Bitte logge Dich ein, um diesen Artikel zu bearbeiten.
Bearbeiten

Ulcus duodeni: Unterschied zwischen den Versionen

(Ursachen)
(Symptome)
 
(18 dazwischenliegende Versionen von 3 Benutzern werden nicht angezeigt)
Zeile 4: Zeile 4:
 
==Definition==
 
==Definition==
 
Das '''Ulcus duodeni''' ist ein Defekt der [[Duodenum|Duodenalschleimhaut]], welcher die [[Lamina muscularis mucosae]] durchdringt ([[Ulkus]]). Es handelt sich um eine Form der [[gastroduodenale Ulkuskrankheit|gastroduodenalen Ulkuskrankheit]].
 
Das '''Ulcus duodeni''' ist ein Defekt der [[Duodenum|Duodenalschleimhaut]], welcher die [[Lamina muscularis mucosae]] durchdringt ([[Ulkus]]). Es handelt sich um eine Form der [[gastroduodenale Ulkuskrankheit|gastroduodenalen Ulkuskrankheit]].
 +
 +
==Epidemiologie==
 +
Zur Häufigkeit des Duodenalulkus liegen keine gesicherten aktuellen (2018) Daten vor. Die [[Inzidenz]] in Deutschland wird mit 100 bis 200 Fällen pro 100.000 Einwohner/Jahr geschätzt. Duodenalulzera treten überwiegend im jüngeren und mittleren Lebensalter auf. Männer sind häufiger betroffen als Frauen (> 2:1). Durch die weite Verbreitung von [[Protonenpumpeninhibitor]]en in der [[Selbstmedikation]] wird insgesamt von rückläufigen Zahlen ausgegangen.
  
 
==Ursachen==
 
==Ursachen==
In mehr als 80% der Fälle liegt eine Infektion mit dem Bakterium [[Helicobacter pylori]] vor. Andere Ursachen sind die Einnahme von nichtsteroidalen Antirheumatika ([[NSAR]]), [[Ischämie]]n oder chronisch entzündliche Darmerkrankungen (z.B. [[Morbus Crohn]]). Eine Kombination von NSAR mit [[Glukokortikoid]]en erhöht das Risiko eines Ulkus etwa um den Faktor 15. Pathophysiologisch zeigt sich in diesem Fall eine verminderte protektive [[Prostaglandinsynthese]].
+
In mehr als 80% der Fälle liegt eine Infektion mit dem Bakterium [[Helicobacter pylori]] vor. Andere Ursachen sind die Einnahme von nichtsteroidalen Antirheumatika ([[NSAR]]), [[Ischämie]]n oder chronisch entzündliche Darmerkrankungen (z.B. [[Morbus Crohn]]). Eine Kombination von NSAR mit [[Glukokortikoid]]en erhöht das Risiko eines Ulkus etwa um den Faktor 15. Pathophysiologisch zeigt sich in diesem Fall eine verminderte protektive [[Prostaglandinsynthese]]. [[Psychosomatisch]]e Faktoren ([[Stress]]) können bei der Entstehung ebenfalls eine Rolle spielen.
  
 
Bei [[multipel|multiplen]] oder [[rezidivierend]]en Duodenalulzera kann ein [[Zollinger-Ellison-Syndrom]] vorliegen.
 
Bei [[multipel|multiplen]] oder [[rezidivierend]]en Duodenalulzera kann ein [[Zollinger-Ellison-Syndrom]] vorliegen.
  
 
==Lokalisation==
 
==Lokalisation==
Die häufigsten Lokalisationen des Ulcus duodeni sind die Vorder- und Hinterwand der Pars superior duodeni.  
+
Die häufigsten Lokalisationen des Ulcus duodeni sind die Vorder- und Hinterwand der Pars superior duodeni, also des Duodenalabschnitts, der unmittelbar an den [[Magen]] angrenzt.
  
