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Skoptisches Syndrom

Version vom 12. Juli 2017, 18:58 Uhr von Kevin De Smet (Diskussion | Beiträge)

Englisch: Skoptic Syndrome


1 Definition

Das Skoptische Syndrom beschreibt eine psychische Störung, bei welcher Betroffene das Verlangen verspüren, ihre Genitalien zu verstümmeln. Bei diesem Syndrom können diverse Ursachen zugrunde liegen, dennoch gilt es laut DSM-IV als eine nicht weiter spezifizierte Geschlechtsidentitätsstörung (Engl.: Gender Identity Disorder (GID)). Der Name dieser Störung basiert auf der Skopzensekte.

2 Formen

Aufgrund der Seltenheit dieser Störung und der bisher kaum erbrachten Erforschung handelt es sich um ein zu der Zeit (2017) kaum bekanntes Krankheitsbild ohne offiziellen Therapieleitfaden, jedoch gibt es Erklärungsansätze und es lassen sich verschiedene Formen durch ihre jeweilige Klinik differenzieren. Je nach Erleben des Betroffenen kann es sich hier um:

  • einen sexuellen Lustgewinn
  • eine extreme, unvollständig geklärte Form des Masochismus
  • ein, vorrangig aus Psychiatrischer Sicht, sexuell induziertes Schuldgefühl
  • eine abstrakte Art der „Befreiung“

und weitere komplizierte klinische Bilder handeln.

3 Symptomatik

Die Manifestation dieses Krankheitsbildes variiert vor allem aufgrund der Verschiedenen Arten der Genese. Betroffene ersehnen sich meist eine Kastration, Penektomie, Klitoriedektomie oder generell eine Verstümmelung ihrer Genitalien. Hierbei kann es sein, dass der Patient diese Akte selbstvollziehen möchte oder Dritte in die Praktiken involviert. Um seinem somatischen (Wunsch)Selbstbild näher zu kommen schnüren Menschen, die unter diesem Syndrom leiden, z.B. die Blutzufuhr des Penis ab oder Verletzten sich mit teils schweren Schnitten im Intimbereich. Diejenigen, die sich auf diese Art und Weise verletzen (lassen) oder sich einer Penektomie bzw. Klitoriedektomie unterzogen, beschreiben unterschiedliche Erfahrungen. Manche beschreiben es als sexuell erregend und als „Kick gebend“. Andere geben an, sich „befreit“ zu fühlen. „Befreiung“ kann hier meinen, dass man „über“ den Geschlechtern steht und sich (z.B. als Eunuch normwidrig neuerfindet. Ebenso möglich sind der (am ehesten religiös motivierte) Wunsch, nach vollständiger sexueller Enthaltsamkeit, auch im Rahmen einer Indoktrination in eine Skopzen- oder Skopzen ähnliche Sekte. Anders als bei z.B. der Xenomelie oder der Körperintegritätsidentitätsstörung handelt sich hier im Regelfall nicht um den Wunsch, nach außen als behindert oder eingeschränkt zu wirken und somit nicht um einen erhöhten Bedürfnisbedarf, was unter anderem erklärt, dass kaum ein Betroffener sich an einen Arzt wendet. Die Konsultation eines Arztes erfolgt z.B. erst dann, wenn eine Kastration o.ä. missglückte und dringend einer professionellen, medizinischen Intervention bedarf. Trotz seiner Seltenheit ist es, anders als z.B. die Xenomelie, im DSM-IV und im ICD-System (unspezifiziert) gelistet.

4 Ursachen

Die Ursachen für diese Störung sind zur Zeit (2017) nicht vollständig geklärt, jedoch ist man sich einig, dass man zwischen den aufgeführten Formen unterscheiden muss aber auch eine Abgrenzung zu weiteren „Geschlächtsidentitätsstörungen“ getroffen werden sollte. Die bisher bekannten Formen zeigen sich am ehesten psychologischen Ursprungs. Je nach Literatur wird das skoptische syndrom demnach definiert, dass es sich um Männer mit dem Wunsch der Genitalverstümmelung handelt, was irreführend ist weil auch Frauen betroffen sein können.

5 Therapie

Es gibt keinen spezifischen Leitfaden in der Therapie des skoptischen Syndroms. Die Ursachenforschung und die richtige Einordnung hat hier immense Wichtigkeit. Geht der Therapeut davon aus, es handelt sich um eine Form des Masochismus, sollte eine Psychotherapie erfolgen, welche sich empirisch langwierig und schwer zeigt.

Wird davon ausgegangen, es handelt sich bei dem autoaggressiven Verhalten um eine Dysmorphophobie, so kann eine Pharmakotherapie, vorallem wenn diese im frühen Stadium begonnnen wird, Erfolg zeigen. Eine Kombination aus Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI und Antipsychotika bietet sich hier. Wirkungsvoll zeigt sich, unter anderem bei ähnlichen sexuell induzierten Dysphorien, auch Lithium mit einer Dosis von etwa 600-900mg am Tag.

Begleitend ergeben Coping- und Ausweichtechniken Sinn, da diese dem Patienten dabei helfen können, selbstverletzendes Verhalten zu unterbinden, z.B. durch ungefährliche Schmerzreize durch in der Hand halten von Eiswürfeln.

Liegt begleitend eine Depression bzw. Dysthymie vor, sollte diese auch behandelt werden (psychologische Betreuung, Medikamente etc.).

Stellt sich ein Patient mit akuten Verletzungen vor, steht eine chirurgische oder urologische Intervention im Vordergrund.

Dem Wunsch des Patienten, sich kastrieren zu lassen, kann chirurgisch nicht nachgegeben werden, da es sich juristisch um eine schwere Körperverletzung handeln würde.

6 Prognose

Eine Prognose zu dieser Störung ist kaum möglich, da sich Betroffene aufgrund der Intimität dieser Krankheit kaum an Ärzte wenden, wodurch es fast gar keine Erfahrungswerte gibt. Außerdem ist sie unzureichend erforscht.

7 Trivia

Der unteranderem als Künstler bekannte Marilyn Manson schuf ein Aquarellbild mit dem Namen „Skoptic Syndrome“. Dieses widmete er seinem Großvater Jack Warner, der an genanntem Krankheitsbild litt.

Diese Seite wurde zuletzt am 12. Juli 2017 um 19:13 Uhr bearbeitet.

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