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Vancomycin

Version vom 13. Februar 2019, 16:34 Uhr von Max Schneider (Diskussion | Beiträge)

Handelsname: Vancocin®
Englisch: Vancomycin

1 Definition

Vancomycin ist ein Glykopeptid-Antibiotikum, das zur Therapie von Infektionen mit grampositiven Bakterien eingesetzt wird. Vor allem in der Therapie schwerer Staphylokokkeninfekte hat es den Status eines Reserveantibiotikums.

2 Herstellung

Vancomycin wird biotechnologisch durch das Bodenbakterium Amycolatopsis orientalis hergestelllt.

3 Wirkmechanismus

Vancomycin wirkt bakterizid auf proliferierende grampositive Erreger. Gegen gramnegative Bakterien ist Vancomycin unwirksam.

Die Zellwand grampositiver Bakterien besteht aus parallel angeordneten Peptidoglykansträngen. Peptidoglykane bestehen aus einem Zuckerrückgrat und einer Oligopeptid-Seitenkette. Um eine optimale Stabilität der Zellwand zu erreichen, werden jeweils zwei Peptidseitenketten durch das Enzym Transpeptidase miteinander verbunden, wodurch insgesamt ein flächiges Netz, der sogenannte Mureinsacculus entsteht. Auf diese Weise verknüpft das bakterielle Enzym D-Alanin-Transpeptidase den D-Alanyl-Rest eines Peptid-Seitenstrangs mit der Aminogruppe eines weiteren Peptids was zur Synthese wichtiger Zellwandbausteine beiträgt.

Die Wirkung von Vancomycin besteht darin, dass es sich an das freie C-terminale Ende der Peptidseitenkette (L-Lysin-D-Alanyl-D-Alanin) anlagert und so die enzymatische Quervernetzung des Peptidoglykans verhindert. Dadurch wird die Synthese essentieller Zellwandbestandteile wie N-Acetylglucosamin und N-Acetylmuraminsäure inhibiert. Letztendlich führt dies zu einer verminderten osmotische Resistenz des Bakteriums und es kommt zur Zelllyse.

Die Wirksamkeit hängt von der Zeitdauer ab, in der die Wirkstoffkonzentration über der minimalen Hemmkonzentration des Erregers liegt.

4 Pharmakokinektik

Vancomycin wird bei oraler Gabe praktisch nicht resorbiert. Orale Präparationen können zur Behandlung der Clostridium-difficile-assoziierten Diarrhö eingesetzt werden.

Nach i.v.-Gabe beträgt die Halbwertszeit bei normaler Nierenfunktion ca. 6 h. Vancomycin ist zu etwa 55% an Plasmaeiweiß gebunden und wird ganz überwiegend unverändert durch die Nieren ausgeschieden.

5 Indikationen

6 Nebenwirkungen

Zur Vermeidung von Nebenwirkungen sollten bei systemischer Vancomycin-Gabe regelmäßige Serumspiegelkontrollen erfolgen und die Dosis bei Niereninsuffizienz angepasst werden. Hierbei sollte der Spitzenspiegel im Bereich von 40 mg/dl, der Talspiegel im Bereich von 10-15 mg/dl liegen. Die Infusion sollte langsam, über 2-3 Stunden, erfolgen, da dies die Nebenwirkungsrate verringert.

7 Resistenzen

Bakterien mit Resistenz gegen Vancomycin sind in Deutschland selten. Die größte Bedeutung haben Vancomycin-resistente Enterokokken. In den USA kommen Vancomycin-intermediär sensible Staphylokokken (sog. VISA-Stämme) vor, diese sind in Europa bisher kaum anzutreffen.

Diese Seite wurde zuletzt am 1. August 2019 um 14:50 Uhr bearbeitet.

Danke für den Hinweis. Fixed.
#2 am 01.08.2019 von Dr. Frank Antwerpes (Arzt | Ärztin)
Die genannten Referenzspiegel sind für mg/l und nicht mg/dl. (Werte sind somit eine Zehnerpotenz in gewählter Einheit zu hoch!)
#1 am 30.07.2019 von dorothee schuchart (Student/in der Zahnmedizin)

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