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Urämie

Version vom 15. Februar 2019, 10:39 Uhr von Antje Göttler (Diskussion | Beiträge)

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Synonym: Harnvergiftung
Englisch: ur(a)emia, ur(a)emic syndrome

1 Definition

Als Urämie bezeichnet man die Kontamination (Vergiftung) des Blutes mit harnpflichtigen Substanzen.

2 ICD10-Codes

  • N18.-: Chronische Nierenkrankheit inkl. chronische Prämie
  • N19: Nicht näher bezeichnete Niereninsuffizienz inkl. Urämie o.n.A.
  • R39.2: Extrarenale Urämie

3 Ätiologie

Eine Urämie kann als Folge einer terminalen Niereninsuffizienz oder eines akuten Nierenversagens auftreten. Die Nieren sind in beiden Fällen nicht mehr in der Lage, harnpflichtige Substanzen in ausreichender Menge mit dem Harn auszuscheiden.

4 Einteilung

Man kann eine akute Urämie mit ausgedehnter Ödembildung und Blutdrucksteigerung und eine eher einschleichend entstehende chronische Urämie bei chronischer Niereninsuffizienz unterscheiden.

5 Symptomatik

Eine Urämie hat klinisch sehr vielfältige Auswirkungen auf den Organismus. Für einige dieser Symptome lassen sich direkte pathophysiologische Zusammenhänge finden, bei anderen Symptomen ist die genaue Ursachenkaskade noch unklar. Die Übergänge zur Symptomatik der chronischen Niereninsuffizienz sind fließend.

Unbehandelt führt die Urämie zum urämischen Koma und schließlich zum Tod.

6 Pathophysiologie

Es gibt kein einzelnes Urämietoxin, das für die pathologischen Veränderungen im Organismus verantwortlich gemacht werden kann. Vielmehr ist eine Vielzahl von über das physiologische Maß hinaus im Blut angereicherten Substanzen für die Organwirkungen verantwortlich. Darunter fallen neben dem am häufigsten verdächtigten Harnstoff auch Substanzgruppen wie Phenole, Polyamine sowie aliphatische und aromatische Amine.

Pathophysiologisch interessant ist die Entwicklung der Amyloidose, die durch die Ablagerung von Beta-2-Mikroglobulin bedingt ist. Diese Ablagerungen können zur Instabilität von Knochen- und Sehnenstrukturen führen. Eine in diesem Zusammenhang recht häufige Erscheinung ist das Karpaltunnelsyndrom.

7 Diagnostik

Die Diagnose ist durch die Konstellation der charakteristischen multimorbiden Symptomatik und der Erhöhung der Retentionswerte relativ leicht zu stellen. Insbesondere die Konzentration des Harnstoffs im Serum ist ein aufschlussreicher Parameter zur Beurteilung des Schweregrades einer Urämie.

8 Therapie

Die Therapie der Urämie ist gleichzusetzen mit der Therapie der zugrundeliegenden Niereninsuffizienz. Die Therapie der Wahl ist die sofortige Dialyse, die das Blut von harnpflichtigen Substanzen reinigt. Abhängig vom Alter und von weiteren Grunderkrankungen ist - bei Verfügbarkeit eines Spenderorgans - eine Nierentransplantation anzustreben.

Als ergänzende Maßnahmen nach Abklingen der akuten Phase kommen in Frage:

  • Eiweißarme, aber kalorienreiche Diät: Eine Restriktion der Aufnahme von Proteinen vermindert die Harnstoffsynthese.
  • Bilanzierte Flüssigkeitsaufnahme: Genaues Tracking der aufgenommenen und abgegebenen Flüssigkeitsmengen.
  • Diuretika: Sie unterstützen die Wasser- und Elektrolytausscheidung und erhöhen die Ausscheidung von Harnstoff.
  • Antihypertensive Therapie mit Hilfe geeigneter Medikamente

Fachgebiete: Nephrologie

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