Bitte logge Dich ein, um diesen Artikel zu bearbeiten.
Bearbeiten

Vertikale Virusübertragung: Unterschied zwischen den Versionen

 
Zeile 5: Zeile 5:
  
 
== Übertragungsarten ==
 
== Übertragungsarten ==
Die Übertragung kann über die [[Plazenta]] während der [[Schwangerschaft]] (''[[in utero]]'', [[pränatal]]) erfolgen, wobei das Risiko einer Infektion im ersten [[Trimester]] am höchsten ist. Folgen können spontaner [[Abort]] oder [[Entwicklungsstörung]]en wie [[Wachstumsretardierung]] oder angeborene [[Missbildung]]en sein. Viren, die die [[Plazentaschranke]] durchdringen können, sind zum Beispiel [[Rubellavirus|Rubellaviren]], [[Zytomegalievirus|Zytomegalieviren]] oder [[Herpesviren]]. In seltenen Fällen kann auch [[HIV]] die Plazenta passieren. Die Viren können aber auch während der [[Geburt]] übertragen werden ([[perinatal]]), wenn die Plazentaschranke durchbrochen ist. Hier wird das Neugeborene mütterlichem [[Blut]] und [[Körperflüssigkeit]]en ausgesetzt, die Viren wie Herpesviren, [[Hepatitis-B-Virus|Hepatitis B Viren]] oder HIV enthalten können. Die Übertragung über die [[Muttermilch]] ([[postnatal]]) ist eher selten, kann aber auch für HIV und Zytomegalieviren vorkommen.
+
Die Übertragung kann über die [[Plazenta]] während der [[Schwangerschaft]] ([[in utero]], [[pränatal]]) erfolgen, wobei das Risiko einer Infektion im ersten [[Trimester]] am höchsten ist. Folgen können ein spontaner [[Abort]] oder [[Entwicklungsstörung]]en wie [[Wachstumsretardierung]] oder angeborene [[Missbildung]]en sein. Viren, welche die [[Plazentaschranke]] durchdringen, sind zum Beispiel [[Rubellavirus|Rubellaviren]], [[Zytomegalievirus|Zytomegalieviren]] oder [[Herpesviren]]. In seltenen Fällen kann auch [[HIV]] die Plazenta passieren. Die Viren können aber auch während der [[Geburt]] übertragen werden ([[perinatal]]), wenn die Plazentaschranke durchbrochen ist. Hier wird das Neugeborene mütterlichem [[Blut]] und [[Körperflüssigkeit]]en ausgesetzt, die Viren wie Herpesviren, [[Hepatitis-B-Virus|Hepatitis B Viren]] oder HIV enthalten können. Die Übertragung über die [[Muttermilch]] ([[postnatal]]) ist eher selten, kann aber auch für HIV und Zytomegalieviren vorkommen.
  
 
== Auswirkungen auf das Kind ==
 
== Auswirkungen auf das Kind ==
Die Auswirkungen von [[kongenital]] erworbenen Infektionen sind meist sehr unterschiedlich zu den Auswirkungen, einer auf gewöhnlichem Wege übertragenen Infektion, und auch oft schwerwiegender. So verursachen Rubellaviren zum Beispiel nicht nur [[Fieber]] und einen juckenden [[Ausschlag]] ([[Röteln]]), sondern auch eine [[Meningoenzephalitis]], [[Hördefizit]]e, [[Myokarditis]] und [[Katarakt]]e. Angeborene Infektionen mit dem Zytomegalievirus ist in den meisten Fällen [[asymptomatisch]] bei der Geburt, kann aber auch eine [[Hepatosplenomegalie]] und [[Gelbsucht]] auslösen. Nach mehreren Jahren kann es allerding zu schweren Komplikationen wie [[Taubheit]] und [[Krampfanfälle]]n führen. Wenn eine Mutter ihr Kind mit dem Hepatitis B Virus infiziert, zeigt dieses zu Beginn oft ebenfalls keine Symptome, jedoch kann es später [[chronisch]]e [[Antigenämie]] und Gelbsucht entwickeln. Kinder mit kongenitaler HIV-Infektion zeigen oft wiederkehrende [[bakteriell]]e Infektionen wie [[Meningitis]] und [[Pneumonie]] sowie Wachstums- und [[Entwicklungsstörung]]en und Hautausschläge.
+
Die Auswirkungen von [[kongenital]] erworbenen Infektionen sind meist sehr unterschiedlich zu den Auswirkungen, einer auf gewöhnlichem Wege übertragenen Infektion, und auch oft schwerwiegender. So verursachen Rubellaviren zum Beispiel nicht nur [[Fieber]] und einen juckenden [[Ausschlag]] ([[Röteln]]), sondern auch eine [[Meningoenzephalitis]], [[Hördefizit]]e, [[Myokarditis]] und [[Katarakt]]e. Angeborene Infektionen mit dem Zytomegalievirus sind in den meisten Fällen [[asymptomatisch]] bei der Geburt, können aber auch eine [[Hepatosplenomegalie]] und einen [[Ikterus]] auslösen. Nach mehreren Jahren kann es allerdings zu schweren Komplikationen wie [[Taubheit]] und [[Krampfanfälle]]n führen. Wenn eine Mutter ihr Kind mit dem [[Hepatitis-B-Virus]] infiziert, zeigt dieses zu Beginn oft ebenfalls keine Symptome, jedoch kann es später eine [[chronisch]]e [[Antigenämie]] und Gelbsucht entwickeln. Kinder mit kongenitaler HIV-Infektion zeigen oft wiederkehrende [[bakteriell]]e Infektionen wie [[Meningitis]] und [[Pneumonie]] sowie Wachstums- und [[Entwicklungsstörung]]en und Hautausschläge.
  
