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Von-Hippel-Lindau-Czermak-Syndrom: Unterschied zwischen den Versionen

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''nach Eugen von Hippel (1867 bis 1939), deutscher Augenarzt; Arvid V. Lindau (1892 bis 1958) schwedischer Augenarzt; Wilhelm Czermak (1856 bis 1906), österreichischer Augenarzt''<br>
 
''nach Eugen von Hippel (1867 bis 1939), deutscher Augenarzt; Arvid V. Lindau (1892 bis 1958) schwedischer Augenarzt; Wilhelm Czermak (1856 bis 1906), österreichischer Augenarzt''<br>
''Synonyme: Von-Hippel-Lindau-Syndrom, Morbus Hippel-Lindau, VHL, enzephaloretinale Angiomatose, Angiomatosis cerebelli et retinae, Netzhautangiomatose''<br>
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''Synonyme: Von-Hippel-Lindau-Syndrom, Morbus Hippel-Lindau, VHL, enzephaloretinale Angiomatose, Angiomatosis cerebelli et retinae, Netzhautangiomatose, familiäre retinozerebelläre Angiomatose''<br>
 
'''''Englisch''': von Hippel-Lindau syndrome, cerebroretinal angiomatosis''<br>
 
'''''Englisch''': von Hippel-Lindau syndrome, cerebroretinal angiomatosis''<br>
  
 
==Definition==
 
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Das '''Von-Hippel-Lindau-Czermak-Syndrom''' ist ein [[neurokutanes Syndrom]], das [[autosomal-dominant]] vererbt wird und mit Gefäßmissbildung im Bereich von [[Auge]] und [[ZNS]] einhergeht. Es handelt sich um eine seltene erbliche Tumorerkrankung, die ganz unterschiedliche Organe befallen kann.   
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Das '''Von-Hippel-Lindau-Czermak-Syndrom''', kurz '''VHL''', ist ein [[neurokutanes Syndrom]], das [[autosomal-dominant]] vererbt wird und mit Gefäßmissbildung im Bereich von [[Auge]] und [[ZNS]] einhergeht. Es handelt sich um eine seltene erbliche [[Tumor]]erkrankung, die ganz unterschiedliche Organe befallen kann.   
  
 
Das Von-Hippel-Lindau-Czermak-Syndrom gehört zum Formenkreis der [[Phakomatose]]n.
 
Das Von-Hippel-Lindau-Czermak-Syndrom gehört zum Formenkreis der [[Phakomatose]]n.
  
 
==Geschichte==
 
==Geschichte==
Der aus Göttingen stammende [[Augenarzt]] [[Eugen von Hippel]] beschrieb als erster im Jahr 1904 die typischen Angiome der Netzhaut des [[Mensch|menschlichen]] Auges. Der schwedische [[Pathologie|Pathologe]] [[Arvid Lindau]] entdeckte 22 Jahre später (1926) Angiome im [[Nervengewebe]] des Rückenmarks. Das [[Syndrom]] ist nach den beiden [[Medizin]]ern benannt.  
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Der aus Göttingen stammende [[Augenarzt]] [[Eugen von Hippel]] beschrieb als erster im Jahr 1904 die typischen Angiome der Netzhaut des menschlichen Auges. Der schwedische [[Pathologie|Pathologe]] [[Arvid Lindau]] entdeckte 22 Jahre später (1926) Angiome im [[Nervengewebe]] des [[Rückenmark]]s. Das [[Syndrom]] ist nach den beiden [[Medizin]]ern benannt.
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Das VHL-Syndrom hat eine geschätzte [[Prävalenz]] von 0,5-2/100.000. Der Manifestationsgipfel liegt um das 30. Lebensjahr. Frauen und Männer sind in etwa gleich häufig betroffen.
  
 
==Ätiologie==
 
==Ätiologie==
Die Erkrankung wird [[autosomal-dominant]] vererbt. Die Schwere der Erkrankung und die betroffenen Organe können innerhalb einer Familie sehr unterschiedlich sein. Mit rund 50 % ist die Rate an [[Spontanmutation]]en auffallend hoch. Ursächlich für das Erscheinungsbild des Morbus Hippel-Lindau ist eine Reihe von [[Mutation]]en im Bereich der p25/26-Bande auf [[Chromosom 3]]. Das dort befindliche [[HL-Gen]] besitzt eine entscheidende Bedeutung für die [[Angiogenese]] und den [[Zellzyklus]] im Allgemeinen. Die Mutation führt zu einer Fehlregulation bei der Neubildung von [[Blutgefäß]]en.  
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Die Erkrankung wird autosomal-dominant vererbt. Die Schwere der Erkrankung und die betroffenen Organe können innerhalb einer Familie sehr unterschiedlich sein. Mit rund 50 % ist die Rate an [[Spontanmutation]]en auffallend hoch. Ursächlich für das Erscheinungsbild des Morbus Hippel-Lindau ist eine Reihe von [[Mutation]]en im Bereich der p25/26-Bande auf [[Chromosom 3]] ([[Genlokus]] 3p25.2). Das dort befindliche [[HL-Gen]] besitzt eine entscheidende Bedeutung für die [[Angiogenese]] und den [[Zellzyklus]] im Allgemeinen. Die Mutation führt zu einer Fehlregulation bei der Neubildung von [[Blutgefäß]]en.  
  
Das HL-Gen besteht aus genau drei [[Exon]]s. Mit diesen codiert es für ein [[nukleär]]es [[Protein]]. Dieses [[Polypeptid]] verbindet sich unter [[Physiologie|physiologischen]] Bedingungen mit Proteinen der [[Elongin]]-Gruppe. Forscher sind sich mittlerweile sicher, dass beim Morbus Hippel-Lindau nicht nur eine Mutation vorliegt. Vielmehr sollen zahlreiche Mutationen gleichmäßig verteilt über das ganze HL-Gen zu finden sein. 75 % der Betroffenen weisen eine [[Keimbahnmutation]] auf. 35 % aller Mutationen wiederum sind [[Missense-Mutation]]en.
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Das HL-Gen besteht aus genau drei [[Exon]]s. Mit diesen codiert es für ein [[nukleär]]es [[Protein]]. Dieses [[Polypeptid]] wird vor allem im [[Gehirn]] und in der [[Niere]] exprimiert und verbindet sich unter [[Physiologie|physiologischen]] Bedingungen mit Proteinen der [[Elongin]]-Gruppe. Häufig sind dabei zahlreiche Mutationen gleichmäßig verteilt über das ganze HL-Gen zu finden. 75 % der Betroffenen weisen eine [[Keimbahnmutation]] auf. 35 % aller Mutationen wiederum sind [[Missense-Mutation]]en.  
  
Abhängig von der jeweiligen [[Mutation]] kann ein VHL Typ 1 oder ein VHL Typ 2 unterschieden werden, der entsprechend mit einem hohen oder niedrigen Risiko für ein [[Phäochromozytom]] einhergeht. 
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===Einteilung===
Bei einem VHL Typ 1 liegt eine [[Nonsense-Mutation]] oder [[Deletion]] vor, die zu einem verminderten Risiko für das Phächromozytom führt, während die bei beim VHL Typ 2 vorliegende [[Missense-Mutation]] zu einem erhöhten Risiko führt.
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Abhängig von der jeweiligen Mutation unterscheidet man zwischen:
 
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* VHL Typ 1: in 50 % d.F. [[Mikrodeletion]]en und [[Nonsense-Mutation]]. Die Patienten weisen kein [[Phäochromozytom]] auf.
==Epidemiologie==
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* VHL Typ 2: fast immer Missense-Mutation, die u.a. zu einem Phäochromozytom führen.
Die Erkrankung hat eine geschätzte [[Prävalenz]] von 0,5-2/100.000. Der Manifestationsgipfel liegt um das 30. Lebensjahr. Frauen und Männer sind in etwa gleich häufig betroffen.
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==Klinik==
 
==Klinik==
Beim Von-Hippel-Lindau-Czermak-Syndrom treten zahlreiche [[Angiom]]e in der [[Retina]] auf, aber auch in Teilen des [[ZNS]], beispielsweise im [[Cerebellum]], im [[Hirnstamm]] oder im [[Rückenmark]]. Im [[Großhirn]] finden sich nur extrem selten Tumore des Morbus Hippel-Lindau. Daneben lassen sich bei vielen [[Patient]]en mit Von-Hippel-Lindau-Czermak-Syndrom Missbildungen innerer [[Organ]]e nachweisen, z.B. [[Zyste]]n in [[Leber]], [[Niere]]n oder [[Pankreas]], sowie Tumoren der Niere ([[Hypernephrom]]), der [[Nebenniere]]n ([[Phäochromozytom]]) oder der Leber ([[Kavernom]]e).  
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Beim Von-Hippel-Lindau-Czermak-Syndrom treten zahlreiche [[Angiom]]e in der [[Retina]] auf, aber auch in Teilen des ZNS, beispielsweise im [[Cerebellum]], im [[Hirnstamm]] oder im Rückenmark. Im [[Großhirn]] finden sich nur extrem selten Tumore des Morbus Hippel-Lindau.
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Daneben lassen sich bei vielen [[Patient]]en mit Von-Hippel-Lindau-Czermak-Syndrom Missbildungen innerer [[Organ]]e nachweisen, z.B. [[Zyste]]n in [[Leber]], Nieren oder [[Pankreas]], sowie Tumoren der Niere ([[Hypernephrom]]), der [[Nebenniere]]n ([[Phäochromozytom]]) oder der Leber ([[Kavernom]]e).  
  
 
Selten können auch das [[Innenohr]] oder die [[Fortpflanzungsorgan]]e (beim Mann der [[Nebenhoden]]) betroffen sein.
 
Selten können auch das [[Innenohr]] oder die [[Fortpflanzungsorgan]]e (beim Mann der [[Nebenhoden]]) betroffen sein.
  
Die Symptome des Von-Hippel-Lindau-Czermak-Syndroms können bei den betroffenen [[Patient]]en sehr unterschiedlich ausgeprägt sein und hängen primär von der Größe und [[Lokalisation]] der [[Tumor]]en ab. Zu den häufigsten Symptomen zählen:
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Die Symptome des Von-Hippel-Lindau-Czermak-Syndroms können bei den betroffenen [[Patient]]en sehr unterschiedlich ausgeprägt sein und hängen primär von der Größe und [[Lokalisation]] der Tumoren ab. Zu den häufigsten Symptomen zählen:
 
* Allgemeinssymptome
 
* Allgemeinssymptome
 
** [[Kopfschmerz]]en
 
** [[Kopfschmerz]]en
 
** [[Abgeschlagenheit]]
 
** [[Abgeschlagenheit]]
 
** [[Bluthochdruck]]
 
** [[Bluthochdruck]]
* Neurologische Symptome
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* [[Neurologisch]]e Symptome
 
** [[Visusstörung]]en (häufig Initialsymptom)
 
** [[Visusstörung]]en (häufig Initialsymptom)
 
** [[Hirndruckzeichen]]
 
** [[Hirndruckzeichen]]
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==Pathologie==
 
==Pathologie==
Wie der Name "Angiom" schon verrät, bestehen die [[Neoplasie]]n hauptsächlich aus [[Gefäß]]knäulen, die sich aus Verformungen des [[Bindegewebe]]s bilden. Obwohl ein Angiom zunächst einmal eine gutartige Raumforderung darstellt, können die Tumore beim Morbus Hippel-Lindau auch [[maligne]] entarten.
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Die Angiome beim VHL-Syndrom sind i.d.R. kapilläre Hämangiome und Hämangioblastome:
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* kapilläre Hämangiome zählen zu den Hamartomen (gutartige [[Raumforderung]]en aus [[Gefäß]]knäulen, die sich aus dem Vorläufer des [[Bindegewebe]]s entwickeln.
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* Hämangioblastome im ZNS sind echte Neoplasien aus gewucherten Kapillarsprossen.
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Beim VHL-Syndrom können jedoch auch [[maligne]] Tumore auftreten.
  
 
==Diagnostik==
 
==Diagnostik==
Die [[Diagnose]] wird meist klinisch gestellt. Das Vorhandensein von multiplen Hämangiomen in der Netzhaut spricht eindeutig für ein von-Hippel-Lindau-Czermak-Syndrom. Hinzu kommen Tumore der Nebenniere und der Nieren und eine eindeutige [[Familienanamnese]]. Eine [[MRT]]-Aufnahme kann das gesamte Ausmaß der Erkrankung sichtbar machen.  
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Die [[Diagnose]] wird meist klinisch gestellt. Das Vorhandensein von multiplen Hämangiomen in der Netzhaut spricht eindeutig für ein von-Hippel-Lindau-Czermak-Syndrom. Hinzu kommen Tumore der Nebenniere und der Nieren und eine eindeutige [[Familienanamnese]]. Eine [[Magnetresonanztomographie|MRT]]-Aufnahme kann das gesamte Ausmaß der Erkrankung sichtbar machen.  
  
 
===Gendiagnostik===
 
===Gendiagnostik===
Durch eine [[Gendiagnostik|genetische Untersuchung]] kann festgestellt werden, ob eine Anlageträgerschaft vorliegt. Ist dies der Fall, kann durch ein Vorsorgeprogramm die Erkrankung kontrolliert werden. Liegt eine Anlageträgerschaft nicht vor, sind weitere Untersuchungen unnötig. Der genetischen Untersuchung sollte eine genetische Beratung vorausgehen.
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Durch eine [[Gendiagnostik|genetische Untersuchung]] kann festgestellt werden, ob eine Anlageträgerschaft vorliegt. Ist dies der Fall, kann durch ein Vorsorgeprogramm die Erkrankung kontrolliert werden. Liegt eine Anlageträgerschaft nicht vor, sind weitere Untersuchungen unnötig. Der genetischen Untersuchung sollte eine [[humangenetische Beratung|genetische Beratung]] vorausgehen.
 
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=== Genetik ===
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Für die [[Pathogenese]] entscheidend ist das [[Von-Hippel-Lindau-Tumorsuppressorgen]], das auf [[Chromosom]] 3p25.5 liegt. Das [[Genprodukt]] wird vor allem im [[Gehirn]] und in der [[Niere]] exprimiert.
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==Therapie==
 
==Therapie==
Eine Kausaltherapie ist zur Zeit (2013) nicht verfügbar. Lösen die Tumoren klinische Symptome aus, wird eine operative Entfernung versucht. Die Entfernung der Netzhauttumore erfolgt mittels [[Laser]].
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Eine [[Kausaltherapie]] ist zur Zeit (2020) nicht verfügbar. Lösen die Tumoren klinische Symptome aus, wird eine [[operativ]]e Entfernung versucht. Die Entfernung der Netzhauttumore erfolgt z.B. mittels [[Lasertherapie]].
  
 
==Kontrolluntersuchungen==
 
==Kontrolluntersuchungen==

Aktuelle Version vom 24. Januar 2020, 17:39 Uhr

nach Eugen von Hippel (1867 bis 1939), deutscher Augenarzt; Arvid V. Lindau (1892 bis 1958) schwedischer Augenarzt; Wilhelm Czermak (1856 bis 1906), österreichischer Augenarzt
Synonyme: Von-Hippel-Lindau-Syndrom, Morbus Hippel-Lindau, VHL, enzephaloretinale Angiomatose, Angiomatosis cerebelli et retinae, Netzhautangiomatose, familiäre retinozerebelläre Angiomatose
Englisch: von Hippel-Lindau syndrome, cerebroretinal angiomatosis

1 Definition

Das Von-Hippel-Lindau-Czermak-Syndrom, kurz VHL, ist ein neurokutanes Syndrom, das autosomal-dominant vererbt wird und mit Gefäßmissbildung im Bereich von Auge und ZNS einhergeht. Es handelt sich um eine seltene erbliche Tumorerkrankung, die ganz unterschiedliche Organe befallen kann.

Das Von-Hippel-Lindau-Czermak-Syndrom gehört zum Formenkreis der Phakomatosen.

2 Geschichte

Der aus Göttingen stammende Augenarzt Eugen von Hippel beschrieb als erster im Jahr 1904 die typischen Angiome der Netzhaut des menschlichen Auges. Der schwedische Pathologe Arvid Lindau entdeckte 22 Jahre später (1926) Angiome im Nervengewebe des Rückenmarks. Das Syndrom ist nach den beiden Medizinern benannt.

3 Epidemiologie

Das VHL-Syndrom hat eine geschätzte Prävalenz von 0,5-2/100.000. Der Manifestationsgipfel liegt um das 30. Lebensjahr. Frauen und Männer sind in etwa gleich häufig betroffen.

4 Ätiologie

Die Erkrankung wird autosomal-dominant vererbt. Die Schwere der Erkrankung und die betroffenen Organe können innerhalb einer Familie sehr unterschiedlich sein. Mit rund 50 % ist die Rate an Spontanmutationen auffallend hoch. Ursächlich für das Erscheinungsbild des Morbus Hippel-Lindau ist eine Reihe von Mutationen im Bereich der p25/26-Bande auf Chromosom 3 (Genlokus 3p25.2). Das dort befindliche HL-Gen besitzt eine entscheidende Bedeutung für die Angiogenese und den Zellzyklus im Allgemeinen. Die Mutation führt zu einer Fehlregulation bei der Neubildung von Blutgefäßen.

Das HL-Gen besteht aus genau drei Exons. Mit diesen codiert es für ein nukleäres Protein. Dieses Polypeptid wird vor allem im Gehirn und in der Niere exprimiert und verbindet sich unter physiologischen Bedingungen mit Proteinen der Elongin-Gruppe. Häufig sind dabei zahlreiche Mutationen gleichmäßig verteilt über das ganze HL-Gen zu finden. 75 % der Betroffenen weisen eine Keimbahnmutation auf. 35 % aller Mutationen wiederum sind Missense-Mutationen.

4.1 Einteilung

Abhängig von der jeweiligen Mutation unterscheidet man zwischen:

5 Klinik

Beim Von-Hippel-Lindau-Czermak-Syndrom treten zahlreiche Angiome in der Retina auf, aber auch in Teilen des ZNS, beispielsweise im Cerebellum, im Hirnstamm oder im Rückenmark. Im Großhirn finden sich nur extrem selten Tumore des Morbus Hippel-Lindau.

Daneben lassen sich bei vielen Patienten mit Von-Hippel-Lindau-Czermak-Syndrom Missbildungen innerer Organe nachweisen, z.B. Zysten in Leber, Nieren oder Pankreas, sowie Tumoren der Niere (Hypernephrom), der Nebennieren (Phäochromozytom) oder der Leber (Kavernome).

Selten können auch das Innenohr oder die Fortpflanzungsorgane (beim Mann der Nebenhoden) betroffen sein.

Die Symptome des Von-Hippel-Lindau-Czermak-Syndroms können bei den betroffenen Patienten sehr unterschiedlich ausgeprägt sein und hängen primär von der Größe und Lokalisation der Tumoren ab. Zu den häufigsten Symptomen zählen:

6 Pathologie

Die Angiome beim VHL-Syndrom sind i.d.R. kapilläre Hämangiome und Hämangioblastome:

  • kapilläre Hämangiome zählen zu den Hamartomen (gutartige Raumforderungen aus Gefäßknäulen, die sich aus dem Vorläufer des Bindegewebes entwickeln.
  • Hämangioblastome im ZNS sind echte Neoplasien aus gewucherten Kapillarsprossen.

Beim VHL-Syndrom können jedoch auch maligne Tumore auftreten.

7 Diagnostik

Die Diagnose wird meist klinisch gestellt. Das Vorhandensein von multiplen Hämangiomen in der Netzhaut spricht eindeutig für ein von-Hippel-Lindau-Czermak-Syndrom. Hinzu kommen Tumore der Nebenniere und der Nieren und eine eindeutige Familienanamnese. Eine MRT-Aufnahme kann das gesamte Ausmaß der Erkrankung sichtbar machen.

7.1 Gendiagnostik

Durch eine genetische Untersuchung kann festgestellt werden, ob eine Anlageträgerschaft vorliegt. Ist dies der Fall, kann durch ein Vorsorgeprogramm die Erkrankung kontrolliert werden. Liegt eine Anlageträgerschaft nicht vor, sind weitere Untersuchungen unnötig. Der genetischen Untersuchung sollte eine genetische Beratung vorausgehen.

8 Therapie

Eine Kausaltherapie ist zur Zeit (2020) nicht verfügbar. Lösen die Tumoren klinische Symptome aus, wird eine operative Entfernung versucht. Die Entfernung der Netzhauttumore erfolgt z.B. mittels Lasertherapie.

9 Kontrolluntersuchungen

Durch regelmäßige Kontrolluntersuchungen können auftretende Tumoren schon im frühen Stadium entdeckt werden, bevor sie Symptome verursachen. Die Tumoren können dann beobachtet und eine notwendige Operation kann eventuell organerhaltend durchgeführt werden. Es wird empfohlen, die Kontrolluntersuchungen jährlich durchzuführen.

10 Weblinks

Diese Seite wurde zuletzt am 24. Januar 2020 um 17:39 Uhr bearbeitet.

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