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Selpercatinib

Version vom 14. April 2021, 22:35 Uhr von Dr. Frank Antwerpes (Diskussion | Beiträge)

Handelsnamen: Retsevmo®
Englisch: selpercatinib

1 Definition

Selpercatinib ist ein Inhibitor der RET-Kinase und wird bei RET-positiven Karzinomen der Lunge und Schilddrüse als antineoplastischer Arzneistoff angewandt.

2 Chemie

Selpercatinib ist ein polyzyklisches Molekül, welches unter anderem eine Pyridin- und Pyrazol-Struktur aufweist. Es ist somit basisch.

Die Summenformel lautet C29H31N7O3; das Molekulargewicht beträgt 525,6 g/mol[1].

3 Wirkmechanismus

Selpercatinib ist ein Inhibitor der RET-Rezeptor-Tyrosinkinase ("rearranged during transfection"). Es inhibiert mehrere (mutierte) Isoformen des Rezeptors sowie VEGFR1 und VEGFR3.

Während RET in der Embryonalentwicklung für die Entwicklung des enterischen Nervensystems zuständig ist, spielt es beim Erwachsenen kaum eine Rolle. Ist RET jedoch mutiert, kann es beim Erwachsenen als Protoonkogen zu Karzinomen führen[2].

4 Pharmakokinetik

Der steady state wird nach 7 Tagen erreicht. Die orale Bioverfügbarkeit beträgt 73,2%; das Verteilungsvolumen liegt bei 191 Liter. Die Plasmaproteinbindung beträgt 96%. Die Metabolisierung erfolgt hauptsächlich über CYP3A4; die Halbwertszeit beträgt 22 Stunden[2]

5 Indikation

  • fortgeschrittenes RET-Fusions-positives nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC),
  • fortgeschrittenes RET-Fusions-positives Schilddrüsenkarzinom und
  • fortgeschrittenes RET-mutiertes medulläres Schilddrüsenkarzinom (MTC),

sofern diese Karzinome einer systemischen Therapie bedürfen und der Patient über 12 Jahre alt ist.

6 Darreichungsform und Dosierung

Selpacertinib ist in Form einer Hartkapsel im Handel. Vor Therapiebeginn muss das Vorliegen einer RET-Mutation nachgewiesen werden. Die empfohlene Dosis beträgt anschließend 120 mg zweimal täglich (Körpergewicht unter 50 kg) beziehungsweise 160mg zweimal täglich (Körpergewicht über 50 kg).

Erfolgt die Einnahme parallel zu einem starken CYP3A4-Inhibitor, sollte die Dosis um die Hälfte reduziert werden. Beim Auftreten von Nebenwirkungen kann die Dosis nach einem vorgegebenem Schema reduziert werden[2]


Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.

7 Nebenwirkungen

8 Wechselwirkungen

Da Selpercatinib über CYP3A4 verstoffwechselt wird, kann es zu Wechselwirkungen mit CYP3A4-Inhibitoren (z.B. Proteaseinhibitoren, Fluconazol) und -Induktoren (z.B. Phenobarbital) kommen. Der Arzneistoff ist auch ein Substrat von P-gp und BCRP; dies scheint jedoch nur geringen Einfluss auf die Plasmaspiegel zu nehmen.

Des Weiteren erhöht Selpercatinib die Plasmaspiegel von empfindlichen CYP2C8- (z.B. Repaglinid) und CYP3A4-Substraten (z.B. Midazolam). Die Resorption von Seleprcatinib wird bei gleichzeitiger Gabe von Antacida und Protonenpumpenhemmern verringert; es ist deshalb auf einen ausreichenden zeitlichen Abstand bei der Einnahme zwischen den Medikamenten zu achten[2].

9 Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff

10 Zulassung

Die Zulassung in Deutschland erfolgte im Februar 2021. Die Nutzenbewertung des GBA hat im März begonnen und wird voraussichtlich im Juni 2021 veröffentlicht.

11 Quellen

  1. Selpacertinib in der pubchem-Datenbank, aufgerufen am 14.04.2021
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 Fachinformation zu Retsevmo, fachinfo.de, aufgerufen am 14.04.2021

Diese Seite wurde zuletzt am 14. April 2021 um 22:35 Uhr bearbeitet.

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