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Urtikaria

Version vom 18. Mai 2018, 16:38 Uhr von Nicht mehr aktiv :-( (Diskussion | Beiträge)

Urtikaria von lateinisch: urtica - Brennnessel
Synonym: Nesselsucht
Englisch: urticaria

1 Definition

Die Urtikaria (Nesselsucht) ist eine mit Quaddeln (Utica) und Angioödemen (Quincke-Ödemen) einhergehende Hauterkrankung.[1]

2 Einteilung

Die Klassifizierung der Urtikaria erfolgt basierend auf der Krankheitsdauer:[1]

  • akute Urtikaria (≤ 6 Wochen; schubweise rezidivierendes Auftreten möglich)
  • chronische Urtikaria (> 6 Wochen; ohne symptomfreies Intervall)

Zudem wird die chronische Urtikaria anhand des Vorhandenseins von spezifischen Triggerfaktoren klassifiziert:[1]

  • spontane chronische Urtikaria (ohne Trigger)
  • Induzierbare chronische Urtikaria (mit Trigger)
    • Mögliche Triggerfaktoren sind:
      • Wärme- oder Kälteexposition
      • Licht
      • Druck
      • Mechanische Irritation
      • Erhöhung der Körperkerntemperatur

3 Ätiopathophysiologie

Als Ursache für Urtikaria wird eine Type-1- oder Typ-IIb-Autoimmunität vermutet, die in einer vermehrten Degranulation von Mastzellen resultiert.[2] Diese spezialisierten Immunzellen setzen Histamine und weitere Entzündungsfaktoren frei, die eine Vasodilatation und Extravasation hervorrufen. Diese Reaktionen führen zu Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe und damit der Quaddelbildung.[1]

4 Symptome

Die Quaddeln ist ein erhabene Erytheme mit starkem Juckreiz. Sie treten bevorzugt abends und nachts auf und das Erscheinungsbild der Haut normalisiert sich innerhalb von 0,5 – 24 Stunden.[1]

Rund die Hälfte der Urtikaria-Patienten leidet zudem unter Angioödemen.[3] Es handelt sich dabei um plötzliche Schwellungen, die sich in die tiefere Dermis und Subkutis erstrecken. Sie können mit Schmerzen einhergehen und zeigen häufig eine Beteiligung der Schleimhäute. Die Rückbildung erfolgt innerhalb von 72 Stunden.[1]

Urtikaria kann auch zu lebensbedrohlichen Komplikationen wie einem Angioödem des Larynx oder anaphylaktischen Schock führen.

5 Diagnostik

Wertvollstes Instrument der Urtikaria-Dagnostik ist die Anamnese. Weiterhin sollten vorliegende Erkrankungen (Infektionen, Autoimmunerkrankungen) und bekannte Allergien abgeklärt werden.[1]

Weitere diagnostische Maßnahmen:

  • Eine durch physikalische Reize hervorgerufene Urtikaria lässt sich mit physikalischen Provokationstests leicht ausschliessen
  • Allergietests (Epikutan-Test, Prick-Test, Intrakutan-Test, RAST) dienen der Fahndung nach Allergien
  • Provokationstestung mit ASS (ASS-Intoleranz) bzw. Nahrungsmittelzusatzstoffen (Konservierungsmittel, Farbstoffe)
  • Entnahme und mikrobiologische Diagnostik einer Stuhlprobe (Parasiten)
  • Suche nach einer Infektionsquelle (allergische Reaktion auf beispielsweise im Rahmen einer Tonsillitis verstreuten bakteriellen Antigene und Immunkomplexe)

Besonders für Patienten mit chronischer Urtikaria existieren zudem essentielle Mess-Instrumente zur Erfassung der Krankheitsaktivität, welche eine hilfreiche Unterstützung für die Therapieentscheidung darstellen. Die Krankheitsaktivität der Urtikaria wird häufig mittels UAS (Urticaria Activity Score) und AAS (Angioedema Activity Score) gemessen, die basierend auf Patientenfragebögen bestimmt werden.[1] Zudem wird häufig die Einschränkung der Lebensqualität (Cu-Q2oL (Chronic Urticaria of Life Questionnaire) und AE-QoL (Angioedema Quality of Life Questionnaire)) in die Therapieentscheidung miteinbezogen.[1]

6 Therapie

Die symptomatische Therapie der Urtikaria erfolgt i.d.R. anhand eines Stufenschemas, an dessen Beginn die H1-Antihistaminika der zweiten Generation stehen. Diese überwinden die Blut-Hirnschranke nur im geringen Umfang und wirken folglich nur gering sedierend.[1]

Die Krankheitskontrolle unter der symptomatischen Therapie kann mit Hilfe des Urticaria Control Test (UCT) erfolgen, welcher auf einem Patientenfragebogen beruht. Bei unzureichender Krankheitskontrolle unter H1-Antihistaminika kann laut Leitlinie eine Dosiserhöhung oder darauffolgend eine zusätzliche Therapie mit dem Biologikum Omalizumab oder Ciclosporin A erfolgen. Bei Exazerbationen, können zudem Glukikortikoide zum Einsatz kommen.[1]

Bei induzierbarer Urtikaria sind langfristig die Auslöser zu meiden (Expositionsprophylaxe gegenüber Allergenen, ASS, Nahrungsmittelzusätzen).

7 Quellen

  1. 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 [1] Zuberbier et al. The EAACI/GA²LEN/EDF/WAO Guideline for the Definition, Classification, Diagnosis and Management of Urticaria. The 2017 Revision and Update. Allergy. 2018
  2. [2] Kolkhir et al. Autoimmune chronic spontaneous urticaria: What we know and what we do not know. J Allergy Clin Immunol. 2017
  3. [ https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28160338?dopt=Abstract] Maurer et al. H1-antihistamine-refractory chronic spontaneous urticaria: it’s worse than we thought - first results of the multicenter real-life AWARE study. Clin Exp Allergy 2017

8 Weblinks

Urtikaria bei DocCheck Pictures

Fachgebiete: Dermatologie

Diese Seite wurde zuletzt am 10. Dezember 2019 um 17:01 Uhr bearbeitet.

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