 
==Pathologie==
 
==Pathologie==
Zeile 18: Zeile 21:
  
 
==Symptome==
 
==Symptome==
 +
Die Symptomatik ist relativ unspezifisch, so dass [[Differentialdiagnose|differentialdiagnostisch]] auch an andere pathologische Prozesse im Bauchraum gedacht werden muss. Die Erkrankung kann auch [[asymptomatisch]] verlaufen. Mögliche Symptome sind:
 
* Abdomineller Schmerz im [[Oberbauch]]
 
* Abdomineller Schmerz im [[Oberbauch]]
** Nüchternschmerz
+
** [[Nüchternschmerz]]
** Nachtschmerz
+
** [[Nachtschmerz]]
 
** Besserung nach Nahrungsaufnahme
 
** Besserung nach Nahrungsaufnahme
 
* Übelkeit
 
* Übelkeit
 
* [[Erbrechen]]
 
* [[Erbrechen]]
 +
* [[Völlegefühl]]
 +
* [[Gewichtsverlust]]
  
 
==Diagnostik==
 
==Diagnostik==
 +
Die Verdachtsdiagnose kann aufgrund der [[Anamnese|anamnestischen]] Angaben und der [[klinische Untersuchung|klinischen Untersuchung]] gestellt werden. Die Diagnosesicherung erfolgt endoskopisch:
 
* [[Ösophagogastroduodenoskopie]] mit [[Biopsie]]entnahme  
 
* [[Ösophagogastroduodenoskopie]] mit [[Biopsie]]entnahme  
* Testung auf [[Helicobacter pylori]]  
+
* Testung auf [[Helicobacter pylori]]
 
+
Zum Ausschluss anderer Erkrankungen ist eine [[Oberbauchsonografie]] empfehlenswert.
==Komplikationen==
+
* [[Perforation]] in die [[Bauchhöhle]]
+
* Perforation ins [[Pankreas]]
+
* Massive Blutung
+
* Narbige [[Stenose]]
+
 
+
<dcMediaViewer showtitle="yes" title="Intraoperativer Befund eines perforierten Ulkus. Neben dem Darm liegt die pralle Gallenblase." align="left" size="m" items="img_23875" />
+
  
 
==Differentialdiagnose==
 
==Differentialdiagnose==
Zeile 43: Zeile 43:
 
* [[Gastritis]]
 
* [[Gastritis]]
 
* [[Magenkarzinom]]
 
* [[Magenkarzinom]]
 +
 +
==Komplikationen==
 +
* [[Perforation]] in die [[Bauchhöhle]]
 +
* Perforation ins [[Pankreas]]
 +
* [[Obere gastrointestinale Blutung]] (OGIB)
 +
* Narbige [[Stenose]]
 +
 +
<dcMediaViewer showtitle="yes" align="left" size="mq" items="img_21423,img_5742,img_23875" />
  
 
==Therapie==
 
==Therapie==
* [[Diät]]
+
===Basistherapie===
* Vermeidung von [[Noxe]]n
+
Die Basistherapie besteht aus der Elimination von [[Noxe]]n ([[Nikotin]], [[Alkohol]], [[Koffein]]) sowie der Einhaltung einer krankheitsbezogenen [[Diät]] unter Vermeidung fettreicher und scharf gewürzter Speisen.
* Bei positiven Helicobacter-pylori-Befund erfolgt eine [[Helicobacter-pylori-Eradikation]] mit nachfolgender Erfolgskontrolle.
+
 
 +
===Medikamentöse Therapie===
 
* [[Protonenpumpenhemmer]] für 4 Wochen, alternativ [[H2-Blocker]]
 
* [[Protonenpumpenhemmer]] für 4 Wochen, alternativ [[H2-Blocker]]
 +
* Bei positivem Helicobacter-pylori-Befund erfolgt eine [[Helicobacter-pylori-Eradikation]] mit nachfolgender Erfolgskontrolle.
  
Bei Versagen der konservativen Therapie ist ggf. eine operative Therapie notwendig.
+
===Operative Therapie===
 +
Bei Versagen der konservativen Therapie ist ggf. eine operative Therapie notwendig. Aufgrund der pharmakotherapeutischen Möglichkeiten wird diese Karte heute (2018) nur noch selten gezogen und bleibt [[therapierefraktär]]en Fällen vorbehalten. Mögliche Interventionen sind die [[selektive proximale Vagotomie]] (SPV) oder eine [[Magenteilresektion]].
 
[[Fachgebiet:Allgemeinmedizin]]
 
[[Fachgebiet:Allgemeinmedizin]]
 
[[Fachgebiet:Gastroenterologie]]
 
[[Fachgebiet:Gastroenterologie]]

Aktuelle Version vom 23. November 2020, 16:17 Uhr

Synonyme: Zwölffingerdarmgeschwür, Duodenalulkus
Englisch: duodenal ulcer

1 Definition

Das Ulcus duodeni ist ein Defekt der Duodenalschleimhaut, welcher die Lamina muscularis mucosae durchdringt (Ulkus). Es handelt sich um eine Form der gastroduodenalen Ulkuskrankheit.

2 Epidemiologie

Zur Häufigkeit des Duodenalulkus liegen keine gesicherten aktuellen (2018) Daten vor. Die Inzidenz in Deutschland wird mit 100 bis 200 Fällen pro 100.000 Einwohner/Jahr geschätzt. Duodenalulzera treten überwiegend im jüngeren und mittleren Lebensalter auf. Männer sind häufiger betroffen als Frauen (> 2:1). Durch die weite Verbreitung von Protonenpumpeninhibitoren in der Selbstmedikation wird insgesamt von rückläufigen Zahlen ausgegangen.

3 Ursachen

In mehr als 80% der Fälle liegt eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori vor. Andere Ursachen sind die Einnahme von nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR), Ischämien oder chronisch entzündliche Darmerkrankungen (z.B. Morbus Crohn). Eine Kombination von NSAR mit Glukokortikoiden erhöht das Risiko eines Ulkus etwa um den Faktor 15. Pathophysiologisch zeigt sich in diesem Fall eine verminderte protektive Prostaglandinsynthese. Psychosomatische Faktoren (Stress) können bei der Entstehung ebenfalls eine Rolle spielen.

Bei multiplen oder rezidivierenden Duodenalulzera kann ein Zollinger-Ellison-Syndrom vorliegen.

4 Lokalisation

Die häufigsten Lokalisationen des Ulcus duodeni sind die Vorder- und Hinterwand der Pars superior duodeni, also des Duodenalabschnitts, der unmittelbar an den Magen angrenzt.

5 Pathologie

Akute Duodenalulzera sind meist kreisrund und liegen im Schleimhauthautniveau. Der Ulkusrand ist eingezogen. Chronische Duodenalulzera sind scharf vom Umgebungsgewebe abgesetzt. Der oralseitige Ulkusrand kann einen überhängenden Randwall haben, während der aborale Rand treppenförmig ausläuft. Histologisch entspricht das Ulcus duodeni weitgehend dem Ulcus ventriculi.

6 Symptome

Die Symptomatik ist relativ unspezifisch, so dass differentialdiagnostisch auch an andere pathologische Prozesse im Bauchraum gedacht werden muss. Die Erkrankung kann auch asymptomatisch verlaufen. Mögliche Symptome sind:

7 Diagnostik

Die Verdachtsdiagnose kann aufgrund der anamnestischen Angaben und der klinischen Untersuchung gestellt werden. Die Diagnosesicherung erfolgt endoskopisch:

Zum Ausschluss anderer Erkrankungen ist eine Oberbauchsonografie empfehlenswert.

8 Differentialdiagnose

9 Komplikationen

10 Therapie

10.1 Basistherapie

Die Basistherapie besteht aus der Elimination von Noxen (Nikotin, Alkohol, Koffein) sowie der Einhaltung einer krankheitsbezogenen Diät unter Vermeidung fettreicher und scharf gewürzter Speisen.

10.2 Medikamentöse Therapie

10.3 Operative Therapie

Bei Versagen der konservativen Therapie ist ggf. eine operative Therapie notwendig. Aufgrund der pharmakotherapeutischen Möglichkeiten wird diese Karte heute (2018) nur noch selten gezogen und bleibt therapierefraktären Fällen vorbehalten. Mögliche Interventionen sind die selektive proximale Vagotomie (SPV) oder eine Magenteilresektion.

Diese Seite wurde zuletzt am 23. November 2020 um 16:17 Uhr bearbeitet.

Um diesen Artikel zu kommentieren, melde Dich bitte an.

Klicke hier, um einen neuen Artikel im DocCheck Flexikon anzulegen.

Artikel wurde erstellt von:

Letzte Autoren des Artikels:

30 Wertungen (3.43 ø)

151.535 Aufrufe

Copyright ©2021 DocCheck Medical Services GmbH | zur mobilen Ansicht wechseln
DocCheck folgen: