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Selbstverletzung

Version vom 23. Juli 2017, 16:19 Uhr von Kevin De Smet (Diskussion | Beiträge)

Synonyme: Autoaggression

Englisch: self-harm (SH), self-injury


1 Definition

Eine Selbstverletzung ist eine bewusste, durch das eigene agieren verursachte Verletzung.

2 Hintergrund

Selbstverletzendes Verhalten ist eine gestörte Verhaltensform bei der Betroffene fortwährend bzw. regelmäßig das Verlangen verspüren, somatische oder psychische Schäden bei sich selbst herbeizuführen und dies dementsprechend praktizieren. Das häufigste und bekannteste Mittel, sich selbst zu verletzen ist das so genannte „Ritzen“. Hierbei wird z.B. eine Rasierklinge benutzt um Gewebe (vor allem an den Unterarmen und Oberschenkeln) auf zu ‚ritzen‘ um teils tiefe Wunden zu verursachen. Auch das Durchtrennen von Blutgefäßen und anderen Strukturen kann hier die Intention sein, sowohl als suizidale Absicht, als auch um schwerere, größere Verletzungen zu provozieren. Häufig kommt es dazu, dass Menschen die Unterarm Sehnen mit Blutgefäßen verwechseln und deshalb (versehentlich) Flexoren oder Sehnen (z.B. die Sehne des Musculus flexor carpi radialis) verletzen oder sogar durchtrennen bzw. das diese durch die Inzision abreißen. Das verletzen mit stumpfen Gegenständen um unteranderem Knochen zu brechen ist äußerst selten. Eher paradox scheint es, dass Menschen oft bei diesen Praktiken keinen oder nur wenig Schmerz, sondern unterschiedlich positive Gefühle beschreiben, wie Erleichterung, Glück, Stärke, Beruhigung etc. Diesen Effekt bewirken die im Gehirn ausgeschütteten Endorphine, Hormone die unter anderem analgetisch wirken, die vermehrt ins Blut sezerniert, wenn es zu dieser Art Verletzungen kommt. Das führt dazu, dass Betroffene immer heftigere (tiefere, flächendeckende) Wunden verursachen müssen/wollen, um dem angestrebten Gefühl nachzukommen. Man kann hier von einer Art Abhängigkeit sprechen. Verletzungen die nicht bei Bewusstsein geschehen aber indirekt aus dem eigenen Verhalten entstehen, z.B. Selbstverletzung nach Drogenkonsum, zählen nicht explizit zu den Selbstverletzungen.



3 Ursachen

Das ein Mensch sich selbst verletzt kann mehrere Gründe haben. Selbstverletzungen/Autoaggressionen kommen meist im Rahmen psychischer Störungen zustande. Es muss sich jedoch nicht zwingend um eine Psychische Störung handeln. So kommt es auch vor, dass Menschen aus besonders starker Rage gegen z.B. eine Tür treten oder gegen eine Wand schlagen. Auch im Rahmen einer Wette (wer hält am meisten Schmerz aus?) kann es dazu kommen, dass ein Mensch sich absichtlich, aber nicht unbedingt krankhaft, Wunden zufügt.

Pathologische Gründe sind z.B.:

und weitere Körperidentitätsstörungen

4 Therapie

Therapiert sollten Menschen, die sich pathologisch selbst verletzen durch psychologische bzw. psychiatrische Betreuung in Form einer psychotherapeutischen Verhaltenstherapie. Das Erlernen von Coping- und Bewätligungs- bzw. Ausweichstrategien bietet sich hier besonders an (statt zur Klinge zu greifen Chilischoten kauen). Bei vorhandener Psychose oder Depression ist ebenfalls eine Pharmakotherapie indiziert (z.B. SSRI).

5 Pflege

In psychiatrischen Einrichtungen untergebrachte Patienten sollten keinen Zugriff auf Utensilien haben, mit denen eine Selbstverletzung leicht ermöglicht werden kann (Messer, Klingen, Nägel etc.). Patienten, die anamnestisch dafür bekannt sind zu solch einem Verhaltensmuster zu neigen und jede Möglichkeit nutzen, dieser Praktik nachzugehen, sollten engmaschig kontrolliert werden. Es muss beobachtet werden, ob der Patient Besteck einsteckt und das der Patient z.B. seinen Rasierer wieder zurückbringt, wenn die Pflege kurzzeitig einen herausgibt. Bei Verdacht ergibt es immer Sinn, Klamotten, Zimmer usw. des Patienten zu durchsuchen.

Diese Seite wurde zuletzt am 23. Juli 2017 um 16:19 Uhr bearbeitet.

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