 
== Gründe für höhere Anfälligkeit ==
 
== Gründe für höhere Anfälligkeit ==
Gründe für die höhere fetale Anfälligkeit liegen darin, dass die [[Immunsystem|Immun]]- und [[Interferon]]systeme des [[Fötus]] noch unreif sind und dass die [[Immunität]] und das Interferon der Mutter nur teilweise die Plazentaschranke passieren kann. Dadurch hat der Fötus nur sehr wenige [[Abwehrmechanismus|Abwehrmechanismen]] gegenüber Viren. Zudem entwickeln sich die [[Organ]]e des Fötus sehr schnell, besonders während des ersten Trimesters der Schwangerschaft, was zu einer höheren Schadensanfälligkeit führt. Auch die [[fetal]]en noch [[undifferenziert]]en [[Zelle]]n sind anfälliger für [[Virusreplikation]].  
+
Gründe für die höhere fetale Anfälligkeit liegen darin, dass die [[Immunsystem|Immun]]- und [[Interferon]]systeme des [[Fötus]] noch unreif sind. Dadurch hat der Fötus nur sehr wenige [[Abwehrmechanismus|Abwehrmechanismen]] gegenüber Viren. Zudem entwickeln sich die [[Organ]]e des Fötus sehr schnell, besonders während des ersten Trimesters der Schwangerschaft, was zu einer höheren Schadensanfälligkeit führt. Auch sind die [[fetal]]en, noch [[undifferenziert]]en [[Zelle]]n anfälliger für [[Virusreplikation]].  
  
 
== Schutzmaßnahmen und Therapien ==
 
== Schutzmaßnahmen und Therapien ==
Es existieren verschiedene [[Prävention]]en, um die Virusübertragung von Mutter auf Kind zu verhindern. Um zum Beispiel einer Infektion mit Rubellaviren vorzubeugen, sollte die Mutter vor der Schwangerschaft [[Impfung|geimpft]] werden. Im Falle einer kongenitalen symptomatischen [[Zytomegalie]] kann eine [[antiviral]]e medikamentöse [[Therapie]] durchgeführt werden. Derzeit ist noch keine Impfung gegen Zytomegalieviren möglich. Mit Hepatitis B Viren-infizierte Kinder sollten innerhalb der ersten 12 Stunden nach der Geburt mit einem Hepatitis B-[[Impfstoff]] und Hepatitis B-[[Immunglobulin]]en behandelt werden. Um eine HIV-Infektion zu vermeiden sollten Mutter und Kind eine [[antiretroviral]]e Therapie erhalten. Außerdem sollte das Kind mittels eines [[Kaiserschnitt]]s zur Welt kommen und nicht [[stillen|gestillt]] werden.
+
Es existieren verschiedene [[Prävention]]smöglichkeiten, um die Virusübertragung von der Mutter auf das Kind zu verhindern. Um zum Beispiel einer Infektion mit Rubellaviren vorzubeugen, sollte die Mutter vor der Schwangerschaft [[Impfung|geimpft]] werden. Im Falle einer kongenitalen symptomatischen [[Zytomegalie]] kann eine [[antiviral]]e medikamentöse [[Therapie]] durchgeführt werden. Derzeit ist noch keine Impfung gegen Zytomegalieviren möglich. Mit Hepatitis-B-Viren infizierte Kinder sollten innerhalb der ersten 12 Stunden nach der Geburt mit einem [[Hepatitis-B-Impfstoff]] und [[Immunglobulin]]en behandelt werden. Um eine HIV-Infektion zu vermeiden, sollten Mutter und Kind eine [[antiretroviral]]e Therapie erhalten. Außerdem sollte das Kind mittels eines [[Kaiserschnitt]]s zur Welt kommen und nicht [[stillen|gestillt]] werden.
 
[[Fachgebiet:Immunologie]]
 
[[Fachgebiet:Immunologie]]
 
[[Tag:Schwangerschaft]]
 
[[Tag:Schwangerschaft]]
 
[[Tag:Transmission]]
 
[[Tag:Transmission]]
 
[[Tag:Virusinfektion]]
 
[[Tag:Virusinfektion]]

Aktuelle Version vom 30. Juni 2015, 16:00 Uhr

Englisch: vertical transmission

1 Definition

Die vertikale Übertragung ist die Transmission von Viren von einer infizierten Mutter auf ihr Kind.

2 Übertragungsarten

Die Übertragung kann über die Plazenta während der Schwangerschaft (in utero, pränatal) erfolgen, wobei das Risiko einer Infektion im ersten Trimester am höchsten ist. Folgen können ein spontaner Abort oder Entwicklungsstörungen wie Wachstumsretardierung oder angeborene Missbildungen sein. Viren, welche die Plazentaschranke durchdringen, sind zum Beispiel Rubellaviren, Zytomegalieviren oder Herpesviren. In seltenen Fällen kann auch HIV die Plazenta passieren. Die Viren können aber auch während der Geburt übertragen werden (perinatal), wenn die Plazentaschranke durchbrochen ist. Hier wird das Neugeborene mütterlichem Blut und Körperflüssigkeiten ausgesetzt, die Viren wie Herpesviren, Hepatitis B Viren oder HIV enthalten können. Die Übertragung über die Muttermilch (postnatal) ist eher selten, kann aber auch für HIV und Zytomegalieviren vorkommen.

3 Auswirkungen auf das Kind

Die Auswirkungen von kongenital erworbenen Infektionen sind meist sehr unterschiedlich zu den Auswirkungen, einer auf gewöhnlichem Wege übertragenen Infektion, und auch oft schwerwiegender. So verursachen Rubellaviren zum Beispiel nicht nur Fieber und einen juckenden Ausschlag (Röteln), sondern auch eine Meningoenzephalitis, Hördefizite, Myokarditis und Katarakte. Angeborene Infektionen mit dem Zytomegalievirus sind in den meisten Fällen asymptomatisch bei der Geburt, können aber auch eine Hepatosplenomegalie und einen Ikterus auslösen. Nach mehreren Jahren kann es allerdings zu schweren Komplikationen wie Taubheit und Krampfanfällen führen. Wenn eine Mutter ihr Kind mit dem Hepatitis-B-Virus infiziert, zeigt dieses zu Beginn oft ebenfalls keine Symptome, jedoch kann es später eine chronische Antigenämie und Gelbsucht entwickeln. Kinder mit kongenitaler HIV-Infektion zeigen oft wiederkehrende bakterielle Infektionen wie Meningitis und Pneumonie sowie Wachstums- und Entwicklungsstörungen und Hautausschläge.

4 Gründe für höhere Anfälligkeit

Gründe für die höhere fetale Anfälligkeit liegen darin, dass die Immun- und Interferonsysteme des Fötus noch unreif sind. Dadurch hat der Fötus nur sehr wenige Abwehrmechanismen gegenüber Viren. Zudem entwickeln sich die Organe des Fötus sehr schnell, besonders während des ersten Trimesters der Schwangerschaft, was zu einer höheren Schadensanfälligkeit führt. Auch sind die fetalen, noch undifferenzierten Zellen anfälliger für Virusreplikation.

5 Schutzmaßnahmen und Therapien

Es existieren verschiedene Präventionsmöglichkeiten, um die Virusübertragung von der Mutter auf das Kind zu verhindern. Um zum Beispiel einer Infektion mit Rubellaviren vorzubeugen, sollte die Mutter vor der Schwangerschaft geimpft werden. Im Falle einer kongenitalen symptomatischen Zytomegalie kann eine antivirale medikamentöse Therapie durchgeführt werden. Derzeit ist noch keine Impfung gegen Zytomegalieviren möglich. Mit Hepatitis-B-Viren infizierte Kinder sollten innerhalb der ersten 12 Stunden nach der Geburt mit einem Hepatitis-B-Impfstoff und Immunglobulinen behandelt werden. Um eine HIV-Infektion zu vermeiden, sollten Mutter und Kind eine antiretrovirale Therapie erhalten. Außerdem sollte das Kind mittels eines Kaiserschnitts zur Welt kommen und nicht gestillt werden.

Um diesen Artikel zu kommentieren, melde Dich bitte an.

Klicke hier, um einen neuen Artikel im DocCheck Flexikon anzulegen.

Artikel wurde erstellt von:

Letzte Autoren des Artikels:

3 Wertungen (4.33 ø)

10.318 Aufrufe

Hast du eine allgemeine Frage?
Hast du eine Frage zum Inhalt?
Copyright ©2019 DocCheck Medical Services GmbH | zur mobilen Ansicht wechseln
DocCheck folgen: