im Falle von Vorhofflimmern ist die Vorhofkontraktion jedoch ineffektiv, sodass aufgrund des Frank-Starling-Mechanismus auch die Kontraktionskraft der Ventrikel abnimmt.

4 Klinik

In Ruhe zeigen die Pferde meist keine Symptome. Erst bei Belastung macht sich die geringere Ventrikelfüllung in Form von Tachypnoe und Dyspnoe bemerkbar. Zusätzlich kommt es bei den meisten Pferden zu einem drastischen Leistungsabfall, was vor allem bei Rennpferden, Polo-Ponies u.ä. beobachtet werden kann.

5 Diagnostik

Die Diagnostik stützt sich auf mehrere Pfeiler, wobei die klinische Untersuchung ein essentieller Bestandteil ist. Dabei kann meist ein unregelmäßiger Puls ertastet werden. Im Zuge der Herzauskultation fällt eine absolute Arrhythmie und das Fehlen des vierten Herztons auf. Die Herzfrequenz ist meist normal oder leicht erniedrigt (< 28 Schläge pro Minute). Anschließend sollte ein EKG angefertigt werden, wobei hier keine eindeutig identifizierbare P-Welle zu erkennen ist. Außerdem zeigen sich unterschiedliche R-R-Intervalle.

Es sollt auch immer eine Echokardiographie durchgeführt werden, um mögliche begleitende Herzerkrankungen (z.B. Mitralklappeninsuffizienz) auszuschließen (wichtig für die Prognose und Therapie). Zusätzlich empfiehlt sich die Kontrolle der Elektrolyte mittels einer blutchemischen Untersuchung.

6 Therapie

Je nach Klinik und Verwendungszweck des Tiers kann zwischen zwei Therapieformen gewählt werden. Neben einer medikamentösen Behandlung mit Chinidin kann die Erkrankung auch mithilfe einer transvenösen elektrischen Kardioversion (TVEC) therapiert werden.

6.1 Chinidin

Chinidin ist ein Antiarrhythmikum der Klasse Ia nach Vaughan Williams. Es blockiert den Natriumeinstrom und bewirkt eine Membranstabilisierung. Außerdem hat es negativ inotrope, chronotrope und lusitrope Effekte. Chinidin hat jedoch eine sehr enge therapeutische Breite, sodass es bei Intoxikationen zu Symptomen wie Anorexie, Kolik, Tachykardie u.ä. kommen kann. Außerdem kann es die AV-Überleitung beschleunigen (positiv dromotrop), sodass die Flimmerwellen potenziell ein Kammerflimmern auslösen.

6.2 Transvenöse elektrische Kardioversion

Bei der transvenösen elektrischen Kardioversion werden spezielle Katheter mit Elektroden in das Herz eingeführt, um lokal Stromstöße zu verabreichen. Die richtige Position des Katheters wird mittels Druckmessungen, Ultraschall und Röntgenbildern überprüft.

Postinterventionell kann nach einer Ruhepause von ca. 4 Wochen das Training wieder aufgenommen werden. Die Erfolgsquote ist im Gegensatz zur Behandlung mit Chinidin etwas höher und die Gefahr von Nebenwirkungen etwas geringer.[1]

7 Literatur

8 Quellen

  1. Veterinärmedizinische Universität Wien. Diagnose Vorhofflimmern beim Pferd – neue Therapiemethode an der Vetmeduni Vienna, wenn der Herzrhythmus verrücktspielt Infoservice, abgerufen am 27.02.2020

Diese Seite wurde zuletzt am 28. Februar 2020 um 16:54 Uhr bearbeitet.

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