Sklerotherapie nach Linser

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1 Definition

Die Sklerotherapie nach Linser ist eine historische und obsolete Methode zur Verödung von Varizen durch Injektion von hypertoner (z.B. 27%iger) Kochsalzlösung. Die stark osmotisch wirkende Lösung schädigt das Endothel und führt zu einer Thrombosierung der Varize. Die Folge ist eine Umwandlung der Vene in einen bindegewebigen Strang.

2 Hintergrund

Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts stellte Paul Linser (1871 – 1963), Wegbereiter der modernen Phlebologie, systematische Untersuchungen zur Behandlung von Krampfadern mittels Quecksilberlösung-Injektionen an.[1][2][3]

Der nicht mit ihm verwandte, jedoch zur gleichen Zeit an der Universität Tübingen arbeitende Dermatologe Karl Linser (1895 – 1976) fand in 15 bis 22%iger Kochsalzlösung ein Verödungsmittel mit geringerer Toxizität. 1925 setzte er das Anästhetikum Procain zu, um schmerzhafte Muskelkrämpfe wahrend der Injektion zu vermindern. Unter dem Namen Varicophtin ließ er diese Mischung erstmals industriell herstellen.[4][5]

3 Durchführung

Wie bei jeder Sklerotherapie sollte zuerst eine gründliche Anamnese und körperliche Untersuchung erfolgen. Mittels Duplexsonographie konnen krankhaft erweiterte Stammvenen bzw. deren Seitenäste identifiziert werden. Die Punktion der zu verödenden Venen erfolgt i.d.R. im Liegen. Die intravasale Lage sollte durch Aspiration oder sonographisch überprüft werden. Anschließend wird das Sklerosierungsmittel injiziert.

Unmittelbar nach Entfernung der Kanüle erfolgt bis zum nächsten Tag eine lokale exzentrische Kompression im Verlauf der verödeten Vene. Direkt nach der Sitzung soll der Patient zur Thromboseprophylaxe ca. 30 Minuten gehen und kann im Anschluss seiner normalen körperlichen Aktivität nachkommen. Intensive sportliche Betätigung, heiße Bäder, Sauna sowie Langstreckenreisen müssen in den ersten Tagen vermieden werden. Eine konzentrische Kompression der Extremität mit einem Strumpf oder Verband für Stunden bis mehrere Wochen wird meist empfohlen. Je nach Ausdehnung der Krampfadern sind zur Behandlung ggf. mehrere Sitzungen notwendig.

Mit der ursprünglichen Methode nach Karl Linser werden Varizen i.d.R. erst ab 2 mm Durchmesser therapiert. Je nach Modifikation und Anwender werden 10 bis 27%ige Kochsalzlösungen in unterschiedlicher Dosis (meist 3 bis 10 ml) verwendet und z.T. wird auf die anschließende Kompression verzichtet.

4 Vorteile

Die Methode nach Linser wird wie jede Sklerotherapie ambulant durchgeführt. Somit bestehen keine allgemeinen Narkose- und Operations-Risiken und der Patient kann nach der i.d.R. 30 bis 45 Minuten dauernden Intervention in den Alltag zurückkehren.

Bei der Verwendung von Kochsalz ist im Gegensatz zu anderen Sklerosierungsmitteln die Möglichkeit einer allergischen Reaktion nicht beschrieben.

5 Risiken

Wie bei anderen Sklerosierungsverfahren muss über folgende unerwünschte Nebenwirkungen aufgeklärt werden:

6 Kontraindikationen

Bei der Methode nach Linser gelten die gleichen Kontraindikationen wie bei anderen Sklerosierungsverfahren:

7 Anwendung

Die Sklerotherapie nach Linser gilt als obsoletes Verfahren, wird jedoch von einigen Heilpraktikern und Ärzten nach wie vor angeboten. Im Gegensatz zur Sklerosierungstherapie mit Polidocanol (Standardtherapie für intrakutane Varizen und Alternative zu endovaskulären und operativen Verfahren v.a. als sog. Schaumsklerosierung), findet die Sklerosierungstherapie nach Linser keine Erwähnung in der aktuellen Leitlinie zur Sklerosierungsbehandlung der Varikose.[6]

Dies hat die folgenden Gründe: Neben unzureichender Datenlage konnte in keiner Vergleichsstudie eine klinische Überlegenheit im Vergleich zu Polidocanol gezeigt werden. Kochsalz verursacht außerdem starke Schmerzen während der Injektion bei gleichzeitig erhöhtem Risiko von Gewebsnekrosen.

Angeboten wird die Linser-Methode als Off-Label-Use und somit ohne Kostenerstattung durch die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) (i.d.R. 300 bis 400 € pro Therapiesitzung). Sie wird häufig als „biologische“ oder „schonende“ Methode bezeichnet.[7] Bei der hypertonen Kochsalzlösung handelt es sich jedoch nicht um eine physiologische, sondern um eine durch ihre Konzentration osmotisch wirkende Lösung, die durch Dehydratation und Zellwandzerstörung das Gefäß verödet.

Als vermeintlicher Vorteil wird oft erwähnt, dass man postinterventionell keinen Kompressionsverband benötigt. Wie die Leitlinie jedoch ausdrücklich beschreibt, wäre dies von Nachteil. Die Kompression verbessert das Ergebnis der Sklerosierung von Besenreisern bei signifikanter Risikosenkung von Hyperpigmentierungen.

Des Weiteren wird mit fehlendem Risiko von Thrombosen oder Nervenverletzungen geworben. Da es sich jedoch um eine Sklerosierungstherapie handelt, sind diese Risiken durchaus gegeben und aufklärungspflichtig. Laut einigen Anwendern soll die Reduktion der Kochsalzkonzentration auf 10% zu einer nebenwirkungsfreien Modifikation führen, jedoch fehlen hierfür evidenzbasierte Daten.

8 Literatur

9 Quellen

  1. Linser P., Ueber die konservative Behandlung der Varicen, Med Klin 1916; 12: 897-898
  2. Linser P., Die Behandlung der Krampfadern mit Sublimateinspritzungen und ihre Erfolge, Med Klin 1921; 17: 1445-1449
  3. Linser P., Die Behandlung chronischer Venenentzündungen mit künstlerischer Thrombosierung nach Linser, Münch Med Wschr 1925; 72: 1105-1106
  4. Linser K., Zur Behandlung der Varizen mit intravenösen Injektionen, Münch Med Wschr 1925; 71: 515
  5. Linser K., Die Behandlung der Krampfadern mit intravarikösen Kochsalzinjektionen, Dermatol Wschr 1925; 81: 1345-1351
  6. Rabe E. et al. Deutsche Gesellschaft für Phlebologie, Sklerosierungsbehandlung der Varikose, AWMF, 2018, abgerufen am 07.10.2019
  7. Homepage Dr. med. Berndt Rieger, abgerufen am 07.10.2019

Autoren: https://flexikon.doccheck.com/de/index.php?title=Sklerotherapie_nach_Linser&action=history

Quelle: https://flexikon.doccheck.com/de/Sklerotherapie_nach_Linser

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