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Spat (Pferd)

Version vom 8. Januar 2021, 10:06 Uhr von Patrick Messner (Diskussion | Beiträge)

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Synonym: Periarthritis et Osteoarthritis tarsi
Englisch: bone spavin, distal tarsal joint synovitis and osteoarthritis

1 Definiton

Als Spat oder Periarthritis et Osteoarthritis tarsi bezeichnet man arthrotische Veränderungen dorsomedial an den straffen Gelenken des Tarsus beim Pferd.

2 Vorkommen

Spat zählt zu den häufigsten Lahmheitsursachen und ist die häufigste Erkrankung des Tarsus. Die Lahmheit tritt häufig bilateral auf und betrifft Pferde jeden Alters.

Aufgrund der Häufung wird eine erbliche Komponente bei der Krankheitsentstehung vermutet.

3 Anatomie

4 Ätiologie

Spat ist eine multifaktorielle Erkrankung, die vorrangig durch zwei ineinander greifende Komponenten ausgelöst wird:

Komponente  Ursachen
indirekte Ursachen:
  • Rasse
  • Veränderungen im Aufbau der Tarsalknochen
  • Stellungsanomalien (z.B. rückständige oder säbelbeinige Stellung)
  • unphysiologisch gebaute Sprunggelenke (z.B. ein schmales und flach ausgebildetes Sprunggelenk)
  • die Winkelung des Tarsus
  • ungenügende Mineralstoffversrogung während des Wachstums (Kalzium-Phosphor-Verhältnis)
direkte Ursachen:

5 Pathogenese

Abhängig von den einwirkenden Faktoren kommt es anfangs zu einer Aufweichung der Tarsalknochen mit fleckiger und flächenförmiger Einblutungen (Osteoporose). Im weiteren Krankheitsverlauf bildet sich in den weichen Entzündungsherden festes, neugebildetes Knochengewebe (Osteosklerose).

Parallel dazu bildet sich der Knorpel um, sodass es zu Fibrillierung sowie Chondrozytenansammlungen in Form von Clustern und letztendlich auch zum Substanzverlust der Gelenkoberfläche kommt. In dieser Phase erscheint der Knorpel makroskopisch matt, glanzlos, blau-rot verfärbt und zerfranst. Später bilden sich tiefe Klüfte und die Knorpeldicke nimmt stetig ab, sodass sich das darunter liegende Knochengewebe aufgrund der veränderten Druckverhältnisse verdichtet (Arthrose).

Im Laufe der Zeit kommt es zu Verwachsungen und direkten Verschmelzungen benachbarter Tarsalknochen. Die Veränderungen beschränken sich zunächst nur auf den Bereich rund um das Os tarsi central, das Os tarsale secundum sowie tertium. Später breitet sich die Verknöcherung auch auf das Röhrbein (Os metatarsale tertium), das mediale Griffelbein (Os metatarsale secundum) sowie die anderen Tarsalknochen aus.

6 Klinik

Anfangs zeigen betroffene Pferde hauptsächlich Schmerzen, die v.a. bei Streckung des Tarsalgelenks unter Belastung entstehen. Durch die Einschränkungen ist eine typische Lahmheit (Spatlahmheit oder Spatgangart) ausgebildet. Die Lahmheit tritt hauptsächlich beim Übergang von einer ruhigen Gangart (Schritt) in eine forciertere Bewegungsphase (z.B. Trab) auf. Auf den ersten Laufmetern kann dann eine gering- bis mittelgradig gemischte Lahmheit (Stüz- sowie Hangbeinlahmheit) mit überwiegender Stützbeinkomponente beobachtet werden. In fortgeschrittenem Erkrankungsstadium belasten die Tiere die erkrankte Gliedmaße anfangs gar nicht. Erst einige Schritte später bessert sich die Lahmheit allmählich, wobei sie auch gänzlich verschwinden kann. Sind hingegen beide Hintergliedmaßen betroffen, eignen sich die Pferde einen unsauberen Trab an, um die schmerzhaften Prozesse zu kompensieren.

Im Laufe der Erkrankung können durch die Bildung von Exostosen mehr oder weniger große, schmerzlose und harte Verdickungen sowie Auftreibungen im unteren Drittel der Medialfläche des Tarsalgelenks sicht- und tastbar werden (Spatexostosen). Die knöchernen Zubildungen treten zumeist am Os tarsi centrale, Os tarsale secundum und terium sowie unter Umständen auch am Röhrbein sowie medialen Griffelbeinköpfchen auf.

7 Diagnose

Die Verdachtsdiagnose ergibt sich aus den typischen Symptomen (schleichender Krankheitsbeginn, Besserung der Lahmheit in Bewegung aber Verschlechterung bei mehrtägiger schwerer Arbeit, Verdickungen bzw. Auftreibungen im Tarsalbereich, gemischte Lahmheit mit überwiegender Stützbeinkomponente und verkürzter Vorführphase des betroffenen Beines).

Anschließend ist eine gründliche orthopädische Untersuchung anzuschließen. Hierbei sind v.a. eine positive Provokationsprobe (Sprung-Knie-Hüftgelenk-Beugeprobe) sowie positive Leitungs- sowie Synovialanästhesien (Tib-Fib-Anästhesie sowie Anästhesie des Tarsometatarsalgelenk) beweisend. Zusätzlich sind Röntgenbilder in dorsoplantarer, lateromedialer und schräger Projektion notwendig (Unterscheidung zwischen proliferativer vs. osteolytischer Spat).

8 Literatur

  • Baxter GM. 2011. Adams and Stashak's Lameness In Horses. Sixth edition. Wiley-Blackwell Publishing, Ltd. ISBN: 978-0-8138-1549-7/2011.

Diese Seite wurde zuletzt am 8. Januar 2021 um 12:36 Uhr bearbeitet.

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