Viroid

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1 Definition

Unter den Viroiden sind die kleinsten, derzeit bekannten Krankheitserreger zu verstehen. Sie bestehen lediglich aus einem in sich geschlossenen Ring aus einsträngiger RNA. Eine Vermehrung ist nur innerhalb einer Wirtszelle möglich. Diese Eigenschaft klassifiziert Viroide als subzelluläre Erreger.

2 Unterschied zu Viren

Ein Virus besitzt neben dem Erbgut noch eine Reihe an Proteinen und Fetten, sowie ein Kapsid (Hülle). Dies alles fehlt einem Viroid.

3 Beschreibung

Die einsträngige RNA, aus der Viroide ausschließlich bestehen, weißt einen ringförmigen, geschlossenen Charakter auf und besteht in der Regel aus einer Abfolge von rund 240 – 400 Nukleotiden. Da sie sich ausschließlich innerhalb einer anderen Zelle vermehren können, zählt man sie zur biologischen Gruppe der subzellulären Erreger. Weitere Vertreter dieser Lebensformen sind:

Das Besondere an der genomischen RNA der Viroide ist, dass sie im Rahmen des Vermehrungsvorganges in der Wirtszelle keinerlei Translation von mRNA betreibt. Folglich werden keinerlei Viroid-eigene Polypeptide synthetisiert (anders als bei vielen Viren). Das Erbgut der Viroide verfügt über eine vollständig autonome Katalyse-Aktivität. Evolutionsbiologisch sieht man diese Art des Viroid-Stoffwechsels als relativ urtümliche Form der Biologischen und Chemischen Evolution an. So in etwa könnten die ersten lebensnahen Moleküle gearbeitet haben, vermuten Wissenschaftler.

4 Geschichte

  • Entdeckung des krankheitserregenden Charakters von Viroiden durch die Wissenschaftler Donald Folsom und Eugene S. Schultz im Jahr 1923
  • die erste, auf Viroide zurückzuführende Erkrankung war die Spindelknollensucht bei der Kartoffel (Pflanzenteil)
  • 1971: Der Pflanzenpathologe Theodor O. Diener identifizierte eine zunächst für einen Virus gehaltene Erregerform von der er später herausfand, dass diese über keinerlei Proteine oder Hülle verfügt und lediglich aus einem RNA-Ring besteht. Damit handelte es sich um ein Viroid, dass den Namen Potato-Spindle-Tuber-Viroid. Es war das erste Mal, dass die Biologie einen Krankheitserreger ohne Proteinanteil nachweisen konnte.

1976: Nachweis des ringförmigen und einsträngigen Charakters der RNA von Viroiden durch den Gießener Wissenschaftler Heinz Ludwig Sänger

5 Aufbau & Genetik

  • keine Proteine
  • keine Lipide
  • einsträngige, z. T. ringförmige RNA
  • repliziert bzw. translatiert keine eigenen Proteine

6 Pathologie

Viroide sind bisher noch nie bei Menschen oder Tieren als Krankheitserreger in Erscheinung getreten. Sie konnten lediglich in einer Vielzahl von Pflanzen – insbesondere Kulturpflanzen – nachgewiesen werden. Bekanntester Vertreter ist das Spindelknollensucht auslösende Viroid mit dem Namen Potato Spindle Tuber Viroid. Es befällt v. a.:

  • Kartoffeln
  • Tomaten
  • Salate

7 Bekannte Vertreter

  • Cocadviroid
  • Hostuviroid
  • Pospiviroid
  • Elaviviroid
  • Avsunviroid

Autoren: https://flexikon.doccheck.com/de/index.php?title=Viroid&action=history

Quelle: https://flexikon.doccheck.com/de/Viroid

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Fachgebiete: Virologie

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